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Ahrensburg

Ahrensburgerin ist Weltmeisterin

Rettungsschwimmerin Alica Gebhardt von der DLRG Bad Oldesloe holt im französischen Montpellier den Titel mit der deutschen Staffel

Ahrensburg . Alica Gebhardt ist die Ruhe in Person. Vor allem, wenn sie sich in ihrem Metier, dem Wasser bewegt. Lässig winkt die 16-Jährige von der DLRG Bad Oldesloe – die rote Wettkampfpuppe dabei fest in der Hand – während einer Trainingseinheit im Ahrensburger Badlantic in die Kamera.

Ihrer Verantwortung als Rettungsschwimmerin ist sich Alica stets bewusst. „Im Ernstfall kann ich ohne Probleme jemanden vor dem Ertrinken retten, der sogar einige Kilo mehr auf die Waage bringt als ich“, sagt sie. „Ich habe aber auch die nötigen Befreiungsgriffe parat, falls sich jemand an mir festklammert.“ Ihre Fähigkeiten im Rettungssport hat Alica vor kurzem bei den im französischen Montpellier ausgetragenen Weltmeisterschaften mit fünf Medaillenrängen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Den ersten Weltmeistertitel ihrer sportlichen Laufbahn gewann die junge Ahrensburgerin gemeinsam mit den Teamkolleginnen der Jugend-Nationalmannschaft im Wettbewerb 4x100-Meter-Puppenstaffel. Alica, Jessica Grote, Vivien Zander und Annalena Geyer schleppten hintereinander einen mit Wasser gefüllten Gummitorso über eine Strecke von 25 Metern. Das Ganze in überragender Zeit: Die Deutschen stellten in 1:26,50 Minuten einen neuen Jugend-Europarekord auf.

Bei der anschließenden Siegerehrung hatte Alicas Mutter Ester mit den Tränen zu kämpfen. Sie sagt: „Als die deutsche Fahne hochgezogen wurde und die Nationalhymne erklang, während meine Tochter ganz oben auf Podest stand, brachen bei mir sämtliche emotionalen Dämme.“ In der Besetzung Alica, Annalena, Jessica und Janine Wittek gewann das deutsche Team zudem bronzenes Edelmetall. In 1:59,32 Minuten schlugen sie in der Disziplin 4x50-Meter-Hindernisstaffel hinter Australien (1:53,60 Min.) und Italien (1:57,48 Min.) als Drittschnellste am Beckenrand an – nachdem die Mädchen ein 70 Zentimeter tief ins Wasser hängendes Hindernis mehrfach untertaucht hatten. Direkt im Anschluss an den Wettbewerb der Nationalteams begann an gleicher Stelle die Weltmeisterschaft der Vereine. Mit drei Podiumsplatzierungen schnitten die Rettungsschwimmerinnen der DLRG Bad Oldesloe besser als erwartet ab. Alica, Alea Kobbe, Paulina Heiligenthal, Laura Reddersen und Olivia Binde holten Silber im sogenannten Rescue-Tube-Race. Eine Disziplin, die in höchstem Maße sowohl schwimmerische Fähigkeiten als auch Teamarbeit voraussetzt.

Alicas Medaillenhunger indes war noch nicht gestillt. In zwei Einzeldisziplinen – dem Lifesaver (1:04,32 Min., neuer Landesrekord) und dem Superlifesaver (2:38,43 Min.) – gewann sie Bronze. Beide Disziplinen zählen zu den Königswettbewerben im Rettungsschwimmen, da sie eine Kombination aus unterschiedlichen Anforderungen sind. Nicht ganz so erfreulich verlief die WM-Teilnahme für die Oldesloer Damenmannschaft. Während Ramona Venohr als einzige im Vollbesitz ihrer Kräfte war, gingen Kim Lauenroth, Katharina Cleophas und Stefanie Binde angeschlagen an den Start. Als Team blieben die Stormarnerinnen hinter ihren Möglichkeiten zurück und mussten sich mit der Teilnahme an den Vorläufen zufrieden geben. Venohr allerdings erreichte im Einzelwettbewerb Beachflag – eine auf Konzentration, Reaktions- und Sprintfähigkeit ausgelegte Disziplin – das B-Finale und wurde 17.

Die Weltmeisterschaft in Montpellier begann für Alica mit großer Aufregung, denn ihr Koffer war am Flughafen Düsseldorf stehen geblieben. „Letztendlich war es dann doch nicht so schlimm, da jeder aus dem Team mir mit Sachen ausgeholfen hat“, sagt Alica. Mutter Ester, die mit dem Auto bereits in Richtung Mittelmeerküste unterwegs war, legte einen Zwischenstopp in Düsseldorf ein und lud das vermisste Gepäckstück in den Kofferraum. Alica begann vor gut zwölf Jahren mit dem Vereins-Schwimmsport. Die Familie Gebhardt stand allerdings vor größeren Schwierigkeiten als erwartet: „Kein Verein in der näheren Umgebung wollte ein vier Jahre altes Kind in ihre Schwimmsparte aufnehmen“, sagt die 43-Jährige. Souverän räumte die ehemalige Rettungsschwimmerin die Hürde aus dem Weg. „Ich bot der DLRG Ahrensburg an, als Übungsleiterin den Trainingsbetrieb zu unterstützen“, erzählt sie. „Sofort bekamen meine Tochter und ich grünes Licht.“

2012 wechselte Alica zur DLRG in der Kreisstadt. Der Schwimmsport liegt ihr und ihrer Familie einfach im Blut. „Meine Mutter arbeitete in Hamburg als Bademeisterin“, sagt Ester Gebhardt, „deshalb konnte ich bereits schwimmen ehe ich das Laufen gelernt habe.“