Stormarn
Kommentar

Abgeschnitten von der Welt

Wer sein Jackett nervös abtastet oder in seiner Tasche kramt, sucht heute sein Handy, sein Smartphone oder seinen Tablet-PC.

In der U-Bahn, im Café, an jeder x-beliebigen Straßenecke. Die Suche hat immer etwas Fieberhaftes. Wo ist das Ding nur? Auf dem Nachttisch, abgelegt nach dem letzten Mail-Check vorm Einschlafen? Nicht auszudenken! Nicht erreichbar zu sein oder nicht ins Internet zu kommen, bedeutet abgeschnitten zu sein von der Welt.

Welche Erleichterung, wenn der ständige Begleiter schließlich auftaucht und der Weg in die schöne weite Welt wieder frei ist. Und welch’ ein Glück, dass die Anbieter nicht müde werden, die Sache zu perfektionieren und Wege ins Surferparadies so problemlos wie möglich zu machen, und das überall – auch noch kostenfrei. Jede Sekunde online. Nichts verpassen. Immer im Gespräch bleiben. Toller geht’s nicht.

Klar. Die Anbieter verschenken nichts. Sie locken mit dem Null-Tarif, um zahlende Kunden zu gewinnen. Aber wen stört das schon. Man wird ja nicht gezwungen. Und die paar Euro für eine lückenlose Kommunikationsmöglichkeit. Das ist doch irre.

Stimmt. Auf Schritt und Tritt mit der ganzen Welt verbunden – während kaum ein Gruß für den Nachbarn übrig bleibt und die Freundin im Coffee-Shop stört, weil sie in die gerade eingetrudelte Mail reinredet. Die Technik bietet grandiose Möglichkeiten. Aber Systeme, die sich krakenartig ausbreiten und lückenlos funktionieren, sind bedrohlich. Wer sich in einem solchen System verliert, verliert nicht nur sich selbst, sondern vielleicht auch den Freund, den er gerade getroffen hat: Nur eben die Mail lesen. So fertig. Wo ist er denn jetzt? Weg. Abgeschnitten von der realen Welt.