Stormarn
Kommentar

Keine Alternative für Deutschland

Wenn es einer Partei möglich sein sollte, in nur zwei Stunden sämtlichen Kredit zu verspielen, dann ist der Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) dieses Kunststück in Bad Oldesloe geglückt.

Zutritt zu einer öffentlichen Veranstaltung in städtischen Räumen hatten nur Auserwählte: Menschen, die nach Gesichts- und Stilkontrolle am Eingang in ein Raster passten. Menschen, die nicht „stören“ würden. Ausgesperrt blieben infolge dessen unter anderem eine SPD-Stadtverordnete und ein Mann mit Migrationshintergrund.

AfD-Mitglieder verweisen, so sie sich zu Unrecht in die nationalistische Ecke gedrängt fühlen, gern auf ihr Parteiprogramm, da stehe so etwas gar nicht drin. Apropos Programm: „Wir fordern, den Rechtsstaat uneingeschränkt zu achten“, heißt es darin. Und: „Wir setzen uns dafür ein, dass auch unkonventionelle Meinungen im öffentlichen Diskurs ergebnisoffen diskutiert werden, solange die Meinungen nicht gegen die Werte des Grundgesetzes verstoßen.“

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft hier offenbar eine große Lücke. Am Ende zählt jedenfalls das gesprochene Wort beziehungsweise die ausgeführte Tat. Sozialdemokraten und Ausländer „stören“, und wer generell eine andere Meinung hat, ist auch nicht willkommen: Das ist bedenklich, undemokratisch, totalitär, an der Grenze zur Verfassungswidrigkeit, gefährlich. Und keinesfalls eine Alternative für Deutschland.