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Kein Anschluss unter dieser Anschrift

Vermeintlich in Ahrensburg ansässige Firma bewirbt Handys, kassiert, liefert aber nicht

Ahrensburg. Das Angebot klingt verlockend: Nur 485 Euro soll das iPhone 5c kosten. Der Hersteller verlangt 599 Euro für das Mobiltelefon. Das Samsung Galaxy S4 ist für 469 Euro zu haben – ein Modell, das es regulär für 639 Euro zu kaufen gibt. Mit solchen Preisen wirbt die Handyhof GmbH aus Ahrensburg auf ihrer Internetseite. Ein Gütesiegel einer bekannten Firma soll dabei Vertrauen erwecken. Doch seriös sind die Angebote nicht. Das musste jetzt ein 45 Jahre alter Käufer aus Wolfenbüttel (Niedersachsen) erfahren.

Der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, bestellte am 23.Februar bei dem Onlinehändler ein blaues iPhone 5c für seine 17-jährige Tochter. Damals sollte es sogar nur 419,90 Euro kosten. Der Wolfenbütteler leistete nur einen Tag nach der Bestellung Vorkasse. Er wartet bis heute auf das Gerät. Zwar können Kunden ein Handy auch per Nachnahme (Zahlen beim Erhalt des Paketes) bestellen, doch der 45-Jährige hoffte, so schneller an die begehrte Ware zu kommen.

Dass das ein großer Fehler war, sieht der Mann inzwischen ein. Denn unter der Telefonnummer, die als Kundenhotline auf der Homepage steht, ist niemand zu erreichen. Auch auf E-Mails reagiere das Unternehmen nicht. Die Gewissheit, auf Betrüger hereingefallen zu sein, hatte der Käufer jedoch, als er ein Beschwerdeschreiben per Post wieder zurückbekam.

Denn unter der Firmenadresse Gänseberg 5 in Ahrensburg gibt es die Firma nicht. Zumindest nicht mehr. Der Vermieter des Bürokomplexes erklärt auf Anfrage, dass die Firma im November vergangenen Jahres ausgezogen sei. Grund: „Die haben ihre Miete nicht mehr gezahlt“, so der Geschäftsmann. Anfang 2013, sagt er, sollen die Mitarbeiter der Handyhof GmbH die Büroräume bezogen und dort auch gearbeitet haben. Doch die Mietzahlungen blieben schon nach einem halben Jahr aus, sodass der Vermieter den Vertrag kündigte.

Angeblich soll der Firmenchef gestorben sein

Von einer Klage sieht der Geschäftsmann jedoch ab. „Die Mitarbeiter haben mir gesagt, dass der Inhaber der Firma gestorben sei und es das Unternehmen nicht mehr gebe“, sagt der Vermieter. Ob das der Wahrheit entspricht oder es nur ein Trick ist, ist unklar. Denn der Firmenchef soll gar nicht in Deutschland gelebt haben. Laut dem Vermieter seien Mietzahlungen und sämtliche Schreiben aus dem Ausland gekommen. Dass das Unternehmen nicht mehr aktiv ist, entspricht indes nicht den Tatsachen. Bis heute bietet die Handyhof GmbH Smartphones auf ihrer Homepage an. Als Inhaber ist weiterhin Dmitrijs P. im Impressum eingetragen. Auch im Lübecker Handelsregister (HRB 12376 HL) wird P. derzeit als Geschäftsführer geführt.

Auf die Geschäfte der Handyhof GmbH ist auch die Kriminalpolizei in Ahrensburg aufmerksam geworden, die bestätigt, dass der Wolfenbütteler nicht das einzige Betrugsopfer ist. Die Beamten ermitteln derzeit wegen Betruges gegen das Unternehmen.

Auch Trusted Shops, ein Unternehmen, das Online-Händler auf ihre Seriosität prüft und ein Sicherheitszertifikat vergibt, berichtet, dass es Anfang März „vermehrt Beschwerden“ gab, „was einen Verstoß gegen die Qualitätskriterien von Trusted Shops darstellt und dementsprechend sanktioniert wird“, wie Olaf Groß, Sprecher des Unternehmens, sagt. Ob dem in Ahrensburg gemeldeten Online-Händler das Gütesiegel entzogen wird, werde derzeit geprüft.

Denn noch immer wirbt die Handyhof GmbH auf ihrer Homepage mit dem schwarz umrahmten, runden Siegel mit einem blauen „e“ in der Mitte. Außerdem gibt es auf der Seite des Handyshops ein Video, in dem Kunden erklärt wird, nach welchen Kriterien Trusted Shops Online-Händler prüft und wie vertrauenswürdig das eigene Unternehmen folglich ist.

Ralf Lorenzen, der Chef der Ahrensburger Kriminalpolizei, warnt deswegen allgemein davor, bei Unternehmen, die man nicht kennt, Vorkasse zu leisten.