Ahrensburg

Interesse an Mietgärten im Kreis Stormarn wächst

| Lesedauer: 6 Minuten
Ewelina Berger

Mietgärten werden immer beliebter. In Stormarn wächst die Zahl der Anbieter, die ihre Ackerflächen für Privatmenschen zum Gemüseanbau zur Verfügung stellen. Es sind noch freie Flächen vorhanden.

Ahrensburg. „Hier wird bald mein eigenes Gemüse wachsen“, sagt Kathrin Mordass und sticht den Spaten schon mal probeweise in die noch nicht bearbeitete Erde. Die Bargteheiderin ist eine von vielen Hobbygärtnern, die dieses Jahr erstmals einen Gemüsegarten auf dem Gut Wulfsdorf in Ahrensburg mieten werden. „4000 Quadratmeter stehen in dieser Saison ab 10. Mai bis 26. Oktober dafür zur Verfügung“, sagt Kerstin Meyer, Sprecherin des Hofbüros. Menschen aus der Region können dann auf Parzellen von rund 50, 100 oder 150 Quadratmetern ihr Freilandgemüse in Bioqualität anbauen.

Das Angebot an Miet-Parzellen in Stormarn wächst. Bereits im dritten Jahr bietet etwa das Unternehmen „Meine Ernte“ in Zusammenarbeit mit dem Hof Delfs in Stapelfeld Gärten an. Von Ende April bis Ende Oktober wird dort auf Gärten von 45 und 85 Quadratmetern gesät, gepflanzt und geerntet. Dieter Cordes, Biobauer und Initiator von „Unser Gemüsegarten“, bot bisher Parzellen in Ammersbek an und ist in dieser Saison (April bis Oktober/November) erstmalig im Ahrensburger Stadtteil Wulfsdorf mit Gemüsegärten auf 48, 96 oder 144 Quadratmetern als Anbieter vertreten. Auch er hat circa 4000 Quadratmeter dafür eingeplant. Das entspricht rund 80 Parzellen der kleinsten Größe. „Meine Ernte“ stellt bis zu 100 kleine Gärten bereit. Der Ertrag der Parzellen aller Anbieter reicht dabei für ein bis zwei Personen.

Auf Gut Wulfsdorf möchte Mordass erst einmal kleine Brötchen backen. „Wir fangen zunächst mit 50 Quadratmetern an und probieren aus, wie es läuft“, sagt die Bargteheiderin. Die Mutter einer fünf Jahre alten Tochter wird die Parzelle mit Mann und Kind bewirtschaften. Denn ihr eigener Garten ist zu klein, um dort Gemüse anzubauen. Tomaten und Paprika in Kübeln war alles, was die ehemalige Lehrerin für Biologie und Geografie anbauen konnte. Umso erfreuter ist sie, dass sie von dem Angebot des Guts Wulfsdorf erfahren hat. „Ich kaufe oft im Hofladen des Guts ein, habe dort den Flyer mit dem Angebot für die Gemüseparzellen entdeckt.“

Eine Mitgliedschaft in einem Kleingartenverein war keine Alternative für sie. „Da gibt es zu viele Vorschriften. Ich glaube nicht, dass ich dort auf Gleichgesinnten treffe“, sagt die 51-Jährige. Genau das sei ihr aber wichtig. Der Austausch mit anderen und die gemeinsamen Aktivitäten mit der Familie stünden für sie im Vordergrund. Ihr kleiner Spross freut sich auch schon aufs Jäten, Gießen und Ernten. Mordass sagt: „Meine Tochter ist begeistert von der Idee. Jetzt kann sie sehen, woher das Gemüse kommt und wie es wächst.“

Betreuer des Projekts auf Gut Wulfsdorf ist der Gärtner Richard Kaatz. Er hat sich für die Umsetzung der Idee, Gärten auf dem Hof in Ahrensburg zu vermieten, stark gemacht. „Mir ist es ein Anliegen, Menschen in unsere Arbeit einzubinden, auf diese Weise in Kontakt mit ihnen zu kommen“, sagt der 31-Jährige. Als der studierte Umweltwissenschaftler vor Jahren zum ersten Mal von solchen Projekten gehört hat, war er sofort angetan. Er finde es gut, dass immer mehr Menschen hautnah erleben können, wie Gemüse entsteht. „Insbesondere für Leute mit Kindern ist es eine schöne Sache.“

Manche kommen aber auch allein, schaufeln und harken sich quasi heraus aus dem Alltagsstress. Susanne Hartmann ist eine von ihnen. Die 45 Jahre alte Hausfrau war von Anfang an dabei, als das Projekt in Stapelfeld anlief. „Ich bin wochentags immer morgens hingegangen. So war ich für mich allein und konnte mich bei der Gartenarbeit entspannen.“ Erfahren hat die Ahrensburgerin von dem Projekt in einer Zeitschrift. Nach ihrer Anmeldung musste sie noch ein Jahr warten, bis eine Fläche in Stormarn für das Gartenprojekt von „Meine Ernte“ verfügbar war. „Ich hatte schon immer einen grünen Daumen, aber mein eigener Garten war nicht gut genug für den Gemüseanbau geeignet“, sagt die 45-Jährige. Dieses Jahr wird die Stormarnerin pausieren, weil sie ihre eigene Grünfläche pflegen möchte. „Aber nächstes Mal bin ich wieder mit von der Partie.

Stormarner wie Susanne Hartmann sind auf dem Stapelfelder Hof der Familie Delfs aber eher in der Minderzahl. „Wir haben bisher 60 Anmeldungen, von denen 50 aus Hamburg sind“, sagt Markus Schmidt, Betreuer des Gartenprojekts in Stapelfeld. Der Hof ist wohl vor allem für Hamburger interessant, weil er an den Nordosten der Hansestadt grenzt. Beim Gut Wulfsdorf sieht die Lage wieder anders aus. „Die meisten Anmeldungen kommen bisher aus Stormarn, darunter sind viele Ahrensburger. Aber auch Leute aus Hamburg sind dabei“, sagt Hofsprecherin Kerstin Meyer. Wie sich die Verteilung beim Biobauern Cordes entwickeln wird, muss man abwarten. „ Bisher haben wir nicht genug Anmeldungen, um darüber eine Aussage machen zu können“, sagt Cornelia Winterstein, Betreuerin des Projekts „Unser Gemüsegarten“.

Die Pächter müssen nur noch Unkraut jäten, pflanzen, gießen und ernten

Unabhängig davon, für welchen Anbieter sich die Hobbygärtner entscheiden, werden sie in jedem Fall die ganze Saison bei der Pflege ihrer Parzelle von Landwirten und Gärtnern begleitet. Alle nötigen Arbeitsutensilien und Gießwasser sowie das Know-how der Bauern werden zur Verfügung gestellt. Rund 20 Gemüsesorten und auch Blumen werden im Vorfeld von den Landwirten ausgesät oder eingepflanzt. Eine kleine Fläche bleibt jeweils für individuelle Wünsche frei. Die Felder werden komplett vorbereitet übergeben. Markus Schmidt sagt: „Die Pächter der Gemüsegärten müssen nur noch Unkraut jäten, gießen, ernten und nach Bedarf neu säen und pflanzen.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn