Stormarn
Ammersbek

Hoisbüttel präsentiert Frauenschuhe

Aber auch andere Orchideenarten werden bis Sonntag im Pferdestall des Gutshofs ausgestellt

Ammersbek. „Früher waren Orchideen noch sehr exklusive, exotische Pflanzen“, sagt Franz Glanz in ruhiger bayerischer Tonfärbung. Das habe ihn fasziniert. „Heute aber ist sie eine Massenware“, fährt der Gärtner aus Unterwössen im Chiemgau fort. Unter seinen Gewächsen finden sich dennoch immer wieder Besonderheiten. So präsentiert er vom heutigen Freitag an neben der weißen Phalaenopsis, der gegenwärtig meist verkauften Zimmerpflanze, beispielsweise auch einen seltenen roten südamerikanischen Frauenschuh auf der Orchideenausstellung im Ammersbeker Ortsteil Hoisbüttel (Gutshof 1).

„Die Schau ist klein, aber fein“, begründet der 69-Jährige seine rund 1000 Kilometer lange Anfahrt. Daran hat Glanz freilich erheblichen Anteil. Der Bayer hat weit mehr als 20 Mal – die genaue Zahl erinnert er nicht – den Jahrespreis der Deutschen Orchideengesellschaft gewonnen, war 2008 gar Champion der Weltorchideenschau in Dijon und wurde vor zwei Jahren beim europäischen Orchideenkongress in Budapest mit Preisen für den besten Stand und die beste Pflege der Blumen ausgezeichnet. Die Chancen stehen gut, dass seine Blüten am Freitagabend vom Bewertungsausschuss der Deutschen Orchideengesellschaft (DOG) auch diesmal prämiert werden.

Auch Laien können sich an der Farbenpracht erfreuen und vielleicht so manchen Tipp vom Fachmann oder von der Fachfrau für ihre eigenen Orchideen bekommen. „Die Pflanzen dürfen nicht zu viel begossen werden, höchstens einmal die Woche“, erklärt Martin Kirsch. Er leitet die Hamburger Gruppe der DOG, zu der auch viele Orchideenfreunde aus Schleswig-Holstein gehören. Sie richtet die Schau, die diesmal neun Stände umfasst, bereits zum siebten Mal in Ammersbek aus.

Kirsch rät zudem, Orchideentöpfe nicht in Übertöpfe zu stellen. „Dann sammelt sich unten im Übertopf eine Wasserpfütze und das mögen die Pflanzen gar nicht.“ Orchideenwurzeln wollten es lieber luftig haben. „Deshalb wird auch keine Erde, sondern Pinienrinde in die Töpfe getan.“ Alle zwei Jahre sollten die Blumen aber umgetopft werden, da sich die Rindenstücke durch Feuchtigkeit zersetzten und damit ebenfalls das Wachstum der Orchideen beeinträchtigten.

Experten wie Glanz beschäftigen natürlich diffizilere Probleme. Etwa: Wie sie eine Orchidee züchten, deren Blütenfarben beeindrucken und die zugleich stabil wachsen. „Meist ist nur eines von beiden zu erreichen“, weiß Glanz, der bislang mehr als 300 neue Züchtungen angemeldet hat. Dabei bedient er sich in der Regel zweier Pflanzen, die er miteinander kreuzt.

„Der Pollen bestimmt die Farbe, die andere Blume eher das Wachstum“, sagt Glanz. Das Ergebnis sei dennoch stets schwer vorauszusagen. „Weil viele neue Züchtungen nicht gefallen, werden sie gar nicht angemeldet.“ Wer ebenfalls neue Orchideenformen schaffen will, sollte nach Auffassung von Glanz früh damit anfangen und vor allem viel Geduld haben. „Teils dauert es bis zu zehn Jahre, bis die erste Blüte nach der Bestäubung kommt.“

Öffnungszeiten: Freitag und Sonnabend von 10 bis 18 Uhr, Sonntag von 10 bis 17 Uhr; Eintritt: vier Euro, Kinder zahlen zwei Euro.