Stormarn
Ahrensburg

Ministerin ist für Denkmalschutz

Streit um Ahrensburger Rathaus: Anke Spoorendonk (SSW) will von ihrem Vetorecht keinen Gebrauch machen

Ahrensburg. Sie war die letzte Hoffnung der Ahrensburger Denkmalschutzgegner: Anke Spoorendonk (SSW). Die Chefin im schleswig-holsteinischen Kulturministerium ist qua Amt Inhaberin des Ministervorbehaltes. Sie kann bei Gebäuden, die jünger als 65 Jahre alt sind, die Eintragung ins Denkmalbuch stoppen. Im Falle des Ahrensburger Rathauses wird sie es wohl nicht tun. Dem Hamburger Abendblatt sagte die Kulturministerin: „Ich sehe gegenwärtig keinen Grund, in das laufende Verfahren einzugreifen.“

Ihre Entscheidung begründete sie damit, dass die Zweitgutachter die Einschätzung des schleswig-holsteinischen Landesamtes für Denkmalpflege bestätigt haben. Vielmehr: Sie haben die Entscheidung „nicht nur fachlich nachvollziehbar genannt, sondern sogar als notwendig bezeichnet“.

Damit dürfte der jüngste Plan der Denkmalschutzgegner hinfällig sein: Zuletzt hatte der Ahrensburger CDU-Mann Tobias Koch angekündigt, an die Ministerin appellieren zu wollen, von ihrem Vetorecht Gebrauch zu machen (wir berichteten). Einen entsprechenden Antrag will der Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete im heutigen Bauausschuss sowie in der Stadtverordnetenversammlung am Montag, 27. Januar, stellen. Spoorendonk sagte dazu: „Auch die CDU vor Ort sollte endlich das fachliche Urteil akzeptieren.“ Immerhin habe Koch in der Regionalausgabe Stormarn des Abendblatts zuvor erklärt, dass er das Ergebnis des Zweitgutachtens als verbindlich anerkennen würde, sagt die Ministerin.

CDU befürchtet, dass der Denkmalschutz teuer werden könnte

Koch und seine Fraktion halten unterdessen an ihren Zweifeln zum Denkmalschutz fest. „Wir werden unseren Antrag nicht zurückziehen.“ Grund sei – so Koch – die Angst vor den hohen Kosten infolge einer Unterschutzstellung. Steht das Ahrensburger Rathaus im Denkmalbuch, dann müsste sich die Verwaltung bei Veränderungen am Rathaus mit der Denkmalbehörde abstimmen. Und der Sanierungsstau ist unbestritten. Die Experten des Zweitgutachtens hatten auf 23 Mängel hingewiesen, zudem ist eine Brandschutzsanierung geplant. Olaf Gisbertz, Experte für Architekturgeschichte, und der Architekt Sebastian Hoyer hatten im Dezember bei der Vorstellung ihres Gutachtens empfohlen, dass Ahrensburg selber aktiv werden sollte. Gisbertz: „Wenn die Stadt beantragt, dass das Rathaus unter Schutz gestellt wird, steigt die Chance auf Unterstützungszahlungen.“ Die CDU will sich laut Koch nicht auf die Gunst der Fördergeldzahler und Stiftungen verlassen, deren Zuwendungen immerhin „höchst unsicher“ seien.

Ministerin will das Ahrensburger Rathaus noch besichtigen

Thomas Belizzi, Fraktionschef der Ahrensburger FDP, teilt die Meinung der CDU-Fraktion. Er kritisiert das Verhalten der Ministerin. Bellizzi: „Es ist die Aufgabe von Frau Spoorendonk als Kulturministerin, in ein Verfahren wie dieses einzugreifen, trotz der Gutachten.“ Besonders wichtig sei das, weil die Diskussion in Ahrensburg so intensiv sei. Bellizzi: „Sie sollte zudem erst urteilen, wenn sie nicht nur die Gutachten, sondern auch das Rathaus kennt.“

Im August hatte Tobias Koch vorgeschlagen, die Ministerin nach Ahrensburg einzuladen, um sich das Rathaus anzusehen. Dieser Einladung möchte die Ministerin „noch gerne nachkommen“. Einen konkreten Termin nannte Spoorendonk allerdings nicht. Koch: „Vor dem Hintergrund ihrer Äußerung müssen wir nun allerdings befürchten, dass sie mit einer vorgefertigten Meinung kommt.“ Das sei „höchst unfreundlich“.

Hartmut Möller, SPD-Fraktionschef Möller ist unterdessen zufrieden: „Den Äußerungen der Ministerin, dass die fachlichen Urteile der Gutachten akzeptiert werden sollten, kann ich nichts hinzufügen.“ Auch seine Fraktion werde an ihrem Antrag festhalten. Darin wird die Verwaltung aufgefordert, selbst den Antrag an die Denkmalbehörde zu stellen.“ Möller: „Wenn der Antrag im Bauausschuss abgelehnt wird, dann werden wir ihn erneut in der Stadtverordnetenversammlung stellen. Der Hausherr selbst will sich nicht äußern. Bürgermeister Michael Sarach sagte lediglich: „Meine Einschätzung spielt keine Rolle.“

In der Sitzung des Bauausschuss wird am heutigen Mittwoch unter anderem über die Unterschutzstellung des Rathauses gesprochen und über die Anträge von CDU und SPD abgestimmt. Die Mitglieder treffen sich um 19 Uhr im Sitzungszimmer 601 des Rathauses (Manfred-Samusch-Straße 5).