Stormarn
Kommentar

Kneipenkultur im Wandel

Mehr als 82 Jahre lang war die Gaststätte Zur Mühle in Bad Oldesloe im Familienbesitz.

Wenn die dritte Generation dieser Tradition, das Ehepaar Ute und Harry Struppek, jetzt aus Altersgründen aufhört und das Lokal verpachtet, dann ist das nicht allein ein simpler Besitzerwechsel, sondern auch ein weiterer Beleg dafür, dass sich die gastronomische Kultur im Lande verändert hat.

Die Struppeks waren über Jahrzehnte eine Institution in Oldesloe, weil sie ihr Geschäft gelebt haben. Ihr Beruf wurde zur Berufung – wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die Gäste in der „Mühle“ wie zu Hause gefühlt haben. Funktionieren kann so ein Betrieb nur mit dem vollen Einsatz der ganzen Familie, quasi rund um die Uhr. Ein hart erarbeitetes Einkommen also. In der Freizeitgesellschaft ist das kein Modell, das die Kinder zum Nachahmen animiert. So zählt die Gastronomie – wie auch der Einzelhandel – zu den Branchen, in denen es nur noch selten eine Generationen übergreifende Kontinuität gibt.

Hinzu kommt, dass gastronomische Konzepte sich der Zeit anpassen müssen. Ein Lokal wie die „Mühle“ zieht durch sein Flair und Angebot ein reiferes Publikum an – was sich am Altersschnitt der Stammkunden ablesen lässt. Von ihnen allein wird der zukünftige Betreiber auf Dauer nicht leben können.

Sven W. Pehla, der neue Pächter, weiß, dass er die „Mühle“ für neue Gäste öffnen muss, ohne dass er die alten verprellt. Er hofft, diesen Spagat zu bewältigen, indem er das Lokal im Großen und Ganzen lässt, wie es ist. Zusätzlich will er kleine Kulturveranstaltungen wie Lesungen und Konzerte organisieren.

An das ganz junge Publikum wird er damit nicht herankommen. Denn die Kneipenkultur ist im digitalen Zeitalter ein schwieriges Geschäft, weil Computerkids sich lieber daheim interaktiv am Bildschirm vergnügen, als sich mit Freunden beim Bier zu treffen. Dennoch ist Pehlas Bemühen aller Ehren wert, denn er will einen Ort erhalten, an dem Menschen miteinander reden. Das klingt zwar altmodisch, ist aber immer noch das, was unser Zusammenleben ausmacht.