Bargteheide

Jung und Alt miteinander - es geht doch

In der Bargteheider Malepartus-Anlage empfinden es die Senioren als Bereicherung, neben Kindern zu leben. Gegenseitige Rücksicht steht dabei an erster Stelle.

Bargteheide. Gleich hinter dem Eingangstor zur Malepartus-Anlage verschluckt wogendes Grün den Lärm der Straße und ihr Grau. Der schmale, gepflasterte Weg windet sich und erreicht dann die Wohnanlage, die wie auf einer Lichtung im Wald steht. Aber in dieser Malepartus-Anlage lebt nicht Reineke Fuchs wie in der Tierfabel in seinem Bau, dem Malepartus, hier leben pflegebedürftige Menschen Seite an Seite mit einem Kindergarten. Und nicht nur Seite an Seite, sondern oft auch noch dichter und im regen Kontakt.

Der Awo-Waldkindergarten Malepartus liegt am Ende des Grundstücks. Vom Sandkasten aus können die spielenden Kinder aus der Füchse-Gruppe, wenn sie die Köpfe heben, zu ein paar Balkonen der Pflegeeinrichtung blicken. Der Leiter des Kindergartens, Rainer Plambeck, deutet auf einen der Balkone. "Dort, wo jetzt die roten Blumen stehen, gingen die Kinder immer in einem bestimmten Bogen lang. Sie wussten nämlich, dass die Bewohnerin gern mal ein Körbchen an einem Faden herabsinken ließ. Darin waren Bonbons für die Kinder, eins nach dem anderen ging vorbei und griff sich eine Leckerei." Es habe schon mehrere Bewohner gegeben, die ausdrücklich nach den Wohnungen in Kindergartennähe gefragt haben.

Auch im Haus Gartenholz in Ahrensburg, in dem die Anwohner betreut leben, gibt es bald eine Krippe mit Spielplatz, von dem aus die Kinder zu Balkonen hochblicken können. Hinter den Glastüren sind die Bewohner aber gar nicht erfreut darüber, dass darunter bald Krippenkinder im Sandkasten buddeln. Sie haben vielmehr Angst vor zu viel Kinderlärm und sorgen sich um ihre Ruhe.

Ob Kinder so dicht an einer Seniorenwohnanlage also eine Bereicherung oder eher ein Störfaktor sind, bietet Stoff für kontroverse Diskussionen.

"Wir hatten im Wohnpark Malepartus noch nie eine Beschwerde wegen Lärmbelästigung durch die Kinder", sagt Geschäftsführer Mathias Steinbuck. "Die Vorbehalte der Anwohner im Gartenholz kann ich verstehen. Aber nachvollziehen kann ich sie nicht." Ganz bewusst sei der Einzug des Kindergarten neben die Pflegeeinrichtung gewesen. "Die Bewohner genießen es, dass die Kinder hier sind. Das gibt der parkähnlichen Anlage sehr viel mehr Leben."

Brigitte Hartnik wohnt dicht am Kindergarten. "Gleich da drüben", sagt sie und deutet mit dem Arm über das Gelände des Kindergartens. "Aber das ist nicht zu laut. Ich weiß, dass darauf geachtet wird." Und: "Wir waren doch alle mal jung."

"Lärm durch Kinder?" Bewohner Heinz Bärfacker lacht. "Nö, niemals. Ich warte doch im Gegenteil morgens schon immer auf die Stimmen, dass ich weiß, die Kinder sind da." Mattis, 4, zeigt ihm seine Hand. Den Daumen hat er vor dem Handteller eingeklemmt. "Ich bin schon vier!", sagt er stolz zu Bärfacker, der, angelehnt auf eine Gehhilfe, vor dem Kindergarten steht. "Vier Jahre schon? Tja, da bin ich wohl ein klitzekleines bisschen älter als du", sagt er zu Mattis und lacht wieder. Er lache gern, sagt er. Es sei wichtig, wie das Zusammenleben gestaltet werde, sagt Rainer Plambeck. Richtig gemacht, sei das dann gesellschaftliche Erziehung - sowohl für die Kinder als auch für die Senioren. "Rücksicht steht dabei an erster Stelle", sagt Plambeck. "Wenn die Kinder draußen spielen unter den Balkonen der Anwohner, achten wir natürlich darauf, dass es nicht zu laut wird. Die Kinder wissen das und halten sich meistens auch daran. Und wenn nicht, greifen die Erzieherinnen ein."

Eine Bereicherung für die Senioren sei der Kontakt zu den Jüngsten der Gesellschaft. "Und sie lernen, dass sie noch mittendrin sind", sagt Plambeck. Für die Kinder sieht er ebenfalls viele Vorteile. "Sie lernen, respektvoll mit den älteren Menschen umzugehen, aber dass sie keine Berührungsängste haben müssen. Auch Themen wie Pflegebedürftigkeit und Tod gehören zum Leben dazu. Ich finde es wichtig, dass Kinder sehen, dass das nicht ausgeklammert werden kann und auch gar nicht verschwiegen werden muss."

Mathias Steinbuck sagt: " Es ist eine Frage von Geben und Nehmen. Wir wollen den Kontakt aktiv gestalten, vor allem bei Festen wie dem Laternelaufen im Advent oder an Ostern. Aber wir haben auch Projekte wie die Vorlesepaten oder dass die Kinder Lieder einstudieren, die sie dann vorsingen."

Manchmal gestalte sich der Kontakt deshalb schwierig, weil der Wohnpark Malepartus nun einmal eine Pflegeeinrichtung sei. Steinbuck: "Darauf muss man sich natürlich einstellen. Im Gartenholz im betreuten Wohnen stehen den Menschen doch noch viel mehr Wege zur Kontaktaufnahme offen. Es ist schlicht und einfach eine vergeudete Chance, diese Möglichkeiten nicht zu nutzen."

Er räume aber ein, dass den Menschen dort weniger Platz zur Verfügung stehe als auf der parkähnlichen Anlage Malepartus. "Aber wie gesagt, auch hier leben manche Bewohner dicht an dicht mit dem Kindergarten, und es geht ihnen sehr gut damit. Ich lade die besorgten Anwohner vom Gartenholz herzlich ein zu uns, um sich vor Ort ansehen zu können, wie ein Zusammenleben aussehen kann." Viele Sorgen, meint der Leiter, würden dann wie im Winde verwehen.