Ahrensburg

St. Johannes ist nicht zu retten

Gespräche zwischen Förderverein und Kirche ergebnislos. Weiterbetrieb völlig ausgeschlossen , sagt der Finanzvorstand

Ahrensburg. Die Fronten sind verhärtet. Die eine Seite weist auf die katastrophale finanzielle Situation hin, die dringend die Schließung der St. Johanneskirche erforderlich macht. Die andere Seite verweist auf ein bedrohtes Gemeindeleben, das es auf jeden Fall zu retten gelte. Jetzt gab es den Versuch einer Annäherung: Mitglieder des Ahrensburger Kirchengemeinderats und Vertreter des Fördervereins St. Johannes trafen sich zu einem ersten Gespräch. "Herausgekommen ist dabei allerdings nichts", sagt Klaus Tuch vom Förderverein. "Wir hoffen dennoch weiterhin, einen Teil der Summe aufbringen zu können, die für den Erhalt von St. Johannes erforderlich ist."

"Und wir hoffen, dass nach dem Proteststurm jetzt endlich die Überlegung greift, dass ein Erhalt der Johanneskirche nicht machbar ist", sagt Christian Werner, Vorsitzender des Finanz- und Controllingausschusses der Kirchengemeinde.

An den inhaltlichen Positionen hat das Zusammentreffen also nichts geändert. "Wir gehen davon aus, dass es noch ungenutzte Sparpotenziale gibt", sagt Klaus Tuch. "Leider wurde uns der Wunsch, vertieft Einblick in den Haushalt zu nehmen, nicht gewährt." Der Haushaltsplan habe zwei Wochen öffentlich ausgelegen, habe es zur Begründung geheißen. Tuch: "Wenn er öffentlich war, warum dürfen wir dann jetzt nicht mehr hineinsehen?"

Die Antwort von Christian Werner zur finanziellen Lage der Kirchengemeinde lautet unverändert so: "Wir haben ein strukturelles Defizit von 100.000 Euro. Der Haushalt für 2013 konnte nur durch den Griff in die Rücklage ausgeglichen werden." Für den Etat des kommenden Jahres müsse gespart werden. Ein Beitrag dazu sei die Schließung der St. Johanneskirche. Groß wird der eingesparte Betrag allerdings nicht sein. "Wir können natürlich die Heizung nicht komplett abstellen", sagt Werner. Die Gefahr von Schimmelbildung sei zu groß. "Und solange die Kirche Eigentümer ist, müssen wir auch die Gartenanlage pflegen lassen."

Zurzeit stehen 30.000 Euro Betriebskosten für die St. Johanneskirche im Etat. Durch die Schließung reduziert sich dieser Betrag angesichts weiterhin erforderlicher Ausgaben bei Weitem nicht auf Null. Konkrete Zahlen nennt Werner nicht, nur so viel: "Das ist nur ein kleiner Betrag. Aber es ist einer."

Für die Mitglieder des Fördervereins ist dieser Sparkurs nicht nachvollziehbar. "Das rechtfertigt nicht, große Teile der Gemeinde vor den Kopf zu stoßen", sagt Klaus Tuch. Zumal es ohnehin keinen plausiblen Grund gebe, die Johanneskirche schon jetzt zu schließen. Tuch: "Propst Buhl hat gesagt, dass das Entwidmungsverfahren zwei Jahre dauere. Warum können bis dahin nicht noch Gottesdienste gehalten werden?"

Im aktuellen Kirchenblatt sind tatsächlich noch Gottesdienste für St. Johannes ausgewiesen, und zwar für den ganzen Juli. "Das hängt mit dem Redaktionsschluss zusammen", sagt Anja Botta, Vorsitzende des Kirchengemeinderats. "Das Kirchenblatt erscheint vierteljährlich. Zum Zeitpunkt des Drucks sind wir noch davon ausgegangen, dass es noch Gottesdienste in St. Johannes geben wird. " Für den Förderverein ist das ein Zeichen mangelnder Organisation. Tuch: "Bei vielen Dingen wird der Eindruck von Geheimniskrämerei erweckt. Das muss nicht sein."

Das Aufrechterhalten des Betriebs der Johanneskirche sei völlig ausgeschlossen. Und das sei allen klar, sagt dagegen Christian Werner. Der Versuch des Fördervereins, die Kirche zu retten, sei zum Scheitern verurteilt. "Wie soll das gehen, mit 120 Mitgliedern, die einen Monatsbeitrag von fünf Euro bezahlen?" Zumal es mit den 30.000 Euro nicht getan sei. Die Instandsetzungsrücklage werde heraufgesetzt, von jetzt 1,3 Prozent des Gebäudewertes auf drei Prozent. Und das spätestens ab 2015. Dann müssten jährlich 74.000 Euro aufgebracht werden. Werner: "Für den Etat 2013 wurden wegen der schwierigen Finanzlage von uns nur 0,3 Prozent verlangt. Aber das war eine einmalige Ausnahmereglung."

Der Förderverein gibt sich damit nicht zufrieden. Er sieht darin den Versuch, Spender vom Spenden abzuhalten und fordert weiter Einsicht in den Haushalt, um alle Posten auf den Prüfstand stellen zu können. "Das Unverständnis in der Gemeinde ist nach wie vor riesengroß. Wir müssen alternativen Lösungen nachgehen", sagt Tuch, der im Namen des Fördervereins auch eine öffentliche Fragestunde vor den Sitzungen des Kirchengemeinderats fordert. "Sie ist vor einigen Jahren abgeschafft worden mit der Begründung, es sei ohnehin keiner gekommen", sagt Tuch. Das sei lächerlich. "Wenn keiner kommt, wird zur Tagesordnung übergegangen. So wie es überall gehandhabt wird." Dafür müsse die Bürgerbeteiligung nicht abgeschafft werden.

An den inhaltlichen Positionen hat das Zusammentreffen also nichts geändert. Trotzdem setzen beide Seiten auf die Fortsetzung des Dialogs, an dem diesmal auch Ruth Wölber vom Kirchengemeinderat und der Vorsitzende des Fördervereins, Hans-Peter Hansen, beteiligt waren. Werner: "Es ist gut, miteinander und nicht übereinander zu sprechen." Tuch: "Auch wenn sich noch keine greifbaren Ergebnisse vorzeigen lassen, sind weitere Gespräche vereinbart." Weiter geht es auch mit gemeinsamen Gebeten. Wie schon vergangene Woche, lädt der Förderverein auch für diesen Sonntag ab 9.30 Uhr zu einer Andacht unter freiem Himmel bei der St. Johanneskirche ein. Tuch: "Statt des im Kirchenblatt angekündigten Abendmahlgottesdienstes."