Kommentar

Mehr Ehre dem Ehrenamt

Die Krise der Ego-Gesellschaft zieht weite Kreise. Jetzt fehlen - wie im Strandbad Großensee - zunehmend junge Leute, die als Lebensretter Wache schieben.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) beklagt deshalb die sinkende Bereitschaft von Jugendlichen, in ihrer Freizeit am Beckenrand von Schwimmbädern und am Ufer von Seen mit Argusaugen über die Badenden zu wachen.

Damit befindet sich die DLRG in "bester" Gesellschaft. Auch die Gewerkschaften, Kirchen und Kommunen klagen häufig über fehlende ehrenamtliche Kräfte, insbesondere bei Jugendlichen. Was nicht verwunderlich ist. Denn in allen Epochen sind Heranwachsende wohl zunächst und vor allem mit sich selbst beschäftigt. Erst durch die familiäre, schulische und kulturelle Erziehung und das Vorbild von Erwachsenen werden sie ermutigt, sich selbst für eine gute Sache ehrenamtlich zu engagieren.

Weil die Bindungskräfte der traditionellen Institutionen nachlassen und die individuellen Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten, immer größer werden, gehört das Ehrenamt für viele jungen Leute heute aber zur "old school".

Es attraktiver zu machen, ist die Aufgabe der Politik. Die von der Bundesregierung beschlossene Verbesserung im Einkommenssteuerrecht ist ein erster Schritt. Das Ehrenamt Wert zu schätzen, sollte aber auch Aufgabe der Schulen und Lehrer sein. Wer einen Schüler im Zeugnis ausschließlich nach seinen Noten, aber nicht nach dem ehrenamtlichen Einsatz für Vereine und Organisationen bewertet, nimmt ihn eindimensional wahr. Und trägt damit kaum zur Förderung des Ehrenamtes bei.