Schleswig-Holstein

Ihre Wahlhelfer: Worauf kann Ammersbek bauen?

Der neue Gemeinderat muss den alten Streit begraben - und über Häuser an den Timmerhorner Teichen entscheiden.

Ammersbek. Kommt die Ammersbeker Politik nach großen Konflikten zu einer konstruktiven Zusammenarbeit? Immerhin sind zwei zentrale Streitpunkte erledigt. 2008 war das Neubaugebiet an der Straße Am Wolkenbarg das beherrschende Thema. CDU und FDP wollten es, SPD und Grüne waren dagegen und gewannen die Mehrheit. Der Preis: eine bisweilen vergiftete Atmosphäre in den Sitzungen. CDU und FDP wollen die Debatte jetzt nicht wiederbeleben. Ein weiteres Streitthema beherrschte ab Sommer 2012 die Debatte. Ein Verein schlug vor, einen Aussichtsturm auf dem Schüberg zu bauen. Die Idee erhitzte die Gemüter, entzweite auch politische Freunde - besonders durch die grüne Partei ging ein Riss. Einige Rücktritte und Parteiaustritte später löste sich der Verein auf und beerdigte den Turmbau.

Einige Kommunalpolitiker treten jetzt für andere Parteien an

Die Frage bleibt, ob - wie 2008 - persönliche Verletzungen zurückbleiben, die die Politik beeinflussen. Einige der Kontrahenten von einst dürften sich im neuen Gemeinderat gegenübersitzen: Carola Sander verließ im Streit die Grünen und kandidiert nun für die SPD. Henning Sidow und Petra Ludwig-Sidow, einst bürgerliche Mitglieder der SPD-Fraktion, kandidieren nun für die Grünen, die mit einer völlig neuen Mannschaft antreten.

Die Unabhängige Wählergemeinschaft Ammersbek (UWA) hat sich schon vor Jahren auf die Fahnen geschrieben, für ein konstruktiveres Miteinander zu sorgen. "Es gab eine starke Blockade zwischen SPD und CDU", sagt Spitzenkandidat Holger Spanehl. Nun will seine Wählergemeinschaft erstmals in den Gemeinderat einziehen.

Ob und wie der Gemeinderat zusammenarbeitet, dürfte auch eine Entscheidung beeinflussen, die 2014 ansteht: die mögliche Wiederwahl von Bürgermeister Horst Ansén.

Unterschiedliche Meinungen zur Bebauung des Sportplatzes

In Sachen Ortsentwicklung dürfte es in den kommenden Monaten vor allem um ein Thema gehen: die Timmerhorner Teiche. Das Gelände gehört der ASP Projekt Fischteiche GmbH, an der der Ahrensburger Unternehmer Christopher Kroschke beteiligt ist. ASP hatte in der Vergangenheit den Unmut vieler Gemeindevertreter auf sich gezogen - nun will Geschäftsführer Tom Schau einen Neuanfang machen. ASP will Häuser auf dem Gelände bauen - bisher steht eine Veränderungssperre dagegen, die bis Januar 2014 gilt. Danach könnte ein Kompromiss so aussehen, dass die Gemeinde einige Häuser zulässt und dafür einen Teil des Geländes als Naherholungsgelände bekommt. Ein Weg, den sich CDU, FDP, Grüne und UWA offenbar vorstellen können. Von SPD-Spitzenkandidat Jürgen Ehrig heißt es hingegen: "Wir haben keine Bebauung dort vor. Den Schmusekurs von Herrn Schau machen wir nicht mit." Zwar wünscht sich auch die SPD laut Wahlprogramm einen Wanderweg rund um den See - aber "nicht auf Biegen und Brechen", wie Ehrig sagt.

FDP-Kandidat Rolf Finkbeiner kann sich darüber hinaus vorstellen, den am Schäferdresch liegenden Sportplatz des SV Timmerhorn-Bünningstedt zu Bauland zu machen. Die Fußballer müssten an die Bünningstedter Schule umziehen. Der CDU-Kandidat Bernd Sutter hält das für "möglich", sofern der Sportverein mitzieht. UWA, Grüne und SPD sind dagegen.

Veränderungen wünschen sich die Grünen dafür im Hansdorfer Brook: Er soll langfristig komplett der Natur gehören. Die FKK-Sportgemeinschaft Hamburg und eine Siedlung aus kleinen Wochenendhäusern müssten weichen. Die anderen Parteien lehnen das allerdings strikt ab. Konsensfähig dürfte der Wunsch der Grünen sein, für bessere Fahrradboxen am Hoisbütteler Bahnhof zu sorgen.

Freiwillige Leistungen sollen auf den Prüfstand

In Sachen Kitas, Krippen und Schulen hat sich bereits viel getan. Die Gemeinde saniert die Hoisbütteler Sporthalle, die Ortsteile Lottbek und Bünningstedt bekamen neue Krippengruppen. Die FDP möchte allerdings Korrekturen. "Die Verwaltung hat sich zu wenig darum bemüht, Verträge mit privaten Betreuerinnen abzuschließen", sagt Rolf Finkbeiner. Seiner Ansicht nach haben die Investitionen in Bildung ein großes Loch in die Kasse gerissen, das er am liebsten mit einem Verkauf des Sportplatzes an den Timmerhorner Teichen stopfen will.

Bernd Sutter betont hingegen das Sparen: "Wir müssen freiwillige Leistungen auf den Prüfstand stellen." Explizit nennt er Zuschüsse für Kultur und Sport. Handlungsbedarf sieht auch UWA-Spitzenkandidat Holger Spanehl: Wir dürfen uns nicht weiter verschulden, müssen freiwillige Leistungen kürzen." Außerdem will die UWA für ein "effektiveres Schuldenmanagement" sorgen, wie er sagt. Klaus Tim (Grüne) sieht die Notwendigkeit zu sparen, hat aber keine konkreten Vorschläge. Jürgen Ehrig ist entspannter: "Bei der derzeitigen Situation am Kapitalmarkt habe ich keine Bauchschmerzen, Investitionen über Schulden zu finanzieren."

Mittwoch in der Wahlserie: Großhansdorf