Umbau

Die S 4 kostet Bargteheide Parkplätze

Wenn die neue Bahn kommt, wird der Bargteheider Bahnhof massiv umgebaut, sagen die Planer. Auf rund 60 Stellflächen werden die Autofahrer verzichten müssen. Bauamtsleiter sieht ein Problem auf Stadt zukommen.

Bargteheide. Wann die S 4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe kommt, ist nach wie vor ungewiss. Frühester Baubeginn werde 2018 sein. Das machte Benjamin Schemala von der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft Schleswig-Holstein (LVS) am Dienstag bei einer Infoveranstaltung im Bargteheider Ganztagszentrum klar. Aber eines wurde auch deutlich: Wenn die S 4 kommt, wird der Bargteheider Bahnhof massiv umgebaut. Das Empfangsgebäude wird funktionslos. Der erst vor ein paar Jahren gebaute Fußgängertunnel wird überflüssig und durch einen 35 Meter verschobenen neuen Tunnel ersetzt. Und es fallen Parkplätze weg.

Auf rund 60 Stellflächen werden die Autofahrer verzichten müssen. Betroffen sind Park-and-ride-Plätze entlang der Gleise auf der Ostseite und obendrein Stadtparkplätze auf der Westseite am Kreisel, am Ende der Rathausstraße. "Für alle, die in Bargteheide einkaufen wollen, ist das schlecht", sagte Stadtvertreterin Gudrun Hofer (CDU). Da nütze es nicht viel, an anderer Stelle weiter weg Ersatz zu schaffen.

Auch Bauamtsleiter Jürgen Engfer sieht ein Problem auf die Stadt zukommen. "Wir haben einen steigenden Parkplatzbedarf und gerade westlich der Bahn nur begrenzt Möglichkeiten, neue Flächen zu finden." Schon Ende der 90er-Jahre habe es Überlegungen gegeben, ein Parkhaus hinter dem Kleinen Theater zu bauen. Daraus wurde nichts. Der Druck hat sich aber noch erhöht. Bargteheide wächst. Und der Pendlerstrom hat einen beträchtlichen Umfang angenommen. Engfer: "Der Öffentliche Personennahverkehr hat zugelegt. Seit 2002 um 50 Prozent." 5000 Menschen nutzten den ÖPNV in Bargteheide. Täglich. Da seien Entwicklungen wie diese bitter. Selbst wenn die Deutsche Bahn für jeden wegfallenden Stellplatz 5000 Euro als Ausgleich zahle. Engfer: "Der Verlust der Parkplätze ist schmerzhaft und lässt sich nicht einfach mit Geld ausgleichen."

Die Bahnfahrer in Bargteheide werden sich noch auf andere Neuerungen einstellen müssen. So wird für die S 4 ein neuer Mittelbahnsteig gebaut. Der Zugang zu den Gleisen wird ausschließlich über den neuen Tunnel erfolgen, per Treppe und Fahrstuhl. "In der Unterführung wird es auch Info-Vitrinen und natürlich Fahrkartenautomaten geben", sagt Diplomingenieur Ulf Schmidt vom beauftragen Ingenieurbüro Vössing aus Hannover. Das Empfangsgebäude sei daher nicht mehr nötig. Das entspreche dem HVV-Konzept und sei auf den S-Bahnhöfen die Regel. Und ein S-Bahnhof wird in Bargteheide entstehen. Die klassische Bahnhofsära wird möglicherweise 2020 enden.

Die Fernbahnen werden aber weiterhin durch Bargteheide fahren - mit der Folge, dass die Anlage verbreitert werden muss und die Gleise für die Fernbahn nach Osten verschoben werden müssen, wie Holger Kammeyer von der Inros Lackner AG aus Hannover erläuterte. Und mit der Folge, dass die Park-and-ride-Plätze hier wegfallen und die Fernzüge dichter an der Wohnbebauung vorbeifahren. "Bei uns klirren jetzt schon die Gläser im Schrank", sagte ein Bargteheider, der größere Risse in den Wänden befürchtet. "Zur Erschütterung wird es ein Gutachten geben", kündigte Benjamin Schemala von der LVS an. Auch der erforderliche Lärmschutz entlang der Strecke durch Bargteheide und Umgebung werde jetzt in der Phase der Vorentwurfsplanung nach Tabellen berechnet. Auch hierfür folgten in der anschließenden Phase der Entwurfsplanung die Gutachten.

Von den rund 60 Besuchern im Ganztagszentrum zustimmend zur Kenntnis genommen wurde, dass das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude und das ebenfalls geschützte Alte Stellwerk unberührt bleiben, und sich der Zugtakt zwischen Ahrensburg und Bargteheide von 30 auf 20 Minuten erhöhen könnte. Nach Bad Oldesloe werden die Züge jedoch durchgängig nur alle Stunde fahren. Das schmeckte vielen nicht. Und dass es in der Nachbargemeinde Tremsbüttel beim Bahnhof Kupfermühle bleiben wird, erfreut auch nicht jeden. Das sei preiswerter als ein neuer Bahnhof in Tremsbüttels Ortsmitte, sagte Schemala von der LVS. So gesehen dürfte der Wegfall von Park-and-ride-Plätzen in Bargteheide auch die aus Tremsbüttel anreisenden Pendler nicht gerade erfreuen.