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Pastor Haaks Propst-Pläne kommen gut an

Foto: Birgit Schücking

Kollegen halten den Schlosskirchen-Pastor für geeignet. Initiative der Missbrauchsopfer bekräftigt seine Kritik an der Kirchenleitung.

Ahrensburg. Die Bewerbung des Ahrensburger Schlosskirchen-Pastors Helgo Matthias Haak um die vakante Propst-Stelle im Kirchenkreisbezirk Rahlstedt-Ahrensburg ist offenbar kein Alleingang des 54-Jährigen. Kollegen des Theologen sind vorab in die Pläne eingeweiht gewesen. Einige von ihnen haben offenbar sogar das unkonventionelle Bewerbungsschreiben Haaks gelesen - und gutgeheißen. "Natürlich prüft man so etwas gemeinsam mit Kollegen, mit denen man zusammenarbeitet", sagt etwa Lisa Tsang, Pastorin an der St. Johanneskirche.

Haak selbst hatte Auszüge aus seinem mehrseitigen Schreiben an die Öffentlichkeit gegeben. Wie berichtet, übt der Theologe darin scharfe Kritik an der Art und Weise, in der die Kirche die im vergangenen Jahr bekannt gewordenen Missbrauchsfälle aus den 70er- und 80er-Jahren aufarbeitet, und wie sich die Institution Kirche in der Krise darstellt. Wörtlich schreibt Haak unter anderem: "Es hat den Anschein, als sorge man sich vor allem um das öffentliche Ansehen der Kirche, um die eigene Position, nicht aber um das Befinden der Opfer sexuellen Missbrauchs. Man hat Angst, Stellung zu beziehen und verweigert sich, Vergangenes aufzuklären." Und: "In der Krise reagiert unsere Kirche nicht lutherisch, sondern katholisch. Dabei geht es doch um alles. Um die Glaubwürdigkeit dieser Kirche."

Bei der Opferinitiative "Missbrauch in Ahrensburg" stößt Haaks Bewerbung auf Zustimmung. "Er ist derjenige, der die Aufklärung nach vorn gebracht hat", sagt Anselm Kohn, Sprecher der Initiative. "Nun bewirbt er sich um noch mehr Verantwortung. Es ist bewundernswert, dass er nicht klein beigibt, sondern alles bis zum Ende durchdeklinieren will." Viele Formulierungen in Haaks Schreiben deckten sich mit der Beobachtung der Opfer, sagt Kohn: "Von der Kirchenleitung wird alles kleingeredet."

Dass Haak das Zeug zum Propst habe, daran hat seine Kollegin Lisa Tsang keine Zweifel. "Helgo ist durchaus qualifiziert", sagt sie. "Er hat über Jahre bewiesen, dass er ein sehr kompetenter Gemeindeleiter ist." Haak war langjähriger Vorsitzender des Ahrensburger Kirchenvorstands gewesen, bevor er Anfang dieses Jahres auch aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat.

Auch das Ahrensburger Pastoren-Ehepaar Holger und Angelika Weißmann sieht die Bewerbung Haaks durchweg positiv - mit einer Einschränkung. Holger Weißmann: "Der einzige Grund, der für mich dagegen spricht, ist der, dass ich ihn höchst ungern als Ortspastor in unserer Gemeinde verlieren möchte." Dass das Bewerbungsschreiben Haaks voller Kritik steckt, spricht nach Auffassung Weißmanns nicht gegen den Bewerber. Ganz im Gegenteil: "Es ist gute Kultur, kritisch zu sein. Eigentlich kann das nur förderlich sein."

Weißmanns Frau Angelika sagt: "Diese Kritik, die Haak äußert, das sind genau die Punkte, die in unserer Gemeinde immer wieder zur Sprache gekommen sind." Sie finde es gut, dass sich jemand aus den eigenen Reihen beworben habe.

Ob diese Auffassung Konsens in der gesamten Ahrensburger Pastorenschaft ist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unklar: Johanneskirchen-Pastor Detlev Paschen, Vorsitzender des Kirchenvorstands, und seine Kollegin Anja Botta aus dem Hagen sind für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen, ebenso die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Heike Hartmann.

Weitaus nüchterner als in Ahrensburg fällt die Reaktion in der Nachbargemeinde Großhansdorf aus. Pastor Christoph Schroeder, Vorsitzender des Kirchenvorstands, sagt auf Anfrage: "Jeder Pastor kann sich bewerben. Wenn er sich für qualifiziert hält, dann soll er es tun."

Wäre es nach der nordelbischen Kirchenleitung gegangen, dann hätte die Bewerbung Helgo Matthias Haaks niemals bekannt werden dürfen - weil das Kirchenrecht ein Auswahlverfahren weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorsieht. Ein von der Synode - dem Kirchenkreis-Parlament - bestimmter Pröpstewahlausschuss schlägt lediglich zwei oder drei Bewerber vor, aus denen die Mitglieder der Synode dann einen wählen. Vor diesem Hintergrund ist auch Bischof Gerhard Ulrich nicht bereit, sich zu den von Pastor Haak erhobenen Vorwürfen zu äußern. Mathias Benckert, stellvertretender Pressesprecher der Nordelbischen Kirche, sagt: "Wir dürfen gesetzlich nicht auf diese Situation reagieren. In dem Augenblick, in dem wir reagierten, wäre das ein Eingriff in das laufende Bewerbungsverfahren."