Aus drei Klärwerken mach eins

Foto: Martina Tabel

Bargfeld-Stegen wird an Bargteheide angeschlossen. Stadt und Dörfer arbeiten auch in anderen Bereichen zusammen

Bargfeld-Stegen/Bargteheide. Sie rücken enger zusammen, die Stadt Bargteheide und das Amt Bargteheide-Land. Eine Fusion ist es zwar nicht, was die Verwaltungschefs vorhaben. Aber eine Kooperation in drei wichtigen Bereichen: Kinderbetreuung, Verkehrsüberwachung und Abwasserentsorgung. Gemeinsam werden 40 Krippenplätze in Bargteheide geschaffen. Gemeinsam werden Falschparker ausgemacht, um die Sicherheit an kritischen Stellen wie Schulbuskehren zu erhöhen. Und gemeinsam wird das Abwasser mit der modernsten Anlage der Region geklärt. In diesem Fall ist der Schritt besonders groß.

Die beiden Klärwerke in Bargfeld-Stegen werden abgerissen. Die Gemeinde wird an die kürzlich ausgebaute und auf den neuesten Stand gebrachte Bargteheider Anlage angeschlossen - genauso wie das Bargfelder Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus, das bislang noch ein privates Klärwerk unterhält. Die Aufnahme Bargfeld-Stegens in die Abwasserentsorgung Bargteheide GmbH (ABaG) und die Übernahme von zwei Prozent der Geschäftsanteile steht für nächste Woche auf der Tagesordnung der Stadtvertreter. Sie tagen ab 19 Uhr im Stadthaus (Am Markt 4).

Der Zusammenschluss spart Kosten und sichert und verbessert zugleich die Versorgung der Bevölkerung. "Es musste dringend etwas geschehen. Das Bargfelder Klärwerk ist mehr als 30 Jahre alt und sanierungsbedürftig", sagt Amtsleiter Gundlach. Die Gemeinde hätte natürlich auch neu bauen oder sich an die Hamburger Wasserentsorgung anschließen können. Aber beide Varianten wären teurer gewesen.

"So hingegen kommt es zu einer Win-Win-Situation, von der beide Seiten profitieren", bekräftigt Bargteheides Bürgermeister Henning Görtz. Seine Stadt spart jährlich 65 000 Euro, da mit Bargfeld-Stegen als neuem Gesellschafter die Kosten der Abwasserentsorgung künftig auf mehr Schultern verteilt werden. Das Amt spart 20 000 Euro. Auch die Bürger werden profitieren. "Tendenziell sinken dadurch die Gebühren. Aber wir müssen die Berechnungen abwarten", sagt Herbert Sczech, der Büroleitende Beamte im Bargteheider Rathaus. Der Vorteil für die Bargfelder zeichnet sich dagegen schon jetzt ab. Amtsleiter Gundlach: "Würde die Gemeinde ein eigenes Klärwerk bauen, würden die Gebühren um zehn Cent pro Kubikmeter steigen."

Die Kooperation bringt Vorteile, aber auch einschneidende Veränderungen. Für Ronald Willmann zum Beispiel. Seit sieben Jahren kümmert er sich um das Bargfelder Klärwerk. Jeden Morgen steht er um 6 Uhr auf der Matte. Das mache ihm nichts aus. "Dafür habe ich auch früh Schluss", sagt der 50-Jährige, dem die Freude an seiner Arbeit regelrecht anzusehen ist.

Mit seinem Probennehmer eilt er federnden Schritts über die Gitter und holt an einem Stab in einem Ein-Liter-Plastikbehälter braunes Wasser hoch. "Ich mache das jeden Tag, in allen vier Becken. Eigentlich müsste ich das nur dreimal pro Woche machen", sagt der Bargfelder, der das Abwasser auf Sauerstoffgehalt und pH-Werte untersucht.

Manch anderer würde diese Arbeit nicht tun wollen. Es riecht nicht immer gut. Und der Umkleide- und Aufenthaltsraum ist eher eine Baracke, durch die es auch noch durchregnet. "Klar, hier müsste etwas gemacht werden", sagt Ronald Willmann. Aber abreißen? Das gefällt ihm nicht so richtig. "Ein Anschluss an eine andere Stadt macht einen abhängig", konstatiert der gelernte Landmaschinenmechaniker, der schon vor Jahren umgesattelt hat und für den Klärwerksarbeit eine sichere Bank ist. "Das braucht man immer", sagt er und deutet mit dem Daumen rückwärts auf die Becken und die brodelnde Wassermenge, die gerade einen frischen Schub Sauerstoff bekommt.

Es nützt nichts. In ein paar Jahren wird vom Bargfelder Klärwerk nichts mehr zu sehen sein. Vermutlich nächstes Jahr wird mit dem Bau der 7,5 Kilometer langen Druckrohrleitungen begonnen, die den Anschluss an Bargteheide bringen werden. Dann muss Ronald Willmann seinen Probenentnehmer endgültig an den Haken hängen. Das macht ihm keine Angst: "Ich bin ja Gemeindearbeiter. Dann werde ich mehr im Bauhof anpacken."

Der Bauhof wird vermutlich das nächste Kooperationsprojekt zwischen Stadt und Amt sein. Bargteheides Bürgermeister Görtz: "Wir müssen einen neuen bauen, weil der alte auf der Trasse der neuen Westumgehung liegen wird. Wir werden ihn gleich so konzipieren, dass er auch vom Amt mitgenutzt werden kann."