Stormarn
Vor dem Lübecker Landgericht

Prozess nach brutalem Überfall auf Taxifahrer

Foto: dpa / dpa/DPA

Zwei junge Oldesloer haben den Überfall mit einer Pistole gestanden. Auch mehrere Einbrüche in der Kreisstadt gehen offenbar auf ihr Konto.

Bad Oldesloe. Als Taxifahrer Richard L. (alle Namen geändert) am Abend des 10. August 2010 um 23.30 Uhr auf den Parkplatz der Oldesloer Schwimmhalle fährt, ahnt er noch nicht, dass ihm die schlimmsten Minuten seines Lebens bevorstehen. Seine mutmaßlichen Fahrgäste, zwei 21 und 22 Jahre alte Oldesloer, warten bereits auf ihn. Als L. anhält, reißen die beiden jungen Männer die Autotüren auf, richten eine Waffe auf den 42-Jährigen. "Gib dein Geld, sonst geht es dir schlecht", ruft einer der Räuber. Dann nehmen sie dem Taxifahrer die Geldbörse mit 100 Euro ab.

Wegen der Tat müssen sich die Oldesloer jetzt vor dem Landgericht Lübeck verantworten. Zudem sollen sie in den Wochen vor dem Überfall in vier Gaststätten und die Räume des Ausbildungsverbunds Stormarn/Lauenburg eingebrochen sein. Die beiden Angeklagten gestehen die Taten. "Wir wollten an Alkohol und Geld für Drogen herankommen", sagt Dennis P. mit leiser, stockender Stimme. Wie sein Komplize Jonas T. wurde auch er in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.

Die Einbruchserie der beiden Oldesloer begann in der Nacht zum 25. Juni 2010. Mit einem Hammer schlugen die Angeklagten die Fensterscheibe der Oldesloer Pizzeria Palermo auf. Dann versteckten sie sich und warteten ab, ob jemand den Lärm gehört hatte. Als zehn Minuten lang nichts passierte, kletterten sie in das Gebäude und nahmen 250 Euro, ein Handy, 40 Flaschen Bier und diverse Flaschen Schnaps mit.

Ihr zweiter Einbruch führte Dennis P. und Jonas T. in die Räume des Ausbildungsverbunds Stormarn/Lauenburg. Wieder schlugen die Männer eine Fensterscheibe ein, dieses Mal mit einem schweren Stein. Die Beute: etwa 60 Euro. In der Nacht zum 30. Juni war die Gaststätte Feuerstein in der Oldesloer Innenstadt das Ziel der Männer. Sie entwendeten eine Geldkassette mit 800 bis 900 Euro. Anfang Juli ging es erneut ins Palermo. Durch die nach ihrem ersten Einbruch angebrachte Notverglasung gelangten sie in das Gebäude. Sie erbeuteten knapp 300 Euro, sieben Flaschen Schnaps, acht Dosen Bier und zwei Flaschen Fruchtsaft.

Weder Geld noch Alkohol brachte ihnen dagegen ein zweiter Einbruch ins Feuerstein ein. Die Oldesloer erbeuteten lediglich einen 15 Kilogramm schweren Gouda-Käse und eine Packung Toastbrot. Die Richterin will wissen, wieso sie die Nahrungsmittel mitgenommen hätten. "Wir hatten kein Geld und nichts zu essen", sagt P. Die Angeklagten geben an, vor allen Einbrüchen Alkohol getrunken und Marihuana geraucht zu haben. P.: "Wir brauchten einen gewissen Pegel."

Vor dem Überfall auf den Taxifahrer trafen sich die jungen Männer zunächst bei einem Bekannten, um gemeinsam Marihuana zu rauchen. Dabei soll Dennis P. die Idee zu dem Überfall gekommen sein. Die beiden Freunde nahmen die nicht funktionstüchtige Pistole ihres Bekannten mit und besorgten sich dunkle Kleidung sowie Sturmhauben. Von einer Telefonzelle aus bestellten ein Taxi zur Schwimmhalle. "Es sollte eine möglichst dunkle Ecke sein, damit uns niemand sieht", sagt Dennis L. "Wir wollten schnelles Geld machen." Ihre Beute von 100 Euro gaben die Männer noch am selben Abend in einer Spielhalle aus. T.: "Wir hatten gehofft, es vermehren zu können."

Was die beiden Räuber nicht wussten: Wegen ihrer Einbrüche wurden sie in der Tatnacht von der Polizei observiert. "Wir hatten gedacht, sie würden in die Schwimmhalle einbrechen", sagt einer der Polizisten vor Gericht. Den Überfall auf den Taxifahrer hätten die Einsatzkräfte aus ihrem Versteck in 40 bis 50 Meter Entfernung nicht sehen können. So gelang es den Männern, trotz Polizeibeobachtung auch noch zu fliehen. Zwölf Stunden später konnten die Täter in der Wohnung von Jonas T. überwältigt werden.

Taxifahrer Richard L. leidet noch immer unter den Folgen des Überfalls. "Ich habe extreme Angstzustände, die mit Medikamenten zurückgehalten werden", sagt er vor Gericht. Zudem habe er Schlafstörungen. Oft wache er schweißgebadet und zitternd auf. Seit dem Überfall arbeite er nur noch 35 Stunden pro Monat. "Ich fahre nur noch Bekannte und Stammgäste", sagt er, "vom Straßenrand nehme ich niemanden mehr mit." Die Angst sei zu groß. Auch dunkle Fahrziele meide er.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.