Sachsenwaldschüler gehen mit Container-TV auf Sendung

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Reinbeker Gymnasiasten nehmen mit einem multimedialen Theaterstück das deutsche Trash-Fernsehen mit seinen Reality-Shows aufs Korn

Reinbek. Sechs Menschen, die ihr Leben im Fernsehen ausbreiten, zwei kommentierende Psychologinnen und ein arroganter Moderator. Nein, das ist nicht das Dschungelcamp. Und auch keine der vielen anderen Reality-Shows, die auf deutschen Fernsehbildschirmen flimmern.

"Wir drehen den Spieß um", sagt Moritz Nickel. Der 17-Jährige spielt den Moderator im multimedialen Theaterstück "ConSixx", das er mit seinen Mitschülern von der Reinbeker Sachsenwaldschule entwickelt und einstudiert hat. "In die Fernsehshows werden die Leute rein gezwungen. Auf unserer Bühne müssen sie aus ihrem Leben erzählen, um wieder rauszukommen." Raus aus dem Container, in den die sechs Jugendlichen eingezogen sind.

Eng gedrängt sitzen die Schauspieler bei den Proben auf einem großen Ecksofa mit dunkelgrünem Bezug. Sie besprechen die nächste Szene. Im Zuschauerraum plappern ihre Mitstreiter aufgeregt durcheinander.

Dann wird es ruhig. "Licht aus", ruft Moritz nach oben zur Technik. Spot an. Abwechselnd erzählen die Bewohner des Containers - unter ihnen ein junger Mann von Adel, ein Möchtegern-Künstler und eine polnische "Mobbing-Queen" - auf dem Sofa am Rand der Bühne von sich - und beobachten, wie ihr Leben vor ihnen abläuft. Denn weitere Schauspieler setzen die Geschichten in der Mitte der Bühne in Szene. Danach gibt es tiefschürfende Kommentare der adretten Psychologinnen, gespielt von Stephanie Hellenbrand und Charlotte Witt, die das Geschehen mit Moderator Moritz von einem samtenen Sofa aus verfolgen.

Eine Liveband spielt eigene Songs zum Stück, und die Techniker blenden Werbespots und Gewinnspiele ein. Es ist also fast wie im Fernsehen - wenn nicht wohldosierte Spitzen und Übertreibungen den Zuschauer aus dem TV-Dämmerschlaf aufrütteln würden.

Eine Mediensatire wollten sie machen, sagt Moritz Nickel. "Wir wollen erreichen, dass die Menschen mehr darüber nachdenken, was sie sich so im Fernsehen ansehen." Sie wollen Kritik üben, aber keine Moralkeule schwingen. "Trash-TV gehört ja irgendwie zu unserem Alltag. Verbieten wollen wir das niemanden", sagt Moritz. Sein Vater Michael Nickel, Lehrer an der Sachsenwaldschule, hat das Stück in seiner Freizeit mit den 32 Schülern erarbeitet. "Das war manchmal zäh und anstrengend. Die Schüler sollten lernen, wie wichtig jede Kleinigkeit ist, damit das Stück am Ende steht", sagt er. "Aber wenn der Flow gelingt, gibt es nichts Schöneres für einen Lehrer, als seine Schüler auf der Bühne zu sehen." Vater und Sohn haben gemeinsam die Ursprungsfassung geschrieben. "Daran hat sich aber eigentlich alles verändert", sagt Moritz und lacht. "Ein kreativer Prozess eben."

In drei Gruppen ging es an die Weiterentwicklung. Schauspieler, Showband und Techniker wurden tätig. Um die Requisite kümmerte sich ein extra ernannter Bühnenmeister. Zu seiner Beute zählen nicht nur die alten Sofas und eine verschnörkelte Kaffeehaussitzgruppe. Auch Bänke aus einer S-Bahn stehen auf der Bühne. "Am Anfang war es eine Herausforderung, unsere eigenen Ansprüche zu erfüllen", sagt Jan-Niklas Sievers, 18, aus der Videogruppe, die von Lehrer Mathias Franz-Stavenhagen betreut wurde. "Aber wir haben viel gelernt, weil wir alles selbst entwickelt haben."

Vorstellungen am Donnerstag und Freitag, 3. und 4. Februar, jeweils um 19 Uhr in der Aula der Schule (Schulstraße 19). Der Eintritt kostet einen Euro.

( (let) )

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