Stormarn

Raser tötet 16-jähriges Mädchen

Grauenvoller Unfall in Bargteheide. Feuerwehrleute und Freunde des Opfers mussten psychologisch betreut werden

Bargteheide. Der Tod kam in Gestalt eines dunkelgrünen 3er-BMW von Bad Oldesloe her, am Steuer ein 20-Jähriger aus Barsbüttel. Übermütig, rücksichtslos, allem Anschein nach betrunken. Und er kam schnell. Mindestens mit Tempo 100, sagen Augenzeugen. Das Mädchen an der Bushaltestelle in Bargteheide, sie war erst 16 Jahre alt, ihre Freunde nannten sie Kim, hatte keine Chance, als der Wagen aus der Spur geriet. Vom BMW erfasst, wurde sie 20 Meter durch die Luft geschleudert, flog über sechs Autodächer hinweg und schlug in der Gebrauchtwagenausstellung eines Autohauses auf den Pflasterstein. Am Sonntagmorgen um 2.04 Uhr, die Zeit war gerade für eine Stunde stehengeblieben, verlosch ihr junges Leben so sinnlos.

Der Knall war in der ganzen Stadt zu hören

Der Morgen danach ist ein trostloser Herbstmorgen. Nebel hängt über Bargteheide. Am Straßenrand der B 75 liegen Blumen an diesem Sonntag. Weiße Dahlien, rosa- und violettfarbene Rosen. Dazwischen stehen Grablichter. Ein Auto hält an, eine junge Frau steigt aus und weint hemmungslos. Sie trauert um eine Freundin. An diesem Morgen wird deutlich, wie schnell der BMW gewesen sein muss, als er das Mädchen aus Elmenhorst, es war spät nachts mit Freunden unterwegs gewesen, erfasste. Der Hof des Autohauses gleicht einem Trümmerfeld. Hier schlug der BMW ein, nachdem er das Mädchen erfasst hatte. Krachte in einen schwarzen BMW, dann in einen blauen Opel, schob die Fahrzeuge wie Spielzeugautos zusammen. Riss das Werbeschild des Betriebs aus dem Fundament, rasierte einen Fahnenmast um. Kam vollkommen zertrümmert erst 50 Meter weiter mitten auf der Lübecker Straße zum Stehen.

"Der Knall war in der ganzen Stadt zu hören", sagt ein Passant, der sich das Ausmaß der Zerstörung ansieht. "Und dann hörte ich Jugendliche schreien. Sie bewegt sich nicht, sie bewegt sich nicht - das riefen sie immer wieder."

Der Todesraser war in seinem Wrack eingeklemmt worden. Die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr mussten das Dach des BMW abtrennen, ehe der Schwerverletzte versorgt und aus dem Trümmerhaufen gezogen werden konnte. Ihm wurde noch vor Ort eine Blutprobe entnommen. Retter hatten Alkohol gerochen, die Polizei spricht von "eventuellem Alkoholkonsum".

Notfallseelsorger betreute die geschockten Feuerwehrleute

Für sein Opfer kam jede Hilfe zu spät. Wehrführer Wolfgang Schramm: "Die Kameraden haben noch versucht, die junge Frau wiederzubeleben." Viele der insbesondere jüngeren Helfer seien zutiefst erschüttert gewesen. "Weil sie noch so jung war. Und weil so offensichtlich war, dass sie nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Es hätte in dieser Situation wirklich jeden treffen können." Ein fünfköpfiges Kriseninterventionsteam aus speziell geschulten Feuerwehrleuten, Polizisten und Notfallseelsorgern rückte an, um den Einsatzkräften Beistand zu leisten. Sie werden diese Bilder aus Bargteheide vielleicht niemals vergessen können.

Auch Olaf Meyer steht der Schrecken aus der Nacht noch ins Gesicht geschrieben. Der Ingenieur, 45 Jahre alt, wohnt direkt neben dem Autohaus. "Ganz ehrlich: Ich habe befürchtet, ich habe sogar damit gerechnet, dass so etwas einmal passieren würde", sagt er. Nachts an den Wochenenden, wenn die Ampeln abgeschaltet sind, "dann ist das hier die reinste Autobahn. Tempo 100 oder 120 ist da noch gar nichts." Er fordert ein stationäres Blitzgerät oder eine Verschwenkung der Straße am Ortseingang, um die Geschwindigkeit aus dem Verkehr zu nehmen.

Auch Bargteheides Bürgermeister Henning Görtz zeigt sich bestürzt über die Nachricht von dem grauenhaften Unfall. Er wolle sich nun mit der Polizei über Konsequenzen austauschen. Der Verwaltungschef sagt: "Ich persönlich habe bisher noch überhaupt nicht gehört, dass dort gerast wird." Dennoch stehe er Verbesserungsvorschlägen offen gegenüber. "Auch wenn wir als Kommune nur Anregungen geben können", sagt er, "das ist schließlich eine Bundesstraße."