Stormarn

Gestatten, die Bürgerstiftung

Foto: Birgit Jaklitsch

Neun Jahre nach der Gründung sind die freiwilligen Helfer aus Stormarn nicht mehr wegzudenken

Ahrensburg. Sie organisieren Kommunikationstraining für Jugendliche, lesen Hunderten Kindern in Stormarner Schulen vor. Sie vermitteln Menschen, die sich engagieren möchten, ermöglichen Schülern Handwerksunterricht an Schulen und fördern Jugendprojekte. Jeder der mehr als 50 Aktiven der Bürgerstiftung der Region Ahrensburg engagiert sich ehrenamtlich. Für das Abendblatt sind viele von ihnen in Bargteheide zum Fototermin zusammengekommen.

Für den Stiftungs-Mitgründer und Vorstandsvorsitzenden Michael Eckstein ist die Motivation für sein Engagement auch neun Jahre nach der Gründung noch immer die gleiche: "Ich will etwas Gemeinnütziges in der Nachbarschaft machen." Wichtig sei daher auch der persönliche Bezug zu den unterstützten Projekten und natürlich zu den Aktiven in der Region.

Die Bürgerstiftung Region Ahrensburg war Pionier der bürgerlichen Stiftungen im Land. Als Michael Eckstein im Jahre 2001 den Gründungsantrag bei der Kieler Landesregierung abgab, wussten selbst die Politiker noch nicht so recht, was eine Bürgerstiftung überhaupt macht. Sie taten sich zunächst schwer, dem Antrag zuzustimmen. Mittlerweile gibt es bundesweit mehr als 290 Stiftungen, in denen sich Bürger engagieren.

Michael Eckstein sagt: "Für eine Stiftung benötigt man Zeit und Geld und jemanden, der Ideen hat und die Organisation übernimmt."

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Michael Eckstein begann sein Engagement, als er im Schulverein seiner Kinder aktiv wurde. Mit Methoden, die eher in der Wirtschaft angewendet werden, gelang es dem Verein in kurzer Zeit, neue Bücher zu organisieren. "Wenn die Idee trägt, machen die Leute auch mit. Die 100 000 Euro Kapital für die Bürgerstiftung hatten wir nach ein paar Monaten zusammen."

Eine Stiftung lebt aber nicht nur von Stiftern, sondern auch und besonders von den Aktiven. Eckstein: "Wir sind kein Verein - jeder kann einfach mitmachen. Deshalb können wir auch recht kurzfristig etwas bewegen. Obwohl wir natürlich immer mehr Ideen als Geld auf dem Konto haben", so Eckstein. "Mit einer Patenschaft zwischen 100 und 1000 Euro im Jahr lässt sich schon einiges erreichen. Denn die Sozialsysteme kommen an ihre Grenzen." Und nach seiner Einschätzung wird das Engagement jedes Einzelnen immer wichtiger.

Die Möglichkeiten, sich bei der Stiftung zu engagieren, sind so vielfältig wie die Aktiven selbst. Stellvertretend für alle hier einige Beispiele:

Hans Vehrs aus Reinfeld begleitet die Stiftung schon seit mehreren Jahren. Damals war er noch Vorstand der Raiffeisenbank Bargteheide. Seit Vehrs in den Ruhestand ging, ist er im Stiftungsrat. Er sagt: "Es ist wichtig, sich regelmäßig einen Überblick über die finanziellen Entwicklungen der Stiftung zu verschaffen. Denn das anvertraute Geld muss natürlich satzungsgemäß verwendet werden." Er kümmert sich aber auch um neue Stifter und entwickelt mit den anderen Stiftungsmitgliedern neue Ideen.

Brigitte Düwel aus Großhansdorf kümmert sich um die Freiwilligenagentur der Stiftung. Sie sagt: "Ich vermittele Ehrenamtliche an Kinderheime, Altenheime und Schulen." Insgesamt betreut sie mehr als 70 Institutionen und mehrere Dutzend Ehrenamtliche, die mit den Menschen spazieren gehen und ihnen vorlesen oder für sie einkaufen gehen. "Sie nehmen sich regelrecht Zeit für den Menschen", sagt Düwel.

Olaf Witaszak, Inhaber einer Werbeagentur , bringt seit etwa zwei Jahren sein fachliches Wissen in die Stiftung ein. Der Bargteheider hat die Broschüren für die Lesepaten konzipiert. Der zweifache Vater ist durch die Paten auf die Stiftung aufmerksam geworden und wollte daraufhin gleich mitmachen.

Die Lesepatin Alix-Irina Beckmann kommt ins Schwärmen, wenn sie von ihren Erlebnissen beim Vorlesen in Ahrensburger Kindergärten erzählt. Die funkelnden Augen der Kinder sind für sie Motivation genug, Woche für Woche eine Stunde lang aus Kinderbüchern vorzulesen. Bei Älteren liest sie gern Fortsetzungsgeschichten vor. Zu Beginn können die Kinder den bisherigen Verlauf dann zusammenfassen. Oft müssen sie sich dabei gegenseitig helfen. Beckmann sagt: "Mir ist aufgefallen, dass viele Kinder durch PC-Nutzung einen ganz anderen Wortschatz haben."

Zusätzlich kümmert sie sich um die Organisation der Großhansdorfer Lesepaten.

Im Büro der Stiftung in Ahrensburg (An der Reitbahn 3) können sich Menschen, die gerne stiften möchten, beraten lassen. Dass die Stiftung sich überhaupt ein festes Büro leisten kann, ist dem Ahrensburger Grundstücksverwalter Wilhelm Kertz zu verdanken, der nur einen Bruchteil der Miete für die Räume verlangt und selbst zu den Stiftern gehört.

www.buergerstiftung-region-ahrensburg.de