Stormarn

Barni sucht neues Zuhause

Tierheim Bad Oldesloe wählt einen neuen Halter für den an der Autobahn 1 ausgesetzten Hund aus

Bad Oldesloe. Das Schicksal des zehn Monate alten Bernhardiners Barni rührt viele Menschen in Stormarn. "Ständig klingelt das Telefon. Die Anrufer fragen nach dem Hund und möchten ihm ein neues Zuhause geben", sagt Tierheimmitarbeiterin Christina Wilkens, 40: "Zudem ist jetzt klar, dass der Vierbeiner mit den traurigen Augen ein Scheidungswaise ist."

Die Besitzer von Barni waren am Dienstag im Oldesloer Tierheim. "Als das Auto der Hundehalter am Zaun des Tierheims parkte, sprang Barni voller Freude auf und lief in seinem Zwinger auf und ab", erinnert sich Wilkens. Außerdem habe sich Barni gefreut, die beiden wiederzusehen.

Doch der junge Hund wird wohl nicht mehr zu seinen bisherigen Haltern zurückkehren. "Natürlich haben wir sie gefragt, warum der Hund ausgesetzt wurde", sagt die Tierheimmitarbeiterin. Die Besitzerin habe ihr daraufhin gesagt, dass ihr der Hund Sonntagfrüh beim Spazierengehen in Glasau (Kreis Ostholstein) weggelaufen sei.

Eine Autofahrerin hatte den Hund nur wenig später auf dem mehrere Kilometer entfernten stillgelegten Parkplatz Sylsbek an der A 1 zwischen Bad Oldesloe und dem Kreuz Bargteheide entdeckt. Die Frau hatte eine Autopanne und musste anhalten. Barni war auf dem Rastplatz, der von der Autobahn kaum einsehbar ist, angebunden. "Der Hund hatte großes Glück, so früh entdeckt worden zu sein", sagt Wilkens, "denn lange hätte er ohne Wasser bei Temperaturen bis zu 30 Grad Celsius nicht überlebt." Warum Barni an der Autobahn angebunden war, konnten sich auch die Besitzer aus Glasau, beide zwischen 45 und 50 Jahre alt, nicht erklären. Dass ihr Hund ins Oldesloer Tierheim gebracht wurde, erfuhr das Paar von einem Nachbarn, der Barnis Bild in der Zeitung gesehen hatte.

"In dem Gespräch mit den Hundehaltern kam heraus, dass sich das Paar nach 30 Jahren trennen möchte. Und sie wollen den Hund abgeben", sagt Wilkens und fügt hinzu: "Die Frau habe während des Gesprächs geweint und gesagt, dass sie jetzt in eine kleine Wohnung umziehen müsse und den Hund nicht mitnehmen könne."

Die Tierschützerin habe daraufhin vorgeschlagen, den Hund dem Tierheim zu überlassen. Damit hätten sich die Hundehalter einverstanden erklärt. "Sie zahlten die Pensionskosten und Gebühren und fuhren ohne den Hund wieder Heim."

Christina Wilkens, die seit acht Jahren im Oldesloer Tierheim arbeitet, geht davon aus, dass es Barni bei den beiden gut hatte. "Er war regelmäßig beim Tierarzt, ist gut gepflegt, geimpft, entwurmt und wird seit März wegen seines Knies behandelt." Zudem wissen die Tierheimmitarbeiter jetzt, warum das Tier humpelt. "Er ist zu schnell gewachsen. Das haben die Knochen nicht mitgemacht", sagt Wilkens und ist überrascht, dass dennoch so viele Menschen Barni aufnehmen wollen. Das Tierheim prüft nun, wer als neuer Halter für den Bernhardiner infrage kommt. "Der Neue muss ein großes Grundstück haben. Von Vorteil ist, wenn jemand Erfahrungen mit dieser Rasse oder großen Hunden hat", sagt Wilkens.

Indes ermittelt die Polizei, wer das Tier an der Autobahn ausgesetzt hat. Die Beamten haben Strafanzeige nach dem Tierschutzgesetz gestellt.