Trendsport

Parkour: Hindernisse leicht überwinden

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Bianca Hannig

Die TSV Reinbek bietet am Sonntag einen Workshop in der Trendsportart Parkour für Kinder und Jugendliche an. Es sieht leichter aus als es ist.

Reinbek. Keine Sportgeräte, dafür aber eine Menge Kreativität und Körpergefühl: Mehr braucht es für die Sportart, die bereits Ende der 80er-Jahre im Pariser Vorort Lisses entstanden ist, nicht.

Beim Parkour geht es sprichwörtlich über Tisch und Stühle - wenn sie im Freien stehen. Häuserwände, Mauern, Zäune, Häuserschluchten, Garagen, Müllcontainer oder Handläufe von Treppengeländern sind für Anhänger des Sports willkommene Hindernisse, die nicht nur möglichst schnell, sondern auch elegant überwunden werden.

Die Turn- und Sportvereinigung von 1892 (TSV) Reinbek bietet nun an diesem Sonntag für Kinder und Jugendliche einen Parkour-Workshop an. Vier Übungsleiter hatte die TSV auf Fortbildung geschickt, um den Kursus verwirklichen zu können. Einer der Kursleiter ist der 35 Jahre alte Jörg Beneken. Der Trainer im Kinderturnbereich des TSV springt seit 15 Jahren über Hindernisse - allerdings mit einem Einrad. Im Parkour ist er selbst noch Anfänger. Doch in die Tiefe solle der Anfängerworkshop auch gar nicht gehen, erklärt Elke Schliewen, TSV-Trainerin im Geräteturnen, die überhaupt erst auf die Idee kam, so einen Kursus anzubieten.

"Mein elfjähriger Sohn macht das seit einiger Zeit, aber er hat sich dabei auch schon verletzt", sagt die 43-Jährige. Die meisten Verletzungen entstünden, weil sich die Hobbysportler vorm Erklimmen von Mauern oder beim Überspringen von Hindernissen nicht richtig aufwärmen, sich überschätzen und oftmals gar nicht genügend trainiert sind. "Wir wollen die Trendsportart aufnehmen, aber auch in richtige Bahnen lenken", sagt Schliewen. Schließlich solle sich niemand verletzen und am Ende vielleicht gar keinen Sport mehr machen können.

"Diejenigen, die das machen wollen, brauchen auch eine gewisse körperliche Grundfitness. Denn Parkour hat sehr viele turnerischen Elemente", erklärt Schliewen. "Man muss das physisch aufbauen und sich dann einfach noch trauen", ergänzt Jörg Beneken, der am Sonntag verschiedene Techniken aus dem Parkour vorstellen will, aber auch erklärt, welche Muskeln trainiert werden müssen, um überhaupt so leicht und schnell über Hindernisse "zu fliegen", wie Jugendliche es oft im Internet bei YouTube Videos sehen und dann versuchen, nachzuahmen.

+++Das große Springen am Michel+++

Beneken ist körperlich auf die Belastungen vorbereitet. Der Sportler trainiert regelmäßig, nicht nur seinen Körper, auch seinen Gleichgewichtssinn. In seiner Freizeit balanciert er seit Jahren über Slaglines (elastische Bänder, die zwischen Bäume oder ähnliches gespannt werden) oder fährt "Giraffe" (ein Hocheinrad). Der größte Reiz für Beneken bei der Sportart ist das Spiel mit der Schwerkraft.

Mit Leichtigkeit erklimmt er das Sportplatzgeländer, balanciert über die Stange, läuft weiter zu einer Tischgruppe aus Holz, um sie mit einem großen Satz zu überspringen. Dann wieder zieht er sich mit den Armen am Spielplatzhaus hoch, springt kurz darauf von dessen Dach. Und schon hat er verschiedene Bewegungsformen des Parkour abgearbeitet: Équilibre (balancieren auf Mauern oder Stangen), Passement (überwinden eines Hindernisses mit größtmöglicher Effizienz), Planche (aus einer hängenden Position hochziehen), Saut de fond (Sprung zum Boden). "Parkour ist eine Kunstsportart, ganz ähnlich wie beim Ballett. Auch dabei gibt es für jede Figur eine Technik und einen Namen", erklärt Schliewen.

Das Wichtigste aber sei, dass es beim Parkour grundsätzlich nicht um einen Wettkampf gehe. "Leider aber wird der Sport häufig als Mutprobe gesehen". Dass es beim Parkour aber auch um Körperbeherrschung, Intelligenz und Akrobatik geht, lernen Kinder und Jugendliche am Sonntag bei der TSV Reinbek.

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