Lasse brachte seinen Papa auf eine Kinderbuch-Idee

Wenn der Vater mit dem Sohne ...

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Franziska Behring

Foto: Franziska Behring

Autor schlichtete einen Streit unter Jungs mit einer Geschichte. "Die war so schön, dass Papa sie aufschreiben sollte."

Ahrensburg. Rund vier Jahre lang hatte sie verborgen in der Schreibtischschublade von Frank Hartmann gelegen. Beinahe wäre sie in Vergessenheit geraten. Heute steht die Geschichte "Lasse findet einen Schatz" in hell erleuchteten Regalen vieler Buchläden. "Ein irres Gefühl, als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt", sagt Frank Hartmann. Der evangelische Diakon aus Nienwohld hat jetzt sein erstes Werk veröffentlicht hat.

Mit dem ersten druckfrischen Exemplar sei er sofort zu seinem Sohn in die Grundschule am Schloss in Ahrensburg gefahren. "Ich habe den Unterricht gesprengt und Lasse das Buch überreicht", sagt der Autor und grinst wie ein kleiner Junge. "Und ich habe mich bei Lasse bedankt. Weil ich die Geschichte ohne ihn nie geschrieben hätte." Stimmt. Denn nicht ohne Grund trägt die Hauptperson des Werkes den Namen seines zehn Jahre alten Sohnes. "Lasse kam vor einigen Jahren sehr traurig vom Kindergarten nach Hause", erinnert sich Frank Hartmann. Auch Lasse kann sich an den Tag noch gut erinnern. "Ich hatte mich mit meinem besten Freund Vincent gestritten und wusste nicht, ob er am nächsten Tag wohl wieder mit mir spielt", sagt der Blondschopf, der spitzbübisch unter seinem Käppie hervorlugt. Sein Vater habe ihm spontan eine Geschichte erzählt. "Das hat ihn beruhigt", sagt Hartmann. Am nächsten Tag hätten sich die Jungs wieder vertragen, aber Lasse habe die Geschichte am Abend trotzdem noch mal hören wollen. "Ich fand sie so schön, dass ich Papa gesagt habe, er soll sie aufschreiben", sagt Lasse. Frank Hartmann folgte dem Rat seines Sohnes und fertigte ein Manuskript an. In der Erzählung begegnet Lasse nach einem Streit mit seinem besten Freund im Traum einem alten Mann. Dieser zeigt ihm sein Reich, in das alle Wörter gelangen, die tagsüber gesagt oder geschrieben wurden. Hartmann: "Dort findet Lasse genau das richtige Wort, um sich mit Vincent zu vertragen."

Erst als er die Illustratorin Irina Bruder 2007 kennen gelernt habe, habe er die Geschichte wieder hervor geholt. "Als ich ihre Bilder zu 'Lasse findet einen Schatz' zum ersten Mal gesehen habe, war ich zu Tränen gerührt", sagt der Autor. Ein knappes Jahr später bekamen die beiden die Zusage vom Verlag Urachhaus, im März dieses Jahres stellten sie es auf der Leipziger Buchmesse vor. "Das war total aufregend, vor so vielen Leuten Papas Geschichte vorzulesen", sagt Lasse, der zu Hause ein Regal voll mit Büchern besitzt.

Frank Hartmann hat seine Liebe zu Kinderbüchern dagegen erst mit der Geburt seines Sohnes entdeckt. "Als Kind bin ich ohne Bilderbücher aufgewachsen - aber heute habe ich alle Kinderbücher von Rang und Namen ", sagt er. Und der Mann in dem leuchtend orangefarbenen Hemd hat viele Ideen für eigene Geschichten. "Ich arbeite gerade an meinem zweiten Buch." Aber der Inhalt sei noch geheim. "Ich fände es gut, wenn die Geschichte in einer Höhle oder unter Wasser spielt", sagt Lasse, "das wäre spannend." Und vielleicht auch eine neue Inspiration für Frank Hartmann.

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