Stormarn
Bahnunfall: Poggenseer wird seit 18 Jahren vertröstet

Kommen endlich Schranken?

Hans-Werner Rieken hat 1999 sogar die schriftliche Zusage der Bahn bekommen. Geschehen ist bisher aber nichts.

Bad Oldesloe. Welche Gefahren unbeschrankte Bahnübergänge bergen, das haben die beiden Unfälle am Wochenende verdeutlich: In Ascheberg (Kreis Plön) starben am Sonnabend drei junge Männer, nachdem ihr Auto mit einem Regionalzug kollidiert war. Im Oldesloer Ortsteil Poggensee stieß ein 47-Jähriger am Freitag um 12.50 Uhr mit einem Zug der Nordbahn zusammen. Der Mann blieb unverletzt (wir berichteten). Sein Auto ist Schrott.

In Poggensee soll nun endlich Abhilfe geschaffen werden. "Wir haben das Ziel, dass wir dort bis Ende 2009, Anfang 2010 automatische Halbschranken errichten", sagt Sabine Brunkhorst, Sprecherin der Deutschen Bahn in Hamburg. Die Planungen hätten jetzt begonnen. Die Kosten belaufen sich auf 430 000 Euro. "Das ist zumindest wieder eine Hoffnung", sagt der Poggenseer Hans-Werner Rieken (59). Der Vertriebsleiter, der bei einer Ahrensburger Firma arbeitet, kämpft seit 1990 auch im Sinne der anderen Dorfbewohner für mehr Sicherheit an dem Bahnübergang.

Doch solange die Schranken nicht stehen, wird er skeptisch bleiben. "Wir wurden von Jahr zu Jahr vertröstet", so Rieken. Im April 1999 hatte er bereits die schriftliche Zusage der Bahn, dass der Auftrag für die Schranken vergeben sei. 2001 sollten sie installiert werden. Doch das ist nicht passiert: Der Bahnübergang ist bis heute lediglich durch rote Warnlichter und Andreaskreuze gesichert. Zusätzlich warnt ein Ton vor herannahenden Zügen. "Wir brauchen die Halbschranken dringend.

Es gab hier seit Ende der Achtzigerjahre vier Unfälle", sagt Rieken. Durch den jüngsten Unfall sieht er sich in seiner Forderung bestätigt. Der Poggenseer sorgt sich aber nicht nur um die Autofahrer, sondern auch um die Kinder aus Poggensee, Steinfeld und Havighorst, die den Übergang tagtäglich in Scharen benutzen zu Fuß oder mit dem Rad.

Im Sommer ist der Betrieb besonders groß, weil alle ins Freibad wollen, das von Poggensee aus gesehen jenseits der Gleise liegt. "Einen Beinaheunfall habe ich selbst miterlebt. Da ist der Zug fünfzig Zentimeter hinter einem Kind vorbeigerauscht", erzählt Rieken.

Die Stadt Bad Oldesloe hat dieselbe skeptische Haltung wie Rieken, weil auch sie die Schranken fordert, aber ebenfalls immer wieder enttäuscht wurde. "Als Straßenbaulastträger hatten wir unseren Drittelanteil an den Kosten über Jahre hinweg immer im Haushalt", berichtet Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster (61). Außer in Poggensee hält er zudem Schranken an den Übergängen in den Ortsteilen Seefeld und Schadehorn für nötig. "Es muss sich in Poggensee endlich etwas tun", sagt auch der Verunglückte, ein Familienvater aus dem Ort.

Der 47- Jährige weiß: "Ich hatte wirklich Glück im Unglück." Er hatte den Zug in letzter Minute gehört und das Steuer seines VW Variant herumgerissen. Auch das Rotlicht bemerkte der Poggenseer erst in diesem Moment. Warum er es nicht eher wahrgenommen hat, kann er sich nicht erklären. Denn beim Heranfahren hatte er das Warnsignal nicht gesehen. Ihm gelang es durch seine blitzartige Reaktion, seitwärts neben den Triebwagen zu kommen. Der Zug rammte daher lediglich die linke Front seines Autos.