Stormarn
Geschäfte: Ahrensburger Makler sucht Forstflächen für Fernost

Chinesen wollen unseren Wald

Die große Nachfrage nach Holz im Reich der Mitte macht den Kauf wirtschaftlich interessant.

Ahrensburg. "Chinesen kaufen Forst. Bundesweit, zu Spitzenpreisen" warb Matthias Manthey (52), Grundstücksmakler aus Ahrensburg, unlängst in der Tageszeitung "Die Welt". Er zieht deutschlandweit die Fäden im Waldverkauf. Vor Anfragen von Investoren aus dem Reich der Mitte kann sich der Ahrensburger Geschäftsmann nach eigener Auskunft kaum retten. "Die Chinesen kaufen auf Teufel komm raus", sagt Manthey, "es ist gigantisch."

Bisher haben die Chinesen Holz teuer in Deutschland eingekauft. In Stormarn beispielsweise im Hahnheider Forst in Trittau (wir berichteten). "Jetzt gehen die Chinesen einen Schritt weiter. Die sagen: ,Warum nicht gleich ganze Wälder kaufen?'", erklärt Matthias Manthey den Trend. Bei Rekordpreisen auf dem Weltmarkt von im Schnitt um die 40 Euro für den ungeschlagenen Festmeter Holz mache das aus kaufmännischer Sicht Sinn.

500 Hektar Wald im Raum Celle habe er gerade an die Chinesen verkauft, sagt Manthey. "Jetzt verhandeln wir im großen Stil über Waldverkäufe in Schleswig-Holstein. Hier schlagen die Chinesen kräftig zu." Über eine deutsche Tochterfirma wickelt der Fachmakler die Geschäfte mit den chinesischen Investoren ab. "Wer direkt verkauft, könnte sich auf der Straße nicht mehr blicken lassen", meint Manthey.

Friedrich Westerworth, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Stormarn, betrachtet die Verkäufe mit Sorge. "China hat enormen Holzbedarf. Das Land blüht auf. Andererseits haben es die Chinesen versäumt, in ihren Mittelgebirgen Wälder heranzuziehen", sagt er. Kahlschlag könnten die Chinesen nicht machen, da stünden die Gesetze davor, aber: "Wer viel zahlt, will Ertrag ernten. Ich kann mir vorstellen, dass zum Beispiel der Erhalt von Wanderwegen bei den Chinesen hintenansteht", so Westerworth.

Eindrucksvolles Beispiel für den Vorrang wirtschaftlicher Interessen in Privatforsten sei der Vergleich des Staatsforstes Hahnheide mit dem Sachsenwald: "Statt Wanderwegen gibt es in Bismarcks Privatwald nur Wege für Lkw", so Westerworth. Warum schlagen die Chinesen ausgerechnet in Deutschland zu? "Wir liefern schon ganz viel gutes Holz dahin", sagt Heino Koch, der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Stormarn. "Holz wird knapp, die Preise steigen. China will sich offenbar die Rohstoffe sichern. Im Gegensatz zu Litauen, Estland oder Russland sind wir ein verlässlicher Partner."

Dem Landwirtschaftsministerium in Kiel sind die Hände gebunden. "Was Privatleute mit ihrem Wald machen, ist letztlich ihre Sache", meint Ernst-Michael von Abercron, der Leiter des Ministerbüros. "Bewirtschaftung und Naturschutz sind per Gesetz klar geregelt. Dies gilt auch für die Chinesen."

Schon beim beabsichtigten Verkauf des Landeswalds (wir berichteten) hätten internationale Investoren aus Skandinavien und Österreich Interesse gezeigt. "Das zeigt uns, dass Wald ein kostbares Gut ist", so Abercron.