Stormarn
Klärwerk: Selbst produzierter Strom würde Kosten deutlich senken

Biogas-Anlage in Ahrensburg?

Im kommenden Jahr könnte mit dem drei Millionen Euro teuren Bau begonnen werden.

Ahrensburg. Die Energiekosten steigen. Eine Entwicklung, die das Ahrensburger Klärwerk hart trifft. Denn jedes Jahr verbraucht der städtische Betrieb 1,45 Millionen Kilowattstunden Strom. Kosten: rund 220 000 Euro. Außerdem müssen jährlich 2400 bis 2800 Tonnen Klärschlamm zum Verbrennen nach Hamburg gebracht werden. Kosten pro Tonne: 62 Euro. Der Vertrag läuft aber nur noch ein Jahr. "Danach wird es 30 bis 40 Prozent teurer", sagt Werkleiter Carsten Helberg.

Ausweg aus der Situation: die Energie selbst produzieren. Mit einer Biogas-Anlage wäre das möglich. Rund drei Millionen Euro würde der Bau von zwei Gärbehältern, einem Blockheizkraftwerk und einer Klärschlammmtrocknungsanlage kosten. Eine Ausgabe, die sich bei einwandfreiem technischem Ablauf innerhalb weniger Jahre amortisieren könnte.

"Die Anlage würde 250 Kubikmeter Biogas pro Stunde produzieren, das wären 2,2 Millionen Kubikmeter im Jahr", nennt der Werkleiter die Ergebnisse einer in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie. Noch imposanter klingt die Strommenge, die jährlich gewonnen werden könnte: 3,7 Millionen Kilowattstunden - von Generatoren erzeugt, die mit Biogas gespeiste Verbrennungsmotoren in Gang setzen würden.

Zur Zeit werden stattdessen für den Betrieb des Klärwerks 1,45 Millionen Kilowattstunden (kWh) eingekauft, pro kWh für 15 Cent. Wäre die Biogas-Anlage in Betrieb, sähe die Bilanz deutlich anders aus. Helberg: "Dann könnten wir den Strom für uns selbst produzieren, den überschüssigen verkaufen und so rund 712 000 Euro im Jahr einnehmen."

Im Werkausschuss wurde die Machbarkeitsstudie der PFI Planungsgemeinschaft aus Hannover jetzt den Kommunalpolitikern vorgelegt. "Die Resonanz war positiv. Es hat Spaß gemacht, darüber zu diskutieren", sagt Helberg.

Bei der Vergasung entsteht ein hervorragender Dünger.

Auch der Ausschussvorsitzende Steffen Rotermundt (CDU) steht den Plänen positiv gegenüber. "Ich halte es für sinnvoll, die Energiebilanz zu verbessern", so der Diplom-Ingenieur. Selbstverständlich müsse man durchspielen, ob sich die Investition rechne. Aber genauso wichtig wie ein Spareffekt sei der gesellschaftspolitische Aspekt. Rotermundt: "Denn hier wird mit regenerativen Rohstoffen Energie gewonnen."

Rund 12 000 Tonnen Silage, Mais oder Spezial-Getreide würden in Gärbehältern Biogas produzieren. Nach einem ähnlichen Prinzip wird schon jetzt das Klarschlamm-Gas über ein wesentlich kleineres Blockheizkraftwerk in Strom verwandelt.

Helberg: "Ökologisch interessant ist auch, dass nur der Kohlenstoff der organischen Substanzen in Methangas umgewandelt wird. Zurück bleiben unbelastete Gärreste aus Stickstoff und Phosphor. Und das ist ein hervorragender Dünger. So wird der Kreislauf geschlossen."

Geschlossen wäre auch der Kreislauf innerhalb des Klärwerks. Denn mit der Energie aus der Biogas-Anlage könnte der Klärschlamm getrocknet und der Wasseranteil von 74 auf fünf Prozent reduziert werden. "Dann müssten wir keine riesigen Mengen Klärschlamm mehr per Lkw nach Hamburg schaukeln", erläutert Helberg.

Ein interfraktioneller Innovationskreis wird sich mit den Plänen beschäftigen, der Werkleiter eine Beschlussvorlage erarbeiten, vermutlich zur März-Sitzung. Helberg: "Die Planungskosten könnten in den Nachtragshaushalt aufgenommen werden. 2008 könnte es losgehen." Bauzeit: rund ein Jahr.