Älteste Stormarnerin wird 110

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Alice Friedrich

Geburtstag: Elsa Tauser lebt seit drei Jahren im Altenheim Lichtensee. Am kommenden Montag wird gefeiert - mit den beiden Kindern, sieben Enkeln, 13 Urenkeln und einem Ururenkel.

Hoisdorf. Hamburg 1896. Die Bauarbeiten am Rathaus sind in vollem Gange, Johannes Versmann (1820-1899) ist Bürgermeister, und in der Großen Bäckerstraße in der Neustadt erblickt Elsa Tauser das Licht der Welt. Am kommenden Montag wird sie 110 Jahre alt. Zur Geburtstagsfeier im Alten- und Pflegeheim Lichtensee in Hoisdorf, wo Stormarns älteste Bürgerin seit drei Jahren lebt, kommt die Familie - neben Sohn Konrad (69) und Tochter Irma (81) auch die sieben Enkel, 13 Urenkel und der Ururenkel.

Elsa Tauser ist das jüngste von 14 Kindern. Der Vater, ein gelernter Schlosser, ist arbeitslos. Die Familie verdient sich ihren Lebensunterhalt mit dem Polieren von Silberbestecken aus Hotels in der Innenstadt. Elsa trägt zusätzlich noch Wäsche für einen Reinigungsbetrieb aus. Nach der Volksschule, in der sie so manche Stunde wegen ihres rebellischen Wesens vor der Klassentür verbrachte, beginnt sie eine Lehre zur Verkäuferin in einem Geschäft für Luxus-und Galanteriewaren. "Sie hat die Arbeit mitten zwischen Flacons und Seifen geliebt. Von dieser Zeit hat sie oft und gerne erzählt", sagt Sohn Konrad.

1916, zwei Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, heiratet Elsa Tauser zum ersten Mal. 1923 kommt Tochter Irma zur Welt. Das Glück findet die Hanseatin jedoch erst bei ihrem zweiten Ehemann, der bei ihrer Schwester zur Untermiete wohnt und den sie 1935 heiratet. Konrad Tauser, ein Kemptener, den die Liebe zum Meer in den Norden verschlagen hat, hängt nach der Geburt von Konrad junior 1936 der Familie zuliebe die Seefahrt an den Nagel und nimmt einen Posten als Hausmeister an der Admiralitätsstraße an.

In den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs verliert die Familie ihre Wohnung. Sohn Konrad wird zu Verwandten ins thüringische Ilmenau geschickt, Elsa und Konrad Tauser beziehen die unteren ehemaligen Büroräume ihres Wohnhauses. Als auch dieses Notquartier den Bomben zum Opfer fällt, finden sie in Hamburg-Lurup eine neue Bleibe. "Wir lebten in zwei kleinen Zimmern", erinnert sich Konrad Tauser, der bei Kriegsende in die Hansestadt zurückkehrt. Sein Vater findet wieder einen Hausmeisterjob, Mutter Elsa wird Hausfrau. Bald hat man auch wieder eine größere Wohnung und geht gern auf Reisen, in die Berge, nach Italien, Spanien und Frankreich.

In Lurup bleibt Elsa Tauser auch nach dem Tod ihres Mannes (1989). Noch im biblischen Alter von 105 Jahren versorgt sich die zweitälteste Bürgerin Deutschlands selbst, kocht, geht einkaufen. Seit 2003 lebt sie im Alten- und Pflegeheim Lichtensee in Hoisdorf, in unmittelbarer Nähe zu ihrem Sohn und dessen Lebensgefährtin. "Es war nicht einfach, meine Mutter zu diesem Schritt zu bewegen", sagt Konrad Tauser.

Daß sie 110 Jahre alt wird, kommentiert Elsa Tauser mit einem trockenen "Auch das noch!" Wie man das schafft? Mit Musik und einer positiven Lebenseinstellung. In ihrer Familie wurde musiziert, die 14 Geschwister machten Hauskonzerte.

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