Stormarn

275 Mieter im Gartenholz fürchten um ihr Zuhause

Ahrensburg: Der neue Besitzer der früheren Sozialwohnungen will 20 Prozent mehr Miete - und in fünf Jahren alle Wohnungen weiterverkaufen.

Ahrensburg. Hannelore Stolzenberg aus dem Ahrensburger Stadtteil Gartenholz ist entsetzt. Sie hat einen Brief über eine 20prozentige Mieterhöhung bekommen. Im September 1979 war sie in eine neue Wohnung gezogen. "Seitdem ist nichts gemacht worden. Eine so große Steigerung kann ich nicht verstehen", sagt sie.

Die Rentnerin muß für ihre 78 Quadratmeter große Wohnung in Zukunft statt 5,37 Euro pro Quadratmeter 6,44 Euro bezahlen. Das macht monatlich 83,76 Euro mehr. Und sie ist nicht die einzige: Von der 20-Prozent-Erhöhung sind im Gartenholz 275 Mieter betroffen.

Die Wohnungen am Helgolandring, Südring, Amrumstieg und Langeneßweg hatte die Allianz 1979 gebaut. Die Versicherung verkaufte zum 1. Juli 2004 alle Wohnungen an die Deutsche Annington Immobilien GmbH, die inzwischen zu den fünf größten Wohnungsunternehmen in Deutschland gehört. Die Mieter bekamen daraufhin einen Brief von Annington, am Mietverhältnis werde sich nichts ändern.

Aber schon zwei Monate später kam ein von Annington beauftragter Gutachter, um die Wohnungen zu bewerten. "Der Mann stand ein paar Minuten bei mir im Flur, fragte, ob die Wohnung noch im Originalzustand sei. Dann ging er wieder", berichtet Hannelore Stolzenberg. Viele Wohnungen betrat er gar nicht. Trotzdem beurteilte er im Gutachten den Zustand der Wohnungen als "gut".

Kurz darauf schickte Annington den Mietern einen Brief: "Für die von Ihnen bewohnte Wohnung weist dieses Gutachten einen erhöhten Mietwert aus." Außerdem läge die Miete unter dem ortsüblichen Vergleichswert und sei in den vergangenen drei Jahren nicht um mehr als 20 Prozent erhöht worden. Damit sei eine solche Mieterhöhung eine "gesetzlich zugelassene Möglichkeit", von der Annington Gebrauch mache.

"Wir haben nie behauptet, daß es keine Mieterhöhung geben würde", sagt Klaus Ruge (59), Vorstandsmitglied der Deutschen Annington Heimbau in Kiel. "Wir sehen Gartenholz als guten Standort und heben deshalb die Miete auf das ortsübliche Niveau." Seine Firma käme Reparaturen nach, aber größere Investitionen seien nicht vorgesehen. Denn Annington will in den kommenden fünf Jahren alle Wohnungen weiterverkaufen, an jetzige Mieter oder Dritte. "Wir schmeißen niemanden raus, weil er nicht kaufen kann oder möchte", sagt Klaus Ruge.

Viele Bewohner sind trotzdem verunsichert, ob sie die Mieterhöhung hinnehmen müssen. Sie haben sich an den Mieterverein in Lübeck gewandt. "Wir halten das Gutachten, auf das sich Annington beruft, für rechtlich nicht haltbar", sagt Thomas Klempau (40), Geschäftsführer des Mietervereins, "denn es ist zu pauschal." Er empfiehlt allen Mietern, zunächst nicht zu zahlen, sondern mit der Firma über eine geringere Anhebung zu verhandeln. Das Unternehmen könne den Mietern nicht sofort kündigen. Nach dem Kauf bestehe zusätzlich zur normalen Kündigungsfrist eine Sperre von drei Jahren. Danach müßte der Käufer gegenüber dem Mieter ein berechtigtes Interesse, wie beispielsweise Eigenbedarf, nachweisen, um kündigen zu können.

"Bei älteren Menschen wie Hannelore Stolzenberg, die schon sehr lange dort wohnen, wird im Zweifelsfall ein Gericht eine Interessensabwägung vornehmen", sagt Thomas Klempau, "die nicht selbstverständlich zugunsten des Käufers ausfällt."