Sitsofe hofft auf Dr. Zellner

Kiefertumor: Ahrensburger Arzt will jungen Ghanaer operieren.

Ahrensburg. Sitsofe Ametefe hat Kieferkrebs. Die Erkrankung, die den 16-Jährigen aus Alavanyo in Ghana entstellt und die ihm Probleme beim Sprechen bereitet, wird zu einem immer größeren Problem. "Bald wird Sitsofe nichts mehr essen können", sagt sein Arzt Dr. Martin Zellner. Der Mediziner, der in der Klinik Ahrensburg Betten belegt, will dem Teenager aus Ghana helfen und ihn operieren. Ärzte in der afrikanischen Heimat des Jungen hatten einen Eingriff in Ghana ausgeschlossen. Seit Ende April ist Sitsofe Ametefe in Deutschland, seitdem hat Zellner ihn etliche Male untersucht. "Zurzeit wissen wir aber erst sehr wenig über den Tumor. Die Materialanalyse fehlt noch", sagt der Mediziner. Sicher ist hingegen schon, dass die anstehende Operation sich sehr schwierig gestalten wird. "Das Geschwür hat bereits einen Teil des Knochens zerstört. Deshalb muss der Unterkiefer mit körpereigenem Knochengewebe neu aufgebaut werden", sagt Zellner. Dafür müsse dem jungen Ghanaer wahrscheinlich eine Rippe entnommen werden. "Die Operation dürfte an die acht Stunden dauern", meint der Mediziner. Anschließend werde Sitsofe Ametefe etwa neun Wochen das Krankenbett hüten müssen. Doch der ganze Aufwand wird sich wahrscheinlich lohnen. Die Heilungschancen sind nach Einschätzung Zellners sehr hoch: "Wenn alles klappt, wird Sitsofe wieder ein völlig normales Leben führen können." Bis jetzt hat Zellner auf ein Honorar verzichtet. Doch eine achtstündige Operation kostet Geld, der mehrwöchige Krankenhausaufenthalt erst recht. "Der Eingriff kann wahrscheinlich ohnehin nicht in der Klinik Ahrensburg vorgenommen werden. Wir brauchen ein Haus mit großer Intensivstation, etwa das Universitätskrankenhaus Eppendorf oder das Bundeswehrkrankenhaus", sagt der Mediziner. Deshalb sammelt der Hamburger "Alavanyo Verein" nun auf Hochtouren Spenden. Die Zeit ist der größte Feind des jungen Ghanaers. "Als ich Sitsofe im Sommer 2000 kennen gelernt habe, war die Schwellung noch längst nicht so schlimm", sagt die Gründerin des Alavanyo Vereins, Cornelia von Wülfing (47). Doch bei ihrem nächsten Besuch acht Monate später erschrak die Hamburger Geschäftsfrau und gelernte Krankenschwester, die seit 20 Jahren Heilpflanzen und Potenzmittel aus dem afrikanischen Land nach Deutschland importiert: Das Geschwür hatte sich im Umfang nahezu verdoppelt. Sie beschloss, den Ghanaer nach Deutschland zu holen und stellte ihn ihrem Bekannten Dr. Zellner vor. Bei ihr lebt der 16-Jährige zurzeit auch, wenn er nicht zu Untersuchungen in Ahrensburg ist. Von Wülfing verbindet mit der Region Alavanyo mehr als nur das Geschäft: Die 47-Jährige ist im Sommer 2000 zur "Königin Ngoyifianyonu Akosua I. von Alavanyo" gekrönt worden. Das bedeutet "Königin des Fortschritts". Damit honorierten die Menschen aus der Region, dass sich die Hamburgerin während ihrer Geschäftsreisen auch für die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Bau einer Schule verdient gemacht hatte. Die mit ihrer Königswürde verbundenen Verpflichtungen hat die Hamburgerin mit ihrem Verein seitdem engagiert fortgesetzt: Eine Schule, ein Mädchenwohnheim und ein Pumpensystem für die Wasserversorgung der umliegenden Dörfer sind entstanden.