Ärger: "Kreisel-Papst" kehrt dem Verein "Bürger für Ahrensburg" den Rücken

Zwei Vorstände legen Ämter nieder

Ex-Vorstand: "Kastenlinden überstrapaziert." Vereins-Chefin kontert: "Verkehrskonzept steht oben auf der Liste."

Ahrensburg. Im Verein "Bürger für Ahrensburg" (BfA) rumort es kräftig. Zwei Mitglieder haben ihre Vorstandsämter niedergelegt. Zudem hat sich der Kassenprüfer für zwei Monate freistellen lassen. Und ein ehemaliges Vorstandsmitglied, Eckehard Knoll, schmeißt ganz hin. Er sagt: "Ich trete aus, weil ich von der Initiative enttäuscht bin." Der Verein sei sich intern nicht einig und erfülle nicht die Erwartungen vieler Bürger. Schließlich habe er sich in den vergangenen Monaten fast nur um das Thema Kastenlinden gekümmert.

Der Widerstand gegen die Pläne der Stadt in dieser Sache sei "überstrapaziert. Das empfinde sicher nicht nur ich so", sagt Knoll, der ausgewiesener Experte für Kreisverkehre ist. Themen, die ursprünglich auf der Agenda standen - wie zum Beispiel der AOK-Kreisel und Straßenbau - behandele der Verein dagegen viel zu wenig. Knolls Prognose: "Es ist fraglich, ob der Verein weiterhin Akzeptanz findet."

Steht die Bürgerinitiative also schon am Anfang vom Ende? "Nein", sagt BfA-Vorsitzende Georgia Wahl. "Ganz im Gegenteil: Der Trend geht sogar dahin, dass immer mehr Bürger mitmachen wollen." Ende April 2008 hatte Wahl zusammen mit Christa Werner und Jorana Faerber den Verein "Bürger für Ahrensburg" gegründet. Ihr Anliegen: "Den Bauwahnsinn in der Innenstadt stoppen und gemeinsam etwas gegen das fehlende innerstädtische Verkehrskonzept unternehmen." Zu der ersten Versammlung seien mehr als 100 interessierte Bürger gekommen, sagt die ehemalige Schriftführerin Evelyn Bellieno. "Weil wir den Menschen aus der Seele gesprochen haben. Weil viele Ahrensburger genauso unzufrieden sind mit der Innenstadt-Situation wie wir." Ihr und ihren Mitstreiterinnen sei ein großer Dorn im Auge, dass in der Schlossstadt der zweite und dritte Schritt oft vor dem ersten gemacht werde.

Argumente und Zielsetzungen, die auch Eckehard Knoll damals überzeugten und dazu veranlasst hatten, sich in den Vorstand wählen zu lassen. Doch schon im Sommer 2008 schmiss er seinen Posten hin: "Es lief mir intern zu unkoordiniert ab." Dass er nun noch nicht einmal mehr Mitglied im Verein sein will, begründet er mit einer "einseitigen Ausrichtung. Viele Themen, die die Menschen interessieren, finden gar nicht mehr statt." Sich vordergründig um Kastenlinden zu kümmern, sei ihm inhaltlich zu wenig.

Die Initiatorinnen sehen das ganz anders. "Die Kastenlinden sind ein akutes, aber kein zentrales Thema bei uns", sagt Georgia Wahl. Das Verkehrskonzept stehe nach wie vor oben auf der Liste der "Bürger für Ahrensburg".

Und wie steht die BfA-Chefin zu dem Vorwurf, dass die Initiative nicht mehr als eine außerparlamentarische Opposition sei? "Wir leben damit, dass uns einige auf die Nörgler-Schiene stellen", sagt Wahl. "Man will uns kaputt reden, was für die Verwaltung natürlich bequemer wäre." Wahl macht keinen Hehl daraus, dass sie mit der Verwaltungschefin Ursula Pepper unzufrieden ist: "Wir wünschen uns einen bürgernahen Bürgermeister."

Und was sagt Ahrensburgs Bürgermeisterin dazu? "Ich erkenne das Engagement der Vereins an, weil die Stadt den Mitgliedern am Herzen liegt." Doch die Aktionen in Bezug auf die Kastenlinden halte sie für "kontraproduktiv, da die Initative viel zu spät gehandelt hat."

Jorana Faerber und Evelyn Bellieno zählen die Unterschriftensammlung gegen die Kastenlinden zu den Erfolgen der rund 100 Vereinsmitglieder. Interne Querelen gebe es nicht. "Das sind Gerüchte", sagt Georgia Wahl. Fakt ist: Schriftführerin Evelyn Bellieno und die Beisitzerin Anne Frey haben ihre Vorstandsämter niedergelgt. Anne Frey wollte sich auf Nachfrage der Redaktion nicht dazu äußern, nur so: "Kein Kommentar." Evelyn Bellieno sagt: "Ich habe die Aufgabe aus zeitlichen Gründen aufgegeben."

Jedenfalls formuliert Eckehard Knoll jetzt seine Austrittserklärung. Über die Zukunft von "Bürger für Ahrensburg" sagt er: "Entweder Frau Wahl reißt das Ruder rum, oder der Verein löst sich auf."