Stormarn

Neuer Bürgermeister trifft alte Freunde Ahrensburgs

Seite 1989 pflegt die Schlossstadt eine Partnerschaft mit Viljandi

Ahrensburg. Der neue Ahrensburger Bürgermeister Michael Sarach hat alte Freunde der Schlossstadt kennengelernt. Am Sonnabend empfing der Verwaltungschef den stellvertretenden Bürgermeister der Partnerstadt Viljandi sowie weitere Gäste aus der Hansestadt in Estland. Seit 1989 pflegen die beiden Städte eine Partnerschaft.

"Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als die erste Gruppe aus Viljandi nach Ahrensburg reiste", sagte Rein Triisa, Vizebürgermeister der Partnerstadt. "Es war am 24. Februar 1988. Bürgermeister Manfred Samusch empfing uns." Damals trennte die beiden Städte viel mehr als rund 1000 Kilometer. Estland gehörte zur Sowjetunion. "Wir lernten hier das demokratische Lebensgefühl kennen. Mit den Kenntnissen und Erfahrungen hat uns Ahrensburg wieder zurück in eine freie Welt geholfen. Dafür möchte ich mich auch nach 20 Jahren Partnerschaft noch bedanken", sagte Triisa.

Auch Michael Sarach erinnerte die Ahrensburger Besucher, die am Sonnabend zum Festakt ins Rathaus gekommen waren, an die erste Zeit der Partnerschaft. "In Ahrensburg wurden Pakete mit Kleidung und Essen gepackt und nach Viljandi gebracht. Als 1992 Estland selbstständig wurde, spendete die Stadt gemeinsam mit der evangelischen Kirche eine Orgel für die Partnerstadt."

Eine zierliche ältere Dame saß während der Feierstunde weit hinten im Rathaus-Foyer. "Ich bin hier, weil ich wissen möchte, was aus meiner alten Brieffreundin geworden ist", sagte Bärbel Struck, 72. "Nachdem die Städtepartnerschaft geschlossen worden war, fragte uns die evangelische Kirchengemeinde, ob wir helfen wollten. Ich nahm dann Briefkontakt zu einer Frau aus Viljandi auf. Sie muss schon damals Mitte 80 gewesen sein. Sie war sehr gebildet, sprach gut Deutsch. Ich fragte sie, was ich ihr schicken könnte, was sie bräuchte", erinnerte sich die 72-Jährige. "Daraufhin schickte ich ihr Pakete mit Essen und Kleidung." Einmal habe ihr die Frau geschrieben, dass sie nicht kochen könne, da sie keinen Herd habe. Bärbel Struck schickte ihr einen Zwei-Flammen-Herd, den man auf den Tisch stellen konnte. Struck: "Irgendwann ist der Kontakt dann abgebrochen, wahrscheinlich kam sie ins Heim oder starb." Sie hoffte, dass die Gäste aus Estland ihr helfen könnten, Kontakt zu der Familie aufzunehmen.

Inzwischen tauschen die Partnerstädte keine Hilfsgüter, sondern Erfahrungen aus. "Es ist wichtig, dass mal eine Jugendgruppe nach Viljandi zum Musizieren oder zu sportlichen Ereignisse reist", sagte Sarach, "sie lernen dort die Kultur des Landes kennen." In rund zwei Wochen startet eine Sportgruppe in die 20 000-Einwohner-Stadt nach Estland.