Stormarn

Bröckelt Oststeinbeks Allianz für die Allianz?

Bürgermeister will "Nägel mit Köpfen", Politiker wollen abwarten

Oststeinbek. In Sachen Allianz will Oststeinbeks Bürgermeister Karl-Heinz Mentzel heute Abend Nägel mit Köpfen machen. "Wir wollen bereit sein", hat Mentzel in der vergangenen Woche gegenüber der Regionalausgabe Stormarn des Hamburger Abendblattes gesagt. Bereit sein für ein Büro- und Verwaltungszentrum des Allianz-Konzerns, das auf zwei Sondergebieten am Rande des Gewerbegebietes rund acht Hektar einnehmen würde.

In der Gemeinderatssitzung heute um 19.30 Uhr im Rathaus steht der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan 35 insofern auf der Tagesordnung. Zwar sollen die Politiker ihn nur zur Kenntnis nehmen, aber das könnte dem Investor schon einen Bauantrag ermöglichen.

Die Gemeindevertreter werden dabei möglicherweise nicht mitziehen. Sie wollen den Plänen nur dann zustimmen, wenn der Mieter des Verwaltungstraktes wirklich Allianz heißt. Sie fürchten, dass der Investor, die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) aus Lübeck, sich einen anderen Mieter suchen könnte, wenn es nicht zum Vertrag mit der Allianz käme. Das wäre möglich, da es sich laut Bebauungsplan um kein vorhabenbezogenes Sondergebiet handelt.

Bauherr und Allianz sollen sich trotz weit fortgeschrittener Planungen noch nicht einig über Mietdauer und -höhe sein. Die Gemeindevertreter könnten den Bebauungsplan deshalb zurück in den Bauausschuss verweisen, der am 17. Juni tagt. Im Fall einer Zusage des Versicherungskonzerns könne man trotzdem schnell reagieren, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Joachim Vorbeck. Mit den anderen Fraktionen gebe es generell eine breite Mehrheit für die Ansiedlung des Versicherers. "Wir haben aber keine Eile. Wenn der Mietvertrag mit der Allianz da ist, dann sind wir auch ganz schnell.", sagt Vorbeck. Die SPD Fraktion hat gestern Abend getagt. "Die Tendenz ist, dass wir keinen vorzeitigen Beschluss fällen, wenn es nicht nötig ist", sagt Gemeindevertreterin Sabine Huß-Reichelt.

Ein "belastbares Signal" aus der Konzernzentrale gebe es nicht

Investor HBB hat die fraglichen Grundstücke bereits erworben, aber bis September gilt ein Rücktrittsrecht. HBB Geschäftsführer Marcus Scheck ist für eine aktuelle Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen.

Seit rund einem Jahr ist bekannt, dass der Versicherungsriese nach Oststeinbek ziehen könnte. Doch die Entscheidung wurde immer wieder vertagt, zuletzt auf Ende Mai. Jetzt soll sie Ende Juni, Anfang Juli fallen. "Das muss bis zu den Sommerferien entschieden sein, denn sonst können die im September nicht mit dem Bau beginnen", sagt Bürgermeister Mentzel. Er hat vor gut einer Woche mit dem Münchner Konzern telefoniert, ein "belastbares Signal" gebe es aber noch nicht.

Laut Allianz-Sprecherin Vera Werner ist der Vorstand immer noch mit der Prüfung verschiedener Standortoptionen beschäftigt. Oststeinbek werde weiter ernsthaft geprüft. Für Norbert Leinius, Geschäftsführer der Wirtschaftsaufbaugesellschaft Stormarn, sind die weit vorangeschrittenen Planungen ein gutes Zeichen für den Standort.

Doch Hamburg kämpft um seine Allianz- Niederlassung. Bürgermeister Ole von Beust soll das Thema zur Chefsache erklärt haben. "Der Allianz liegt ein attraktives Angebot für eine Fortführung des Standortes vor, und wir hoffen, dass der Vorstand der Allianz sich für Hamburg aussprechen wird", sagt Senatssprecherin Kristin Breuer. "Die Kontakte zum Bürgermeister sind gut", bestätigt Vera Werner.

Auch innerhalb der Belegschaft gibt es Widerstand. "Wir sind gegen den Umzug", sagt Betriebsrat Jens Schulzki. Aus seiner Sicht bedeutet der Umzug nach Oststeinbek eine Verschlechterung für die rund 40 Kollegen, die seit der Auflösung des Hannoveraner Standortes täglich nach Hamburg pendeln. Auch Kollegen aus dem Hamburger Westen hätten es näher zum Großen Burstah als nach Oststeinbek. 1300 Mitarbeiter könnten zunächst nach Oststeinbek umziehen, hieß es bei der Bekanntgabe der Allianz-Umzugspläne im April 2009. 700 weitere könnten folgen.