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Parkplätze: Kaufleute in Sorge um Ahrensburgs Innenstadt

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Finn Fischer
Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (v.l.) mit dem Ahrensburger FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Bellizzi und Gastronom Axel Strehl.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (v.l.) mit dem Ahrensburger FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Bellizzi und Gastronom Axel Strehl.

Foto: Finn Fischer

Dauerthema bei Diskussion auf Einladung der FDP: Einzelhändler unzufrieden mit Politik und Verwaltung. Minister Buchholz zu Gast.

Ahrensburg.  Zu wenig Parkplätze, schlechte Kommunikation mit der Verwaltung, politische Fehlentscheidungen – und dann auch noch das Corona-Krisenjahr: Viele Ahrensburger Kaufleute fühlen sich im Stich gelassen. Dieser Eindruck entstand bei der Podiumsdiskussion über die „Zukunft der Ahrensburger Innenstadt“, zu der die FDP ins Restaurant Strehl eingeladen hatte. Einzelhändler und Gastronomen klagten dort Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) ihr Leid. Ein Raum voller Frust.

Schon vor der Pandemie kämpfte der stationäre Einzelhandel gegen die übermächtige Konkurrenz der Online-Versandhändler. Günstig einkaufen und das von zu Hause aus war bereits ein Wettbewerbsvorteil, als die Geschäfte in den Innenstädten ohne Einschränkungen geöffnet hatten. Dann im März 2020 der erste Lockdown. Es sollte nur ein kleiner Vorgeschmack auf den Herbst und Winter werden. Nach sommerlicher Zuversicht folgte für Einzelhändler und Gastronomen die Katastrophe: Sechs Monate kompletter Stillstand. Der Gewinner: Amazon. Der US-Versandhändler hat seinen Umsatz um 33 Prozent (24,7 Milliarden Euro) gesteigert.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) spricht sich für Entschädigungen aus

50.000 Einzelhändler werden bundesweit nach Ende der Krise wohl nicht mehr da sein, schätzt Thomas Bellizzi, Fraktionsvorsitzender der FDP in Ahrensburg und Moderator beim Innenstadt-Themenabend: „Wenn Corona nicht gewesen wäre, hätten wir wohl etwas mehr Zeit gehabt, dem ohnehin vorhandenen Trend entgegenzuwirken. Zeit haben wir jetzt nicht mehr.“

Dem Trend entgegenwirken wollte auch die Bundesregierung mit Soforthilfe-Programmen. Schleswig-Holstein selbst legte zusätzlich ein Landesprogramm auf, um „die Löcher zu stopfen, die der Bund gelassen hat“, wie Minister Bernd Buchholz sagt: „Ich bin kein Fan von betreutem Unternehmertum, sondern für freie Entfaltung. Aber wenn der Staat eben per Ansage Unternehmern den Laden zumacht, ist das wie ein enteignungsgleicher Eingriff, der entschädigt werden muss.“ Insgesamt zahlte das Land seit Beginn der Pandemie laut Wirtschaftsministerium 1,5 Milliarden Euro bei 120.000 Anträgen an Hilfen aus, die über die des Bundes hinausgingen. Hinzu kamen weitere Unterstützungen wie Darlehensprogramme.

Viele Beschäftigte der Gastronomie haben sich andere Jobs gesucht

Das alles federte die finanziellen Auswirkungen der Pandemie ab. Doch mit Geld lässt sich nicht alles regeln. Einige Unternehmer werden auf der Strecke bleiben, viele die Krise aber auch überleben und die sehen sich dann mit weiteren Problemen konfrontiert.

Bis Corona galt die Gastro-Branche als krisensicher, wie Gastronom und Dehoga-Präsident Axel Strehl sagt: „Plötzlich war die Krise da und es gibt noch immer große Unsicherheiten.“ Sowohl bei den Restaurant- und Hotelbetreibern selbst, als auch bei den Beschäftigten. Es gab zwar Kurzarbeitergeld. Doch ausbleibende Trinkgelder, für viele ein wesentlicher Teil ihres Einkommens, wurden nicht ersetzt. Das sorgte dafür, dass viele schlicht ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten und die Branche wechseln mussten. Berufseinsteiger überlegen es sich zweimal, ob sie im Gastrogewerbe eine Ausbildung machen. „Es wird mindestens drei Jahre dauern, bis wir das Vertrauen der Beschäftigten zurückgewonnen haben“, sagt Strehl.

Erreichbarkeit der Läden ist in Ahrensburg ein Dauerthema

Während sich Angestellte der Gastronomie andere Jobs suchten, wanderten Kunden des stationären Einzelhandels ins Internet ab. Sie zurück in die Innenstädte zu bekommen, dürfte nicht weniger schwer werden. Minister Bernd Buchholz spricht von einem Strukturwandel, „den die Pandemie nur noch beschleunigt hat.“ Gerade jetzt, davon ist der FDP-Politiker überzeugt, müssen Städte und Kommunen es der örtlichen Wirtschaft so einfach wie möglich machen, sich entfalten zu können. Ein entscheidender Faktor sei dabei die Erreichbarkeit, so Buchholz: „Wer lebendige Innenstädte will, muss dafür sorgen, dass sie auch erreichbar sind und nicht nur mit Lastenfahrrad.“

Diese Erreichbarkeit ist in Ahrensburg ein Dauerthema. Seit Jahren klagt der Einzelhandel über einen strukturellen Mangel an Parkplätzen. Auch deswegen hat das Kaufhaus Nessler zuletzt nicht in Ahrensburg sondern in Geesthacht investiert. „Dort gibt es ein ausreichendes Stellplatzangebot“, sagt Nessler-Geschäftsführer Matthias Timm. Eine Befragung der Kunden in Ahrensburg habe gezeigt, dass zwei Drittel aus dem Umland kommen und dementsprechend größtenteils mit dem Auto anreisen. Gegen Fußgängerzonen hat der Unternehmer grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber dann brauche es Parkflächen an den Rändern.

Händler kritisieren mangelnde Kommunikation der Verwaltung

Wie wenig Matthias Timm mit der Wirtschaftspolitik der derzeitigen Stadtverwaltung und Entscheidungen der Politik einverstanden ist, daraus macht er keinen Hehl: „Ich bin hier aufgewachsen und möchte zur Belebung dieser Stadt beitragen und nicht mich durch aktuelle Stadtverordnete von der WAB oder den Grünen vertreiben lassen.“

Frust auch bei anderen Teilnehmern. Juwelier Andreas Werning nimmt eine mangelhafte Gesprächsbereitschaft seitens der Stadtverwaltung wahr. Etwa bei der Sanierung der Hamburger Straße, die für 2022 geplant ist. „Kommunikation gab es im Grunde nicht und das lässt uns glauben, dass man das nicht mit uns zusammen machen will, sondern an uns vorbei“, so Werning. Dabei sei das mit einer gesunden und attraktiven Stadt für ihn eigentlich ganz einfach: „Es braucht Einzelhändler mit einem attraktiven Angebot und Läden, die erreichbar sind. Der Rest wird sich ergeben.“

Angesichts der Kritik wird sich der künftige Bürgermeister der Stadt Ahrensburg auf einen nicht leichten Job einstellen müssen. Auf die Frage eines Besuchers nach einer Wahlempfehlung gab Thomas Bellizzi allerdings keine klare Antwort: „Mit keinem der Kandidaten gab es genügend Überschneidungen und deswegen können wir auch keine eindeutige Empfehlung aussprechen. Wir haben das schon mal gemacht und wurden enttäuscht.“ Die FDP hatte 2009 Michael Sarach (SPD) unterstützt.

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