Kampf um die Patienten

Foto: Fabian Schindler

Das Elbe-Klinikum gründet ein Medizinisches Versorgungszentrum , um die Expansion der Privatkliniken zu stoppen

Stade. Mehr Service, geringere Kosten, höhere Qualität in der Medizinischen Versorgung - das ist das Ziel des neuen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), das jetzt am Hohenwedeler Weg 18 in Stade errichtet wurde. Elbe-Kliniken-Geschäftsführer Siegfried Ristau ist zufrieden. Das MVZ, das Teil einer Tochtergesellschaft der Elbe-Kliniken ist, werde die medizinische Versorgung in Stade weiter verbessern. "Wir haben etwas Vernünftiges geschaffen", sagt Ristau.

Bis zu acht Arztpraxen sollen in dem MVZ künftig arbeiten

Zum 1. Januar wurde das MVZ gegründet, ursprünglich in der Gartenstraße. Doch die Räumlichkeiten erwiesen sich dort sehr schnell als zu eng. Maximal zwei Praxisinhaber konnten dort ihrer Arbeit nachgehen. Das neue MVZ soll zunächst sieben bis acht Praxen beherbergen, wenn alles fertig ist. Platz für ein weiteres Wachstum sei noch da. An einigen Stellen wird zwar noch gebaut, das meiste ist aber bereits eingerichtet und betriebsbereit.

Insgesamt sieben Praxen, von der Orthopädie und Unfallchirurgie über arterielle Chirurgie zu Anästhesie sowie eine physiotherapeutische Praxis, ein Röntgensaal, ein Gipsraum, zwei Operationssäle, eine zentrale Patientenanmeldung und eine Gastronomie beherbergt das Gebäude derzeit. Alleine die Innenausstattung der Praxen kostet etwa 500 000 Euro. Das Geld ist nach Ansicht des Elbe-Klinikums gut investiert. Mit dem Medizinischen Versorgungszentrum könnten Kosten gespart werden, etwa mit der gemeinsamen Nutzung der OP-Säle oder des Röntgengeräts. "Die Operationssäle gehören zur Kategorie 1A, das heißt, hier können bis auf wenige Ausnahmen, fast alle fälligen Operationen unternommen werden", so Ristau. Wenn mehr Fachkompetenz benötigt wird, ist der Weg zum Elbe-Klinikum nicht weit. Aber auch eine Überweisung in eine andere Klinik, wie beispielsweise das Uniklinikum in Eppendorf, könne sofort stattfinden, so Ristau.

Auch Synergieeffekte werden vom neuen MVZ erwartet. "Anders als in normalen Arztpraxen ist hier der Weg zu den Kollegen kurz, falls er fachlich einmal nötig sein sollte", sagt Ristau. Auch die gemeinsame Nutzung der kostenintensiven Operationssäle und Röntgeneinrichtungen sei wegweisend. "Ein Röntgengerät kann sich heute ein einzelner Arzt kaum noch leisten, daher ist es sinnvoll, in bestimmten Bereichen zu kooperieren", sagt der Elbe-Kliniken-Geschäftsführer.

In Kürze sollen die ersten Patienten behandelt werden. Kunden sollen normal versicherte Bürger sein, wie in herkömmlichen Arztpraxen auch. Ristau betont, dass es dem MVZ aber nicht darum gehe, eine ambulante, flächendeckende Versorgung einzurichten. "Das ist nach wie vor die Aufgabe der niedergelassenen Ärzte", sagt Ristau. Diese könnten jene Aufgabe besser meistern. Der Schwerpunkt der Elbe-Kliniken bleibe die stationäre Patientenversorgung.

Nicht nur in Stade, auch in Buxtehude liebäugelt das Elbe-Klinikum mit der Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums. Auch darüber hinaus sei eine weitere Expansion denkbar, auch wenn dafür noch keine konkreten Pläne vorlägen.

Die Expansionsgedanken haben einen Hintergrund. Im Gesundheitssektor ist mit der Privatisierungswelle bei den Krankenhäusern ein Kampf um die Patienten entbrannt Die Elbe-Kliniken, deren Vorstandsvorsitzender Landrat Michael Roesberg ist, wollen verhindern, dass sich die privaten Kliniken, vor allem aus dem Hamburger Raum, im Landkreis Stade festsetzen und die Patienten nach Hamburg locken. "Die Privaten haben bereits ihre Fühler ausgestreckt", sagt Ristau.

Die Privatkliniken buhlen um die Patienten auf dem Lande

Erreicht wird dies, indem die privaten Kliniken Arztpraxen, die in finanzielle Schräglage geraten sind oder aufgegeben werden sollen, lukrative Übernahmeangebote machen. Die dort tätigen Ärzte werden dann als Angestellte übernommen. Sind die Praxen dann in privater Hand, werden die Patienten bei einer stationären Behandlung an die Privatklinik überwiesen. Möglich wurde dies aufgrund einer Gesetzesnovellierung, die schon vor Jahren auf Bundesebene erfolgt ist.

Das Gesundheitsfeld komplett den privaten Anbietern zu überlassen, würde nach Ristaus Ansicht dazu führen, dass sich der Gesundheitsmarkt früher oder später komplett nach Hamburg verlagern würde. "Die Ärzte der privaten Anbieter würden natürlich die Patienten vorrangig an ihre Hamburger Privatklinik überweisen", so Ristau. Die Folge wären deutlich längere Wege für die Einlieferung in Kliniken, was wiederum eine Minderung der Qualität der ärztlichen Versorgung auf dem Land bedeuten würde. "Je länger die Wege für den Patienten werden, so schlechter ist das für ihn", sagt Ristau.