Das wahre Eden liegt gleich nebenan

Foto: Claas Greite

Erstmals öffnen die Besitzer privater Gärten in Harsefeld und Umgebung ihre Pforten für Besucher

Harsefeld. Es lohnt sich, Tier zu sein im Garten von Rosemarie und Heinrich Poppe. Etwa für die Goldfische im selbst angelegten Teich hat Heinrich Poppe einen eigenen "Aussichtsturm" gebaut. Mitten im Teich steckt eine rund einen Meter hohe Glasröhre, in die die Tiere von unten hineinschwimmen können. Und das tun sie tatsächlich, wie Heinrich Poppe dem zunächst skeptischen Reporter versichert: "Besonders im Sommer sind die Fische gern in dem Turm unterwegs, das sind richtige Ansammlungen. Vermutlich, weil es dort oben wärmer ist". Aber natürlich bekommen auch andere Tiere etwas geboten. So gibt es ein "Bienenhotel" aus einem extra präparierten Baumstumpf, etwa 20 Vogelhäuser unterschiedlichster Art und eine eigenes kleines Reich für den Strauß "Ronaldo"- obwohl der nur aus Holz ist.

5000 bis 10 000 unterschiedliche Pflanzenarten in einem einzigen Garten

Der rund 1200 Quadratmeter große Garten des Rentnerehepaares ist ein kleines, liebevoll gepflegtes Paradies. Biblisch wirkt da auch die Anzahl der unterschiedlichen Pflanzen, die die beiden seit über 40 Jahren auf dem Harsefelder Grundstück ansammeln. Was der unkundigen Stadtmensch einfach "Blumen" nennt, hat hier viele Namen, Gesichter und Geschichten: alte Rosensorten aus dem 13. Jahrhundert sind darunter, Riesenlilien, die aus Indochina stammen, "Sekretärinnenblumen", die es besonders lange ohne Wasser aushalten und Gewächse mit geheimnisvollen Namen wie "gelbe Wolfsmilch" und "Taglilie" oder "Semper Vivum".

Insgesamt sind es 5000 bis 10 000 Arten, wie Rosemarie Poppe schätzt. Sie legt auch Wert darauf, sich "steinreich" zu nennen - gemeint ist die umfangreiche Sammlung an Findlingen in ihrem Garten, von denen einige die Größe eines Wagenrades haben.

Das kleine Reich der Poppes ist einer von 13 Gärten in Harsefeld und der Umgebung, die am Sonnabend, 19. Juni und Sonntag, 20. Juni, für die Öffentlichkeit zugänglich sein werden. Ähnliche Aktionen gibt es auch in anderen Gemeinden: So können sechs Gärten zwischen Balje und Himmelpforten am Sonntag, 13. Juni, besichtigt werden. Am Sonntag, 27. Juni, steht ein Garten in Dollern für Schaulustige offen. Doch von der Breite des Angebots her sticht die Harsefelder Gartenschau, die der "Landfrauenverein Harsefeld und Umgebung" gemeinsam mit dem Harsefelder Stadtmarketing organisiert, heraus. So werden an beiden Tagen besondere Führungen durch den Harsefelder Klosterpark angeboten, in denen auf die dortigen Pflanzen und ihre Geschichte eingegangen wird. Zudem werden an drei Orten Verpflegungsstationen eingerichtet.

Am 13. und am 27. Juni öffnen die Gärten in anderen Gemeinden

Eine weitere Sache macht die Veranstaltung besonders: Denn sie ist die erste dieser Art, wie die Vorsitzende des Landfrauenvereins Renate Wölfel stolz sagt. "Eine private Gartenschau von dieser Größe hat es in unserer Gegend noch nicht gegeben. Es ist auch eine wunderbare Gelegenheit, die Schönheit unserer Orte zu präsentieren".

Dabei geht es auch darum, den Besuchern mit jedem Garten eine unterschiedliche Idee der Gartenkunst zu zeigen, die den einen oder anderen Gartenfreund vielleicht mit Anregungen versorgt. In dem Programm für die beiden Tage, das Interessenten sowohl als gedruckte Ausgabe als auch im digitalen Format per E-Mail bestellen können, sind die einzelnen Gärten mit Überschriften versehen. "Genießergarten" heißt dort der Garten der Poppes, "Garten und Poesie" steht über der Beschreibung des Grundstücks von Sigrid Meyer aus Harsefeld.

Warum das so ist, merkt der Besucher schon beim Betreten des 2000 Quadratmeter großen Grundstücks, das noch vor gar nicht allzu langer Zeit landwirtschaftlich genutzt wurde, wovon das restaurierte Bauernhaus zeugt.

Göttinnen und Jünglinge stehen als Statuen unter von Rosen umwachsenen Rundbögen, wie in einem Renaissance-Garten. Ein künstlich angelegter Bach plätschert zwischen den geometrisch exakt angelegten Beeten hindurch, die auch der Gärtner eines französischen Lustschlosses hätte kreieren können. Doch poetisch ist hier nicht nur der Garten, auch die Besitzerin ist es: "Ich lasse mich von meinen Pflanzen zu Gedichten inspirieren", sagt Sigrid Meyer. "Der Juni ist umrahmt von Rosen, die stolz uns ihre Schönheit zeigen" heißt es in einem der Texte, von denen einige auf Steinen geschrieben stehen, die inmitten der Beete hervorschauen. Und natürlich hofft die Gartenbesitzerin, dass die vielen Rosen auch tatsächlich noch zur Blüte kommen, wenn die Besucher sie bewundern wollen.

Jedes Grundstück steht für eine bestimmte Idee von Gartenkunst

Auch für den Freund rustikalerer Gartenkunst wird im Programm der Landfrauen etwas geboten. So gibt es neben einem "Traumgarten" und einem "Liebhabergarten" auch einen "Familiengarten", einen "ländlichen Garten" und einen "bäuerlichen Garten" zu sehen. Besonders bunt geht es dabei im "Garten mit Schwimmteich" von Margret und Günter Poppe aus Ruschwedel zu. Denn auf dem großen Anwesen tummeln sich nicht nur Vergissmeinnicht, Lilie und Rhododendron, sondern auch Heidschnucken, Ziegen, die Eselin "Rieke" und das Alpaka "Horst", das es trotz seiner Herkunft aus den südamerikanischen Anden gut in der Geest auszuhalten scheint. Die Tiere sind bekannt und beliebt bei den Kindern in der Umgebung, die häufig auf das Grundstück kommen, um die Tiere zu füttern oder zu streicheln. Der kleine, private Zoo ist die Leidenschaft Günter Poppes, der vielen in der Region auch als temperamentvoller Auktionator von Zuchtvieh und Dingen wie ausrangierten Polizeiautos bekannt ist.

"Gärtnern ist die beste Möglichkeit, den Wechsel der Jahreszeiten zu erleben"

Obwohl Margret Poppe die Ziegen mit liebevollen, plattdeutschen Worten zu füttern versteht, sieht sie ihre Zuständigkeit eher im Bereich der Pflanzen. "Ich mag es besonders, den Rasen zu pflegen. Denn der strahlt Ruhe aus", sagt die Rentnerin. Sigrid Meyer erklärt ihre Liebe zur Gärtnerei noch anders: "Gärtnern ist die schönste aller Möglichkeiten, den Wechsel der Jahreszeiten mitzuerleben".