Tradition: Weihnachtsmarkt in der Stader Innenstadt

Saisonauftakt an der Punschbude

Weihnachtszeit ist auch Glühweinzeit. Günter Sierungs Stand begrüßt bereits die ersten Gäste.

Stade. Es riecht nach gebrannten Mandeln und Bratwurst. Adventslieder sind zu hören. Glühwein dampft aus den roten Bechern der Gäste in der Punschbude von Günter Siering auf dem Pferdemarkt. Trotz milder Temperaturen kommt auf dem Stader Weichnachtsmarkt Adventsstimmung auf - zumindest bei jenen, die sich schon einmal an Sierings Punschbude versammelt haben.

Denn bisher ist wenig los auf dem Weihnachtsmarkt, der als einziger im Landkreis die gesamte Vorweihnachtszeit lang geöffnet hat. Siering lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: "Das ist normal, der Andrang nimmt im Laufe der Zeit zu", sagt Siering. Er ist ein wahres Weihnachtsmarkt-Urgestein. Der 67-Jährige ist seit 42 Jahren dabei und hat reichlich Erfahrungen gesammelt: "Die erste Woche ist immer ruhig, denn am Anfang des Monats haben viele ihr Gehalt noch nicht bekommen." Am ersten Adventswochenende gehe es dann richtig los.

Plötzlich wird es doch voll in der etwa 60 Quadratmeter großen Punschbude. Eine Gruppe stürmt den Tresen. Der etwa 80 Grad heiße Glühwein wird wie Bier aus einem grünen Fass gezapft. Nur die Schaumkrone fehlt. Beim Ausschenken ist Tempo gefragt, schließlich sollen die Gäste zügig versorgt werden.

Siering wirbelt gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen um die Zapfanlagen, den Schokoladenautomaten und das Spülbecken herum, die nicht einmal einen Meter vom Tresen entfernt sind. Der Arbeitsplatz ist begrenzt. Er ist aber nicht nur eng, sondern auch kalt. Die zehn Grad Lufttemperatur fühlen sich wie Null Grad an. "Frostbeulen hatte ich noch nicht", lacht Siering, der täglich von 17 Uhr an in seiner Hütte steht. Nur im Winter wird er zum Gastronomen, sonst verdient er sein Geld mit Immobilien.

Die 25 Mann und Frauen starke Gruppe macht ordentlich Stimmung. Die Mitglieder des Wohnmobil-Stammtisches scherzen mit Siering. Sie sind alle per Du. Die Rentner schlürfen ihre Heißgetränke mit Schuss. Die Promille seien kein Problem, sagt Eberhard Bastain: "Wir haben unser Hotel immer dabei." Die Mitglieder haben ihre Wohnmobile auf dem Stellplatz "Am Schiffertor" und können so den Weihnachtsmarkt in vollen Zügen genießen.

Der Stammtisch trifft sich jedes Jahr an der Punschbude. "Ich lebe von meinen Stammgästen. Das sind etwa 80 Prozent der Kunden", so Siering. Tatsächlich ist der 67-Jährige bekannt wie ein bunter Hund. Die große Mehrheit der Gäste wird mit Namen begrüßt.

Allerdings gibt es auch immer wieder Gäste, die beim Punschgenuss zu Langfingern werden. Die mit Motiven der Stader Altstadt bedruckten Porzellanbecher werden gerne mitgenommen. "Ich habe etwa 1000 Becher pro Saison. Hunderte werden geklaut. Allerdings kann man sie auch kaufen", betont Siering. Ansonsten ist er mit Zahlen weniger auskunftsfreudig. Wie viel Liter Glühwein und Apfelpunsch über den Tresen gehen, will er nicht verraten. Ebenso wenig das Rezept für den Eierpunsch.

Am Montag, 28. Dezember, ist mit dem Markttreiben Schluss - dann wird die Hütte wieder bis zur nächsten Saison eingelagert. Vier Wochen Kälte, Weihnachtsmusik und Glühwein liegen dann hinter Siering. Die Nase voll hat er dann trotzdem nicht: "Ich freue mich dann schon auf das nächste Jahr!"