Einsparung: Geld wird knapp

Evangelische Kirche verkauft Gemeindehäuser

Sankt Paulus und Sankt Petri in Buxtehude sind die ersten Gemeinden, die ihre Immobilien veräußern.

Buxtehude. An diesem Sonnabend feiert die evangelische Kirche ihren Reformationstag mit besonderen Gottesdiensten und Lutherabenden. Doch beim Blick in die Finanzen der evangelischen Kirche mag so manchem Kirchgänger nicht zum Feiern zumute sein. Die demografische Entwicklung und zahlreiche Kirchenaustritte bringen die evangelische Kirche in Geldnot. Das ist besonders deutlich am Sparkurs des Buxtehuder Kirchenkreises ablesbar.

In diesem Jahr hat der Kirchenkreis zwei Gemeindehäuser aufgegeben: das Matthias-Claudius-Haus an der Carl-Hermann-Richter-Straße in der St.-Petri-Gemeinde und das Gemeindehaus der St.-Paulus-Gemeinde an der Straße "Am Eichholz" in Altkloster.

Superintendent Helmut Blanke geht davon aus, dass es noch weitere Einschnitte geben wird. "Uns bereitet vor allem der Rückgang der Geburtenrate Kopfzerbrechen."

Die Folge ist, dass weniger Menschen in die Kirchenkasse einzahlen. Noch dazu kehren viele Leute der Kirche den Rücken. Zurzeit gibt es im Kirchenkreis Buxtehude, der von der Stadt Buxtehude bis Bargstedt reicht, etwa 48 000 Mitglieder. Im Jahr 2008 sind 536 Menschen ausgetreten. Lediglich 107 neue Mitglieder hat der Kirchenkreis in dem Jahr gewonnen.

Deshalb bekommt der Kirchenkreis Buxtehude von der Landeskirche pro Jahr 200 000 Euro weniger als bisher zugewiesen. "In Buxtehude stellte sich damit die Frage, ob wir in die Gemeindehäuser investieren oder in die Mitarbeiter", sagt Superintendent Helmut Blanke.

Der Kirchenkreis entschied sich gegen die Gemeindehäuser, zumal die St.-Petri-Gemeinde und die St.-Paulus-Gemeinde jeweils zwei solcher Häuser für ihre Mitglieder bereitgehalten hatten. "Vor zwanzig Jahren konnten wir uns noch zwei Gemeindehäuser leisten", sagt Blanke. "Das geht jetzt nicht mehr." Die Mitglieder erledigen ihre Kirchenarbeit jetzt jeweils in einem Gebäude.

Bis zum Jahr 2012 bekommt der Kirchenkreis weniger Geld von der Landeskirche. So lange gilt der derzeitige Finanzplan. "Es wird aber sicher danach noch mehr Reduzierungen geben", sagt Blanke.

Selbst wenn die Gemeinde sich zum schmerzhaften Beschluss durchgerungen hat, ein Gemeindehaus zu verkaufen, lässt der finanzielle Befreiungsschlag noch auf sich warten. Jedenfalls bleibt der Kirchenkreis Buxtehude bislang auf dem Matthias-Claudius-Haus sitzen. Seit Juni steht das Haus zum Verkauf. Ein Käufer ist bislang nicht in Sicht. "Es ist schwierig, für das Haus einen Nutzer zu finden", sagt Henning Karow, Vorsitzender des Kirchenvorstandes der St.-Petri-Gemeinde. "Die Alternative ist der Abriss, damit das 1900 Quadratmeter große Grundstück wieder bebaut werden kann. Das mindert wiederum den Kaufpreis." Nach einem Gutachten sind Grundstück und Gebäude eine halbe Million Euro wert.

Beim Gemeindehaus der St.-Paulus-Gemeinde ist der Verkauf bereits geglückt. Die Lebenshilfe Buxtehude erwarb das Gebäude für einen sechsstelligen Betrag, um auf dem Gelände eine neue Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen bauen zu lassen.

Die Sparmaßnahmen im Kirchenkreis Buxtehude machen aber bei den Gebäuden nicht Halt. Auch beim Personal in der Kirche muss der Rotstift angesetzt werden. Die sieben Diakonstellen im Kirchenkreis wurden bereits auf vier reduziert (das Abendblatt berichtete). Anders als der Buxtehuder Kirchenkreis ist die Stader Kirche nicht vom Sparzwang gebeutelt. Im Gegenteil: Die Kirche in Stade investiert in energetische Maßnahmen. Gerade wurden die Pfarr- und Gemeindehäuser in 21 Gemeinden untersucht, welche Gebäude verstärkt isoliert werden müssen und ob Fenster erneuert werden müssen. Dafür investiert die Kirche rund 300 000 Euro.