Gastronomie in Scharbeutz

Ein Hamburger bringt mit „Fischköppe“ Sylt an die Ostsee

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Udo und Tommy (r.) vom Restaurant Fischköppe in Scharbeutz: Bei ihnen gibt es Fischbrötchen und einen Spruch obendrauf.

Udo und Tommy (r.) vom Restaurant Fischköppe in Scharbeutz: Bei ihnen gibt es Fischbrötchen und einen Spruch obendrauf.

Foto: THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Der Gastronom Meiko Lange eröffnet sein neues Restaurant in Scharbeutz – ohne Schicki-Micki und Chichi, dafür mit Ware vom Fischmarkt.

Schleswig-Holstein.  Wie man aus einem ehemaligen Strandimbiss ein stylishes Restaurant inklusive Dachterrasse machen kann, zeigt Meiko Lange in Scharbeutz. Der frühere Hamburger Gastronom und Fischexperte bringt mit seinem Restaurant „Fischköppe“ ein bisschen Sylt an die Ostsee, nur ohne Schicki-Micki. Er und seine Partnerin Christiane Fuchs mögen es bodenständig und locker. Kümmel statt Champagner. Fischbrötchen statt Chichi.

„Einen stinknormalen Matjes willst du? Den kriegst Du!“ Wer bei Fischköppe ein Fischbrötchen kauft, kann erleben, wie liebevoll und kauzig die Originale Udo und Tommy unten an der Theke die Brötchen verkaufen. Das erinnert an den Hamburger Fischmarkt. Nur dass Udo und Tommy nicht so laut krakeelen wie Aale-Dieter und dass man dafür nicht sonntagmorgens früh aufstehen muss. Rund 15 verschiedene Fischbrötchen mit unterschiedlichen Brötchensorten werden für den Außer-Haus-Verkauf angeboten. Außerdem gibt es wechselnde Tagesgerichte und Essen à la carte. Im Angebot unter anderem: Rinderfiletspitzen, Scampi Spaghetti oder Fischsuppe.

Ware vom Hamburger Fischmarkt in Scharbeutz

Meiko Lange lässt den Fisch in traditioneller Weise über offenem Holzfeuer räuchern, genauer über Buchenholz in Altonaer Öfen. Seine Ware kommt vom Hamburger Fischmarkt. „Ich kenne die Leute dort genau, schon seit meiner Kindheit“, sagt der 59-Jährige, der Dinge nach alter Art per Handschlag regelt.

Mit Fisch kennt sich der Gastronom aus. Meiko Lange ist gelernter Fischfachverkäufer und kommt aus einer Fischhändler-Dynastie. Schon die Ururgroßeltern haben Fisch auf Hamburger Wochenmärkten verkauft, und ein Teil seiner Familie macht das immer noch. In Hamburg hatte er zwei Fischköppe-Restaurants, an der Stresemannallee und an der Rentzelstraße mit seiner Tochter Nadine.

Ganz besondere Fischbrötchen-Kreationen

Auch dort standen schon Fischbrötchen-Kreationen wie Stremellachsschnecke mit Honig-Senf-Sauce im Roggenbrötchen, Pfeffer-Makrelenfilet mit Sahnemeerrettich im Mehrkornbaguette oder Dorschfrikadelle mit Sylter Sauce im Sonnenblumenkernbrötchen auf der Karte. Nun konzentriert sich Lange auf die Ostsee.

Sein Traum war es schon immer, am Meer zu wohnen. 2017 konnte er die kleine Reetdachkate direkt an der Strandpromenade in Scharbeutz übernehmen. Eine Verbindung zu dem Ort besteht schon viel länger: Seine Eltern leben seit 30 Jahren an der Ostsee. Freundin Christiane Fuchs ist 2018 aus St. Pauli mit in die Nähe von Scharbeutz gezogen. Seitdem gilt für die beiden Haus mit Garten statt Wohnung und Großstadttrubel.

Terrasse mit gemütlichen Kissen im Ibiza-Style

Die Reetdachkate an der Strandpromenade hat Meiko Lange gerade komplett umbauen und einen Neubau bauen lassen mitsamt 100 Quadratmeter großer Dachterrasse, Sonnenuntergangsblick Richtung Westen landeinwärts inklusive. Auf der Terrasse kann der Gast die Ostsee durch die Glasbalustrade sehen und fühlt sich wie auf einem Schiff. Viel Holz machen den Charme des Restaurants aus. Die Terrasse im Ibiza-Stil mit gemütlichen Kissen in Grau-Blau und Teppichen kann für private Feiern gebucht werden.

Mit dem Umbau ist nun auch ein ganzjähriger Restaurantbetrieb möglich. „Die Fischköppe“, sagt Christiane Fuchs, die in der Schanze früher den Babyladen mit Hebammenpraxis Nasenbär betrieben hat, „sind bodenständig, authentisch, und einen flotten Spruch gibt’s bei uns auch.“ Soßen heißen hier Soßen und zum Fisch gibt es einen original Fischköppe-Kümmel. Rustikal aber edel. „Hier tragen wir Bomberjacken, aber Edel-Bomberjacken“, sagt Christiane Fuchs.

Hamburger Gastronom schätzt Mühle bei Scharbeutz

Es gehe darum, alte Sachen wertzuschätzen und neu aufzubereiten. Zu den alten Dingen, die das Paar schätzt, gehört auch die Gronenberger Mühle bei Scharbeutz. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert haben sie gerade übernommen, um die Räume für Events und Feiern anzubieten. Zehn Fahrradminuten von Scharbeutz entfernt liegt die Mühle, die zum gleichnamigen Ferienresort gehört.

Den Großstadttrubel brauchen Meiko Lange und Christiane Fuchs nicht mehr. Abends im Garten zu sitzen und die Stille zu genießen, das liegt ihnen jetzt mehr.

Fischköppe Scharbeutz, Strandallee 99 a