Modellprojekte

Die Voraussetzungen für einen Theaterbesuch im Norden

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Matthias Popien
Im Stadttheater Lübeck soll es im Mai wieder Vorstellungen geben.

Im Stadttheater Lübeck soll es im Mai wieder Vorstellungen geben.

Foto: Thomas Robbin / picture alliance / imageBROKER

In ausgewählten Stätten will Schleswig-Holstein testen, ob und wie kulturelle Veranstaltungen trotz Corona-Krise wieder möglich sind.

Kiel. Daniel Karasek hat sichtlich genug von der Situation, in der er sich befindet. Intendant ist er – allerdings ein Intendant ohne Bühne, denn im Theater Kiel läuft seit Monaten coronabedingt nichts mehr. „Es ist schon absurd, wenn man überlegt, wie lange wir schon ohne Zuschauer leben müssen“, sagte er. Da kommt die Möglichkeit eines Modellprojekts gerade recht, die die Kieler Landesregierung den kulturellen Institutionen des Landes eingeräumt hat.

40 Bewerbungen sind eingegangen, Karaseks Theater ist vom schleswig-holsteinischen Kulturministerium ausgewählt worden. Also steht er nun an diesem Dienstag auf der Bühne der Pressekonferenz und schmettert in den Saal: „Wir sind wild entschlossen, einen möglichst breiten und normalen Spielplan anzubieten.“

Auch Schloss Reinbek öffnet wieder

Neben dem Theater Kiel können zwölf weitere kulturelle Einrichtungen im Norden am kommenden Montag öffnen: das Theater Lübeck, die Lübecker Freilichtbühne und der Filmpalast Stadthalle Cinestar in Lübeck, das Schleswig-Holsteinische Landestheater, die Niederdeutsche Bühne Flensburg, die Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel, das Kulturzentrum Schloss Reinbek im Kreis Stormarn, die Laboer Lachmöwen und Filippos Erlebnisgarten im Kreis Plön, das Elbeforum Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen sowie im Kreis Rendsburg-Eckernförde die Volkshochschule Rendsburger Ring und das Nordkolleg Rendsburg.

„Wir geben unseren Veranstaltungsstätten und den Kulturschaffenden eine Perspektive für Kunst und Kultur in Zeiten einer Pandemie“, sagte Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) bei der Vorstellung der Projekte. Sie sind auf einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen befristet und werden nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet.

Ticket-Bedingung: Schnelltest und Personalisierung

Der Betrieb kann aber nur unter Corona-Bedingungen starten. Schutz- und Hygienekonzepte waren zu liefern. Insbesondere ging es dabei um Abstandsregeln, Kontaktnachverfolgung und regelmäßigen Frischluftaustausch. Zu gewährleisten ist, dass alle Besucher der Veranstaltungen die Möglichkeit haben, innerhalb von 24 Stunden vor Beginn entweder einen Antigen-Schnelltest durch geschultes Fachpersonal in einem Bürgertestzentrum wahrzunehmen oder einen Selbsttest vor Ort unter Aufsicht vornehmen zu können.

Zudem können nur personalisierte Tickets verkauft werden. Die Besucher müssen mit der Erfassung, befristeten Speicherung und Auswertung ihrer Daten einverstanden sein. Und die Corona-Inzidenz muss natürlich stimmen: Wird in der jeweiligen Stadt oder dem Kreis der Grenzwert von 100 überschritten, werden die Projekte abgeblasen.

Parallelvorstellungen im Kieler Theater

Das Kieler Theater ist das größte im Bundesland. Sechs Wochen lang soll es an den drei Spielstätten Opernhaus, Schauspielhaus und Kieler Schloss ein Programm geben, das sich aus allen fünf Sparten des Hauses (Oper, Schauspiel, Ballett, Philharmonisches Orchester, Junges Theater) zusammensetzt. „Wir werden auch Vorstellungen parallel anbieten“, sagt Karasek. Zeitgleiche Vorstellungen in verschiedenen Spielstätten also – wie in der guten, alten Zeit vor Corona. So soll der Regelbetrieb am Theater simuliert werden.

Im Opernhaus sind die Premieren der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ sowie des Balletts „Herzensstücke“ angesetzt, im Schauspielhaus stehen die Premiere von „Bin Nebenan“ (Stück von Ingrid Lausund, die auch die Drehbücher für den „Tatortreiniger“ geschrieben hat) sowie unter anderem Aufführungen von „Homo Faber“, „Love Letters“ und „Pinocchio“ auf dem Programm. Außerdem soll es ein philharmonisches Konzert im Kieler Schloss geben.

Theater Lübeck zieht erst Mitte Mai nach

Die Aufnahme des Spielbetriebs am Theater Lübeck ist erst für den 15. Mai geplant. Bis zum 13. Juni sollen Aufführungen aus den Bereichen Musik­theater und Schauspiel in den beiden Spielstätten präsen­tiert werden. Geplant ist auch ein Programm im Innenhof. Auf einer Open-Air-Bühne sollen im Zeitraum von 21. Mai bis 13. Juni 2021 kurze Programme gezeigt werden.

Der Geschäftsführende Theaterdirektor Caspar Sawade sagte: „Ich bin überglücklich, dass wir unser Theater wieder vorsichtig öffnen dürfen und zugleich den Grundstein legen, die kommende Spielzeit 21/22 mit größerer Sicherheit planen zu können.“

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Was das Schleswig-Holsteinische Landestheater den Besuchern bieten will, war am Dienstag noch nicht klar. Zu der Einrichtung gehören das Sinfonie­orchester sowie die Stadttheater in Flensburg und in Rendsburg. Klar ist: Dort will man in der kommenden Woche wieder Veranstaltungen anbieten.

Sieben Modellprojekte auch im Sport

Auch im Sport will Schleswig-Holstein weiter öffnen. Dort wurden sieben Modellprojekte ausgewählt, 27 Bewerbungen waren zuvor eingegangen. Beteiligt sind unter anderem der Sportverband Flensburg mit seiner Schwimmsparte.

Mit dabei sein werden auch das weibliche U-16-Basketball-Team der Itzehoe Eagles, der Itzehoer Ruderclub und der SSV Hennstedt (Kreis Dithmarschen) mit seiner Herren-Fußballsparte.

Der Eckernförder Sportverein will ein Modellprojekt mit drei Fußballteams starten. In Kiel machen der Kieler Männerturnverein (KMTV) und der Kieler Turnerbund (KTB) mit.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).