Schleswig-Holstein

Polizeischüler sollen Kokain und Cannabis konsumiert haben

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Maren Freyher ist Leiterin der Polizeidirektion Aus- und Fortbildung.

Maren Freyher ist Leiterin der Polizeidirektion Aus- und Fortbildung.

Foto: Frank Molter / dpa

Im Drogenskandal in der Polizeischule Eutin ermittelt die Staatsanwaltschaft Lübeck gegen sieben Anwärter.

Kiel.  Gegen sieben junge Polizisten aus Schleswig-Holstein sind Disziplinarverfahren wegen Drogen- und Arzneimittelmissbrauchs eingeleitet worden. Gegen fünf Beamte ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft Lübeck, wie Landespolizeidirektor Michael Wilksen am Donnerstag in Kiel sagte. „Bei drei Beamten sind die Vorwürfe so schwerwiegend, dass sie bereits keinen Dienst mehr ausüben dürfen und ein Entlassungsverfahren ansteht.“ Die Polizisten sind zwischen 21 und 29 Jahre alt und waren gemeinsam in einer Klasse der Polizeischule in Eutin.

Die Beamten hatten nach Wilksens Angaben in unterschiedlicher Schwere Umgang mit verbotenen Substanzen wie Kokain und Cannabis. „Wir sind über die Vorgänge schockiert“, sagte Wilksen. Keiner der Polizisten sei vorher wegen Drogenkonsums auffällig gewesen. „Wer derartige Straftaten begeht und Drogen konsumiert, hat in den Reihen der Landespolizei nichts zu suchen.“

Polizeischüler in Eutin nahmen Drogen

Die Drogen wurden zum Teil auch in den Räumen der Polizeischule in Eutin konsumiert. Die Gruppe habe konspirativ agiert, der Konsum habe über einen längeren Zeitraum im Kollektiv stattgefunden, sagte die Leiterin der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung, Maren Freyher. Die Motive der fünf Männer und zwei Frauen seien noch nicht geklärt.

Polizeibewerber müssen Selbstauskünfte zu Drogen, Alkohol und Medikamenten abgeben. Die Hausordnung der Polizeischule wurde bereits angepasst. „Es sind keine harten Alkoholika mehr auf den Stuben erlaubt“, sagte Freyher. Auch berauschende Mittel jedweder Art seien nicht zugelassen.

Den Anfang nahm der Fall durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im April 2019 gegen einen 26 Jahre alten Beamten. Dabei wurden auch große Datenmengen sichergestellt. Er stand mit den sechs anderen Polizisten in verschiedenen Chatgruppen in Kontakt. Der Tatzeitraum liegt zwischen November 2017 und April 2019.

Polizeischule in Eutin ist offenbar ein Problemfall

Innenstaatssekretär Torsten ­Geerdts (CDU) sagte, „in unserer Polizei haben Drogen- und Medikamentenmissbrauch nichts zu suchen“. Es sei nicht hinzunehmen, wenn sieben der etwa 8000 Polizisten im Land dies wohl nicht verstanden hätten. Er begrüßte, dass Wilksen und Freyher klar Stellung bezogen.

Die Polizeischule in Eutin bleibt dennoch offenbar ein Problemfall. Sie hat in der Vergangenheit immer wieder für unerfreuliche Schlagzeilen gesorgt. Erst im vergangenen Jahr standen drei Polizeischüler vor Gericht, weil sie 2018 in Malente betrunken eine Gruppe Jugendlicher drangsaliert hatten. Die Polizeikommissar-Anwärter waren im dritten Ausbildungsjahr.

Sie hatten sich in Malente zum Grillen getroffen und dabei auch getrunken. Als sie mehrere Jugendliche trafen, drückten sie einen Jugendlichen zu Boden, einen anderen an den Steg. Außerdem durchsuchten sie die Rucksäcke. Die Polizeischüler kamen vor Gericht mit Geldstrafen davon. Die schwerere Strafe war sicherlich ihre Entlassung aus dem Polizeidienst.

( dpa )