Urlaubsserie

Travemünde – zu schön, um wahr zu sein

Erholung mit städtischem Charme: Der Blick aus dem Maritim-Hotel auf Travemünde.

Erholung mit städtischem Charme: Der Blick aus dem Maritim-Hotel auf Travemünde.

Foto: Andreas Laible

Die schönsten Urlaubsorte an Nord- und Ostsee, Teil 20. Die „Badewanne der Weltstars“ lockte einst große Prominenz nach Travemünde.

Travemünde. Die riesigen Ziffern auf dem Uhrenturm zeigen die Abfahrt des nächsten Zuges nach Lübeck. Jede Stunde zuckelt die Regionalbahn vom Bahnhof am Travemünder Strand in die Hansestadt. Die Anzeige ist sogar vom Strand zu sehen. Aber warum hetzen? Wenn das Wetter schön ist, packt man seine Badesachen eben für den nächsten Zug.

Keine Frage, das 1911/12 erstellte Jugendstilgebäude – längst unter Denkmalschutz – hat schon bessere Tage gesehen. Und doch ist dieser Bahnhof eines der schlagenden Argumente für einen Urlaub in Travemünde, 1802 zum Seebad erklärt.

Wer per Bahn kommt, entschleunigt bereits bei der Anreise: Eine knappe Dreiviertelstunde mit dem Regionalexpress von Hamburg nach Lübeck, 15 Minuten Umsteigezeit, dann noch 20 Minuten mit der Regionalbahn zum Strand. Kein Stau, keine Parkplatzsuche, einfach nur ankommen.

Travemünde - auch Tagesgäste sind wieder willkommen

Und zum Glück haben sich die Einschränkungen wegen des Coronavirus gelockert. Wie in Hamburg und in ganz Schleswig-Holstein gilt zwar auch in Travemünde die Maskenpflicht für Geschäfte sowie im Bus, in der Bahn oder im Taxi. Aber alle Busse fahren wieder im regulären Linienbetrieb, dies gilt ebenfalls für die Fahrten der Ausflugsschiffe. Restaurants und Cafés dürfen bis 23 Uhr öffnen, Geschäfte können dank der Bäderordnung auch sonntags öffnen. Tagesgäste dürfen auch aus anderen Bundesländern kommen. „Bei einem erhöhtem Besucheraufkommen kann es zu kurzfristigen Einschränkungen kommen“, heißt es auf der Internetseite der Tourismus-Agentur.

Die meisten Hotels haben wieder geöffnet, dort gelten die entsprechenden Corona-Auflagen (Details bitte bei der Buchung erfragen). Der erste Weg in Travemünde führt fast immer zur Strandpromenade. In der Saison reiht sich ein Strandkorb an den anderen. Und doch bleibt das Gefühl von Weite.

Wer aufs Meer schaut, sieht die dicken Pötte, die vom Skandinavienkai Schweden, Finnland und das Baltikum ansteuern. An einem schönen Sommertag genügt das Strandprogramm vollauf. Baden, sonnen, zwischendurch ein Besuch im Strandbistro Süße Seebrücke mit exzellenten Waffeln, Eiscreme und Kuchen, einfach herrlich.

Allerdings ignorieren nur Lebensmüde die Warnungen der DLRG-Station. Jeder Einheimische weiß: Gerade nordöstliche Winde sorgen für Unterströmungen, die auch geübte Schwimmer ins Meer ziehen.

Travemündes Promenade wird für 3,9 Millionen Euro saniert

Zum Glück bietet Travemünde auch an stürmischen, regnerischen und kalten Tagen Abwechslung. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Badezielen ist der Ort an der Mündung der Trave eben eine richtige Stadt mit fast 14.000 Einwohnern.

Die Altstadt mit der Lübschen Vogtei, einem Backsteingiebelhaus aus dem Jahr 1551, und der St.-Lorenz-Kirche mit eindrucksvoller Wand- und Deckenmalerei lohnt zu jeder Jahreszeit einen Besuch. Dies gilt ebenfalls für den Alten Leuchtturm, 31 Meter hoch, 1539 erbaut. 142 Stufen führen zu einer Galerie mit Blick über die Lübecker Bucht bis nach Grömitz. In seiner ursprünglichen Funktion hat der Leuchtturm indes längst ausgedient – für das Leuchtfeuer sorgt seit 1974 das Maritim Hochhaus.

Wer auf der Travemünde-Promenade spaziert, sieht vis-à-vis die „Passat“, eine 1911 erbaute Viermastbark, die allein 39-mal Kap Hoorn umsegelte. 1959 kaufte Lübeck das Schiff für die Schleswig-Holsteinische Seemannsschule, 1960 kamen die ersten 48 von insgesamt 1000 Decksjungen an Bord.

Doch das Interesse an dieser seemännischen Ausbildung versiegte, seit 1966 gehört das Schiff in Travemünde zu den wichtigsten touristischen Zielen der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Der Eintritt von 5 Euro für einen Erwachsenen (Kinder: 2,50 Euro) ist gut investiert, die Ausstellung zeigt eindrucksvoll das Leben der Seeleute vor vielen Jahrzehnten. In den Kojen kann man übernachten, komfortabel ist die Passat-Suite.

Drei Tipps für Travemünde

  • Brodtener Steilufer: Der gut ausgebaute Fuß- und Radweg zwischen Niendorf und Travemünde zählt zu den schönsten Ausflugszielen an der Ostsee. Er verläuft oberhalb des Naturstrandes, Treppen führen hinab an den Strand. Weitere Informationen unter www.brodtener-ufer.de
  • Fisch-Wöbke: Das kleine Fischgeschäft, gerade 18 Quadratmeter groß, liegt etwas versteckt. Und doch ist Fisch-Wöbke ein kulinarischer Anziehungspunkt in Travemünde. Buttermakrelen, Rollmops, Matjes, Lachs – Petra und Mike Wöbke sind mehrfach ausgezeichnete Meister ihres Fachs, ihre Fischbrötchen sind unschlagbar. Fisch-Wöbke, Kurgartenstr. 94/Ecke Rose, Tel. 04502/54 66, www.fischwoebke.de
  • Seebadmuseum: Travemünde hat als Seebad eine Geschichte über viele Jahrhunderte. Im Seebadmuseum direkt an der St. Lorenz Kirche kann man diese Historie hautnah erleben. Gezeigt werden viele alte Fotos sowie Exponate wie alte Strandkörbe, Modell-Segelschiffe und Kostüme. Zudem gibt es Hörstationen. Betreut wird die sehenswerte Ausstellung vom Verein für Heimatgeschichte der Hansestadt Lübeck. Seebadmuseum im Gesellschaftshaus, Torstraße 1, Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Führungen nach telefonischer Absprache 045 02/999 80 94

Von der „Passat“ sind es nur ein paar Schritte zum Beachbay, einem Komplex mit Ferienhäusern und Wohnungen, den der dänische Investor Sven Hollesen mit seiner Planet-Gruppe auf dem Priwall realisiert. Das Projekt war umstritten, manche alteingesessenen Einwohner finden es nach wie vor überdimensioniert. Im November eröffnete TV-Koch Steffen Henssler das Restaurant Ahoi mit 146 Sitzplätzen und weiteren 192 Plätzen auf der Terrasse. Serviert werden Sushi-Bowls, Burger, Currywurst und Fish ’n’ Chips. „Die Lage direkt an der Ostsee ist zu schön, um wahr zu sein. Das Ahoi ist ein Restaurant für alle mit lockerer Atmosphäre“, sagte Henssler über sein erstes Restaurant außerhalb Hamburgs.

Das Hotel und Kongresszentrum Slow Down wendet sich an Tagungs- und Wellnessgäste, ergänzt wird die Ferienanlage mit einer Indoor-Spielhalle für Kinder, einer Golfanlage und einem Beach-Club.

Nicht nur das Beachbay-Projekt erhöht die Bettenkapazität in Travemünde immens. Das A-ja-Hotel (ab dem 26. Juni nach der Corona-Pause wieder zu buchen) mit 242 Zimmern und einem Spa- und Wellnessbereich auf mehr als 2000 Quadratmetern sowie das High End, eine Apartmentanlage mit 100 Ferienwohnungen, sorgen für deutlich mehr Übernachtungsmöglichkeiten. Im Jahr 2021 eröffnet das Stilwerk ein Designhotel mit 80 Zimmern und einer Wohnküche als Herzstück.

Investition in die Infrastruktur von Travemünde

Läuft Hamburgs Badewanne an der Ostsee irgendwann über? Die Tourismus-Manager beruhigen, man setze auf Klasse statt Masse. Und in der Tat investiert man auch kräftig in die Infrastruktur. Die Travepromenade wird ab September für 3,9 Millionen Euro umgestaltet, alte Pavillons werden abgerissen. Der Clou: Die Besucher sollen ab Herbst 2021 von dem neuen Fährplatz mit der Personenfähre auf den Priwall übersetzen können. Über die Promenade geht es dann zu Fuß weiter bis zur Autofähre, dort wieder über die Trave durch die Vorderreihe zurück.

Dass Tourismus-Boom und Ästhetik keine Gegensätze sein müssen, zeigen zwei Hotels, die schon lange am Markt erfolgreich sind. Die A-Rosa-Gruppe integrierte auf beeindruckende Weise das alte, teils denkmalgeschützte Kurhaus, der Spa-Bereich zählt mit Salzwasser gefüllten Innen- und Außenpools zu den schönsten Wellness-Oasen der Ostsee. Am 26. Juni wird es nach der Corona-Krise wieder eröffnen.

So kommen Sie nach Travemünde

  • Mit dem Auto dauert die Fahrt nach Travemünde eine gute Stunde – besonders im Sommer drohen allerdings lange Staus. Vorort informiert ein Parkleitsystem über die Auslastung der 3500 Parkplätze. Eine Stromtankstelle finden Sie in der Trelleborgallee 2a. Parkgebühren können über einen Handy-Anruf bargeldlos bezahlt werden (Informationen unter www.travemuende-tourismus.de)
  • Mit dem Zug erreicht man das Ziel sehr entspannt in 81 Minuten, allerdings muss man in Lübeck umsteigen.
  • Alle Infos über Urlaub in Travemünde gibt es in der Tourismus-Zentrale im Strandbahnhof. Tel.: 0451/88 99 700

Das Grandhotel nebenan, das seit 2016 zur Atlantic-Gruppe gehört, wurde bereits als „Conversationshaus“ mit Festsaal, Lese- und Spielräumen er­öffnet. Gäste wie Caterina Valente, Sophia Loren und Kirk Douglas sorgten für internationales Flair, das hier bis 2012 untergebrachte Casino zog Spieler aus der ganzen Welt an. Vergangenheit. Das Casino zog 2012 nach Lübeck um. Geblieben ist der Charme eines altehrwürdigen Hotels der Luxusklasse. Und der Meerblick ist schlicht unschlagbar. In mehr als 800 Jahren hat das im Jahr 1187 ge­gründete Travemünde gelernt, Herausforderungen zu begegnen.

Die Stadt überstand Kriege, Brände und Hochwasser. Sie wird auch die Herausforderungen der Corona-Krise meistern, ein liebenswertes Ziel bleiben. Und an die Ziffern auf dem Uhrenturm wird sich schon niemand herantrauen.

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