Urlaubsserie

Trauminsel Amrum – das Geheimnis des Kniepsandes

Der Leuchtturm von Amrum.

Der Leuchtturm von Amrum.

Foto: picture alliance / imageBROKER

Die schönsten Urlaubsorte an Nord- und Ostsee, Teil 1: Von der Anmut in Nebel, dem Glück des Kniepsandes und der großen Einsamkeit.

Amrum. Eigentlich sollten Geheimtipps geheim bleiben. Am besten wäre, sich über Amrum in Schweigen zu hüllen oder einfach über einen anderen schönen, aber eben nicht ganz so traumhaften Ort zu schreiben: Da können die Menschen hinfahren, nach Sylt oder Timmendorf, nach Rügen oder Rerik. Und der Geheimtipp bliebe geheim. Aber Amrum ist nicht nur zu groß, um geheim zu bleiben, es ist auch zu groß, als dass es jemals eng oder voll werden würde.

Während die bekannte Nachbar-Insel Sylt im Norden jährlich 623.000 Gäste zählt, sind es hier nur 146.000. Das Beste an Sylt ist, dass Amrum in seinem Schatten liegen darf. Und das ist nicht nur auf den Tourismus bezogen, sondern auch für die Lage. Sylt ist der Wellenbrecher für Amrum – während die „Königin der Nordsee“ alljährlich Sand verliert, gibt es auf Amrum buchstäblich noch Sand wie Sand am Meer.

Amrum – das Glück der Nordseeinsel ist der Kniepsand

Und Sand, so weit das Auge reicht. Das Glück Amrums ist der Kniepsand – was sich über zwölf Kilometer Länge verliebt an den Geestkern der Insel schmiegt, ist eigentlich eine zehn Qua­dratkilometer große Sandbank, die ex­trem langsam wandert. Auf alten Bildern bildet sie einen rechten Winkel zur Insel, dahinter lagen kleine Häfen. Diese versandeten, als der Kniepsand allmählich gen Norden wanderte – und eines Tages wird die gigantische Sandbank um die Odde herumziehen. Doch bis es so weit ist, lässt sich auf Amrum noch paradiesisch ausspannen.

Für Kinder ist der breite Sandstrand eine Wunderwelt, für Spaziergänger eine Traumlandschaft, für Naturlieb­haber wüstengleich. Amrum bietet allen ein Übermaß an Platz, sodass man sich mitunter allein auf der Welt wähnt, nur Sand, See und Dünen. Zwar geht es an den bewachten Sandabschnitten von Wittdün, Nebel und Norddorf im Hochsommer durchaus turbulent zu – doch in der Zwischenwelt regiert die Einsamkeit. Abseits der Orte liegt das große Nichts: Solch ein menschenleerer Strand sucht deutschland-, wenn nicht europaweit seinesgleichen.

Vom Leuchtturm auf die Nordsee blicken

Amrum ist aber mehr als Strand und Sand. Die herrlichen Bohlenwege führen zehn Kilometer weit über die Insel und erschließen viele Sehenswürdigkeiten: Der 42 Meter hohe Leuchtturm in klassischem Rot-Weiß gehört zu den höchsten an der Nordseeküste. 297 Stufen führen vom Fuß der Düne auf die Aussichtsplattform, von der sich ein prächtiges Panorama auf die Nachbarinseln und die Nordsee erschließt. Als Klassiker des Tourismus gehört er zu den wenigen Zielen, die im Sommer etwas überlaufen sein können.

Ein Insidertipp ist das kleine Quermarkenfeuer von 1906 zwischen Nebel und Norddorf, malerisch gelegen an einem wunderschönen Strandabschnitt. Der zwei Kilometer lange Weg dorthin von der Vogelkoje, in der früher die Inselbewohner Enten fingen, gilt als einer der schönsten und abwechslungsreichsten der Insel: Aus dem Wald, der erst nach dem Krieg aufgeforstet wurde, geht es durch das „archäologische Areal“, vorbei an einem eisenzeitlichen Haus durch die Dünen bis zum Strand. Ein auch für Kinder extrem kurzweiliger Weg.

Selbst die acht Kilometer durchs Watt nach Föhr sind für Entdecker ab acht Jahren aufwärts ein Muss – wohl einzigartig auf der Welt kann man von Insel zu Insel laufen. Geführte Wanderungen ab Norddorf werden fast jeden Tag angeboten. Sie öffnen Augen und Ohren, vielleicht sogar Hirne und Herzen. Sie führen durch eine faszinierende Landschaft des Wandels: Wasser und Wind erschaffen ein Kunstwerk, das schnell entsteht und noch schneller vergeht. Wattwandern weht den Kopf frei.

Wie dichtete einst Theodor Storm in Meeresstrand?:

Ans Haff nun fliegt die Möwe,

Und Dämmerung bricht herein;

Über die feuchten Watten

Spiegelt der Abendschein.

Graues Geflügel huschet

Neben dem Wasser her;

Wie Träume liegen die Inseln

Im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes

Geheimnisvollen Ton,

Einsames Vogelrufen –

So war es immer schon.

Amrum – „der Wind ist unsere Sonne“

Das Watt ist eine mystische Zwischenwelt: Wo Wanderer trockenen Fußes schreiten, wird in gut sechs Stunden das Wasser zweieinhalb Meter, bei Springflut drei Meter hoch stehen. Zwar ist der Tidenhub hier an der Nordsee eher durchschnittlich, die Landschaft aber außergewöhnlich.

Vieles erschließt sich beim Lustwandeln im Watt erst auf den zweiten Blick. Die Farben des Meeresbodens changieren, bizarre Muscheln blinzeln heraus. Wenn jetzt Sonne hinzukäme, es könnte ein perfekter Tag sein. Stattdessen setzt Regen ein, „Der Wind ist unsere Sonne“, wusste der friesische Arzt Carl Haeberlin.

Drei Tipps für Amrum:

  • Fischbrötchen: Für die leckere norddeutsche Spezialität lohnt allein der Ausflug nach Wittdün: Gleich zwei großartige Buden bieten üppig mit Fisch der Krabben belegte Brötchen – das Hafen 31 (Inselstraße 31) oder die Scholles Butt’ze (Inselstraße 34).
  • Hotel Hüttmann: Seit 1892 ist das Hotel in Norddorf eine gute Adresse – sowohl für Übernachtungs- als auch für Restaurantgäste. Das Haus liegt im Orts­zentrum und bietet ambitionierte Küche zu angemessenen Preisen.
  • Seeblick: Im Vier-Sterne-Hotel in der Fußgängerzone von Norddorf kann man ganzjährig Urlaub machen. Das Haus bietet ein kleines Schwimmbad und vier Saunen. Ambitioniert und vielseitig ist auch die Küche – mit Slow Food, Vegetarischen und Low Carb.

Amrum hat Seeklima und liegt nicht im Mittelmeer. Da kann es schon mal regnen, mitunter sogar länger. Die Statistik weist für den Mai mit acht die wenigsten Regentage aus, im Hochsommer sind es demnach elf Regentage, dafür erwärmt sich das Meer im Juli und August bis auf 20 Grad. Doch auch bei norddeutschem Schietwetter hat die Insel ihren Charme. Der schönste Ort der Insel ist Nebel, ein Friesendorf, in dem die Zeit fast stillzustehen scheint.

Es liegt an der Wattseite und wird vom großen, weißen Kirchturm der St.-Clemens-Kirche überstrahlt. Die Grabsteine auf dem Friedhof erzählen Geschichten von Leben und Tod, von Walfang und Sklaverei, Glück und Elend. Malerische Kopfsteingassen führen durch das älteste Dorf der Insel, in alten Friesenhäusern, an denen sich die Blumen bis zum Reetdach emporranken, gibt es Kaffee und Kuchen. Das mehr als 250 Jahre alte Öömrang Hüs zeigt, wie einst Kapitäne lebten.

Nach Amrum ohne Auto über Hörnum auf Sylt anreisen

Etwas touristischer präsentiert sich Norddorf mit seinem liebevollen Kino, wo der Name Programm ist: Lichtblick. Viele gute Cafés und Restaurants, eine kleine Fußgängerzone und der kurze Weg zum Meer und zur Odde sind das Plus des Ortes im Norden mit Blick auf Sylt.

Eher verbaut und weniger charmant ist Wittdün mit seinem Fährhafen. Hier aber ist der Kniepsand mit einer Breite von 2,2 Kilometern besonders markant. Und auch für Fisch- und Krabbenbrötchen lohnt der Ausflug: Gleich zwei großartige Buden in Wittdün bieten üppig belegte Brötchen – das Hafen 31 und Scholles Butt’ze. Eher ruhig sind die kleineren Inselorte Süddorf und Steenodde. Die meisten Amrum-Gäste fahren mit der Fähre über Dagebüll.

Günstiger und charmanter ist der Weg gerade für Hamburger über Nordstrand – die Adler-Schiffe steuern die Insel von Süden an. Nicht motorisierte Amrum-Besucher können auch über Hörnum auf Sylt anreisen. Gut wohnen lässt sich im Hotel Hüttmann in Norddorf: Seit 1892 öffnet es sowohl für Übernachtungs- als auch für Restaurantgäste. Das Haus liegt im Ortszentrum und bietet ambitionierte Küche zu angemessenen Preisen.

Auch das Viersternehotel Seeblick ist eine Empfehlung. Es bietet ein kleines Schwimmbad und vier Saunen sowie eine ambitionierte Küche. Ein Auto braucht man eigentlich nicht, das Fahrrad ist die bessere Alternative. Die Insel ist ruhig und idyllisch – und soll es bleiben. Als auf Sylt der Tourismus längst florierte, wehrte man sich bis 1890 hier noch vehement gegen Feriengäste, aus Angst vor dem „Verderb der guten hiesigen Sitten durch Badeleute“. Heute profitiert Amrum davon.

Anreise und Informationen:

  • Anreise: Die meisten Amrum-Gäste fahren mit der Fähre über Dagebüll. Der kleine Fähr- und Fischerhafen ist auch an das Bahnnetz angeschlossen. Günstiger und charmanter ist der Weg gerade für Hamburger ab Nordstrand – die Schiffe der Adler-Reederei steuern die Insel von Süden an. Nichtmotorisierte Amrum-Besucher können auch über Hörnum auf Sylt von Nordern her anreisen.
  • Entfernung: 217 Kilometer
  • Anreisezeit: etwa 4 Stunden (Auto) , etwa 6 Stunden (Bahn)
  • Informationen: Amrum Touristik GmbH Tel. 04682/940 30 www.amrum.de, nordseetourismus.de