Schleswig-Holstein

Urlaub an Nordsee und Ostsee: Was man jetzt wissen muss

| Lesedauer: 11 Minuten
Elisabeth Jessen und Geneviève Wood
Urlaub 2020 in Deutschland wegen der Corona-Krise: Die Hotels und Ferienwohnungen im Ostseebad Heiligenhafen sind in der kommenden Woche so gut wie ausgebucht. Viereinhalb Kilometer Strand lassen genug Platz für den nötigen Abstand.

Urlaub 2020 in Deutschland wegen der Corona-Krise: Die Hotels und Ferienwohnungen im Ostseebad Heiligenhafen sind in der kommenden Woche so gut wie ausgebucht. Viereinhalb Kilometer Strand lassen genug Platz für den nötigen Abstand.

Foto: Andrea Flak

Am Montag öffnen in Schleswig-Holstein Hotels und Restaurants wieder für Urlauber. Viele Quartiere sind ausgebucht – aber nicht alle.

Hamburg. Endlich dürfen die Menschen wieder ans Meer. Zu den Hamburger Maiferien werden die Hotels und Ferienwohnungen sowie die Restaurants an der schleswig-holsteinischen Ost- und Nordseeküste ab Montag wieder geöffnet. Fest steht trotz der Vorfreude: Es wird kein unbeschwerter Aufenthalt wie in früheren Zeiten. Die Sorge vor Corona-Infektionen könnte die Urlaubsstimmung in den Küstenorten trüben, die Abstandsregeln reduzieren die Kapazitäten in der Gastronomie. Alle bereiten sich so gut es geht auf den erwarteten Touristenandrang vor.

„Wir bauen derzeit 500 bis 600 Strandkörbe auf“, sagt Olaf Raffel, Geschäftsführer der Tourismus Marketing Service Büsum. Es sind weniger und sie stehen in größerem Abstand als sonst. „Ab Montag ist es möglich, einen Strandkorb zu mieten.“ Ansonsten gilt in den Küstenorten das, was auch im übrigen Land gilt: Abstand halten und die Hygieneregeln beachten.

Die Touristiker in Büsum haben sich gleich einen passenden Slogan dazu einfallen lassen: „Mit Abstand den besten Urlaub“. In der Fußgängerzone, die in Büsum Gehstraße heißt, wird das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen. „Aus einer Empfehlung kann aber jederzeit ein Gebot werden“, sagt Raffel. Um die Menge an Gästen kontrollieren zu können, setzt der Ort auf zusätzliche Security-Mitarbeiter, die die Besucher auf die Abstandsregeln hinweisen – falls notwendig. Sorge bereiten Olaf Raffel die Tagesgäste: „Die sind ein unkalkulierbares Risiko.“

Digitale Lösung in Büsum, um Zahl der Strandbesucher zu reduzieren

Bis zu 50.000 Tagesgäste könnten es an einem sonnigen Tag sein. Um die Zahl der Strandbesucher zu reduzieren, arbeite man in Büsum derzeit an digitalen Lösungen. „Im Gespräch ist auch, dass die Gäste vorab eine Tageskarte erwerben. Und wenn wir merken, dass der Andrang an einem Wochenende zu hoch wird, müssen wir unseren Gästen kommunizieren, lieber in der Woche zu kommen.“ Das könne auf der Website und in den sozialen Medien erfolgen.

Auch in St. Peter-Ording sieht man dem Ansturm von Tagesgästen mit gemischten Gefühlen entgegen. „Auf der einen Seite sind wir wirtschaftlich vom Tourismus abhängig, und die Situation ist für viele langsam wirklich existenzbedrohend. Auf der anderen Seite haben wir großen Respekt vor der Menge an Menschen, die zumindest unseren Ort St. Peter-Ording bald fluten könnten“, sagt Constanze Höfinghoff, Tourismusdirektorin in St. Peter-Ording. In dem Ort werden die Gäste gebeten, an den fünf Kontrollpunkten der Strandübergänge eine Maske zu tragen.

Der Sylter Bürgermeister befürchtet eine Überlastung

Durch Symbole und Plakate wird überall auf die Einhaltung der Abstandsregeln hingewiesen. Auf den Holzbohlen auf der Seebrücke sind Markierungen aufgesprüht. „An den Stegen zum Strand werden wir schauen, ob wir auch hier eine Wegeführung anbringen müssen oder ob die Menschen das eigenverantwortlich hinbekommen“, so Höfinghoff. Plakate und Bodenaufkleber visualisieren überall das Motto: „Am besten mit Abstand genießen“. Die Sitzflächen an der kulinarischen Meile werden gesperrt. Ordnungsamt und Polizei werden verstärkt Kon­trollen fahren und laufen.

Auf Sylt möchte Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos) aus Sorge vor steigenden Infektionszahlen zunächst auf Tagesgäste verzichten. Auch um eine Überlastung der Insel und der Betriebe zu vermeiden, sei es wichtig, den Tagestourismus erst einmal einzuschränken, denn die Kapazitäten seien in diesem Sommer enorm begrenzt. So gibt es weitaus weniger Plätze in Restaurants und Cafés als in einer „normalen“ Saison. Häckel: „Wir wollen die Ausbreitung des Coronavirus im Auge behalten.

Kritische Situation an den Hotspots

Bei unseren Übernachtungsgästen haben wir die Möglichkeit, die Infektionskette nachzuvollziehen, bei den Tagesgästen aber nicht.“ Die Züge nach Sylt seien immer voll. „Da werden die Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können.“ Kritisch könne es auch an den Hotspots werden – wie der Fußgängerzone in Westerland, am Hauptstrand und am Bahnhof. Mitarbeiter des Ordnungsamtes und ein Security-Dienst werden die Gäste stärker als üblich kon­trollieren. „Das soll achtsam geschehen, wir wollen kein Polizeistaat sein.“

Unterstützung bekommt der Sylter Bürgermeister aus Heiligenhafen. „Wir sprechen uns auch für eine Beschränkung über das Himmelfahrtswochenende aus“, sagt Tourismuschef Manfred Wohnrade. „Wir haben einen Buchungswahnsinn erlebt, als klar war, dass Hotels und Gastronomie wieder öffnen dürfen.“ Das Ostseebad sei über Himmelfahrt so gut wie ausgebucht. Wohnrade plädiert deshalb für eine Verordnung, die den Tagestourismus begrenzt.

Neues Konzept für Veranstaltungen in Heiligenhafen

Nur Übernachtungsgäste mit Buchungsbestätigung sollten freien Zugang haben. Der Ort plane bewusst keine Aktionen zum Saisonstart, sagt der Tourismuschef, aber man arbeite an einem neuen Konzept für Veranstaltungen, beispielsweise der Einrichtung eines Autokinos und dem Aufbau eines Riesenrades. Der große Vorzug des Ostseebades sei der viereinhalb Kilometer lange Strand, an dem man problemlos Abstand halten könne. „Das ist hier sehr weitläufig, wir sind gut aufgestellt“, sagt Manfred Wohnrade. „Die Leute wollen ja jetzt ans Meer und an den Strand.“

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Darauf, dass die Gäste auch Lust auf Restaurantbesuche mitbringen, hoffen die Gastronomen an der Küste. Die Gosch-Sylt-Fischrestaurants in Schleswig-Holstein, darunter in Büsum, St. Peter-Ording und an der Lübecker Bucht, planen, am Montag wieder zu öffnen. „Wir wissen noch nicht genau, was uns erwartet, ob tatsächlich Gäste kommen. Wir hoffen das natürlich“, sagt Cerstin Carstens von der Gosch-Verwaltung. „Es wird ein Mitarbeiter am Eingang stehen und die Tische zuweisen.“ Das Konzept der Selbstbedienung werde man beibehalten und mit einer Einbahnregelung arbeiten, die Mitarbeiter würden Mundschutz und Handschuhe tragen.

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„Wir sind schon seit einer Woche in Vorbereitungen“, sagt Jan Schumann, Inhaber des Café Wichtig in Timmendorfer Strand. Im Restaurant habe er mobile Trennwände aufgebaut, die Möblierung auf der Terrasse reduziert. Statt 400 Plätze drinnen und draußen steht den Gästen künftig nur etwa die Hälfte zur Verfügung. Der Einlass zu beiden Bereichen werde zentral geregelt, sagt Schumann, jeder Gast müsse sich anmelden und werde dann platziert.

„Die Kosten sind gigantisch. Ich habe schon 20.000 Euro ausgegeben“, sagt der Gas­tronom – für Trennwände und sonstige Hygienevorkehrungen wie Desinfektionsmittel, laminierte Speisekarten und vieles mehr. Damit es bei den Toiletten kein Gedrängel gibt und die Abstandsregeln auch dort eingehalten werden, werde für die Sanitäranlagen eigens ein Mitarbeiter eingeteilt. Auch, wenn er viel weniger Plätze anbieten darf als üblich, ist Schumann froh, dass der Betrieb endlich wieder losgeht. „Himmelfahrt und Pfingsten sind schnell die umsatzstärksten Wochenende des Jahres.“ Es werde aber viel Verständnis nötig sein am Anfang – bei Gästen und Personal, meint Schumann.

Das Grande Beach Café in Scharbeutz, das früher ebenfalls unter Café Wichtig firmierte, muss auch mit deutlich reduzierter Platzzahl zurechtkommen. Statt 84 Innen- und 94 Außenplätzen werden es künftig nur etwa 100 sein. „Wir leben vom Durchlauf. Jeder Platz ist üblicherweise pro Tag sechs- bis siebenmal belegt“, sagt Geschäftsführer Tung Truong. Zum Grande Beach Café gehören auch noch die Beachlounge und ein Strandkorbverleih.

Jeder Gast muss eine Hygienepauschale bezahlen

„Was alle vergessen – die Ferienwohnungen sind zu hundert Prozent ausgebucht, die Hotels auch, aber die Restaurants haben nur 50 Prozent der Plätze“, sagt Truong, „wie soll man denn all diese Gäste versorgen?“ Er habe deshalb eine Erweiterung der Außenfläche beantragt – direkt neben seinem Wintergarten, wo es eine freie Fläche gebe. Die ersten Tische sind laut Truong schon für Montag, 9.30 Uhr, reserviert, Himmelfahrt und Pfingsten seien bereits ausgebucht. „Die Gäste kommen“, sagt Truong unbesorgt, aber unklar sei, ob sich der Aufwand lohne. „Die Frage ist: Bleibt was hängen?“

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Immerhin müssten 49 Festangestellte bezahlt werden. Für die Köche hat er Visiere besorgt, weil Masken unpraktisch seien, außerdem drei Sterilisationsgeräte, damit jeder Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn seine Masken sterilisieren kann. Dafür stellt Truong jedem Gast eine Hygienepauschale von einem Euro in Rechnung. Außerdem werde man von jedem Gast einen Mindestumsatz verlangen, sagt der Geschäftsführer, der von 15 Euro bis 30 Euro (abends am Wochenende) reicht. Die Mittagsgerichte um 10 Euro werde es auch weiterhin geben, verspricht Truong.

Hoteliers und Gastronomen in Grömitz freuen sich auf Gäste

Im benachbarten Ostseebad Grömitz wurde am Donnerstag eine Schmück-Aktion mit dem Titel „Zurück zur Sonne“ gestartet. Im Ort wurden Banner gespannt und große Aufkleber auf der Promenade angebracht, die die Sonne zeigen. Bürgermeister Mark Burmeister und Lars Widder, Betriebsleiter des Grömitzer Tourismus-Service, wollen am Montag die ersten touristischen Gäste zwischen 11 und 13 Uhr sogar persönlich begrüßen und mit einem kleinen Glücksbringer beschenken – natürlich mit dem nötigen Abstand.

Auch Hoteliers und Gastronomen in Grömitz freuen sich auf Gäste: Olaf Dose-Miekley, Direktor des Hotels und Restaurants Strandidyll, sagt: „Ich freue mich, weil in den schönsten Urlaubsort des Nordens endlich wieder buntes Leben einkehrt und ein Hotel ohne Gäste wie Grömitz ohne Sonne ist. Für mich ist es wichtig, dass es wieder losgeht, denn große Sorgen bereiten mir vor allem die Mitarbeiter und ihre Familien, die mit Ängsten in die Zukunft blicken – ein Lichtblick tut jetzt nach acht Wochen Stillstand richtig gut.“

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