Flüchtlinge

Straftaten in Landesunterkunft Boostedt mehr als verdoppelt

Eingangsbereich der Flüchtlingsunterkunft Boostedt.

Eingangsbereich der Flüchtlingsunterkunft Boostedt.

Foto: dpa

Vor allem die Zahl der Körperverletzungen und Diebstähle ist massiv gestiegen. Mit sinkender Belegung dürften die Taten zurückgehen.

Boostedt/Kiel. Die Zahl der Straftaten in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt (Kreis Segeberg) haben sich im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 mehr als verdoppelt. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, wie das Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in Kiel mitteilte. Ein Grund könnte die hohe Belegung der Landesunterkunft sein.

Den Angaben zufolge gab es im vergangenen Jahr in der Landesunterkunft 343 Straftaten. 2017 waren es 126 gewesen und in den Jahren zuvor 69 (2016) und 33 (2015). In der Gemeinde Boostedt selbst stieg die Zahl der Straftaten um fast 74 Prozent – von 207 auf 360. In allen Fällen wurden ausländerrechtliche Verstöße den Angaben zufolge aus der Statistik herausgerechnet.

Vier "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung"

In der Landesunterkunft gab es 97 Rohheitsdelikte, davon allein 84 mal Körperverletzung. Außerdem weist die Statistik zweimal Mord/Totschlag und zwei weitere "Straftaten gegen das Leben" aus sowie vier "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" – darunter war kein einziger sexueller Missbrauch. Außerdem gab es 44 einfache und 17 schwere Diebstähle sowie 28 Rauschgiftdelikte.

In der Gemeinde Boostedt schnellte die Zahl der einfachen Diebstähle in die Höhe - von 68 in 2017 auf 167 im Jahr 2018. Auch die Zahl der schweren Diebstähle stieg von 37 auf 64 stark. Dagegen sank die Zahl der "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" von 4 auf 2. Flüchtlinge waren beiden Fällen nicht tatverdächtig.

Flüchtlingszahl in Boostedt geht deutlich zurück

Ein Grund für den massiven Anstieg der Kriminalität in der Unterkunft und in der Gemeinde dürfte nach Einschätzung eines Sprechers des Innenministeriums auch die hohe Belegung der Landesunterkunft gewesen sein – im Februar 2018 waren es bis zu 1400 Flüchtlinge.

Inzwischen sei die Zahl auf unter 900 gesunken. Bis Ende des Jahres soll die Zahl auf 500 sinken und in Notsituationen maximal 700 betragen. Seit der Wiedereröffnung der Landesunterkunft in Rendsburg Ende Februar geht die Flüchtlingszahl in Boostedt deutlich zurück. Damit dürfte auch die Zahl der Straftaten sinken, hieß es. Innenminister Hans Joachim Grote (CDU) will die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 für ganz Schleswig-Holstein am Donnerstag in Kiel vorstellen.