Nordsee

Greenpeace protestiert gegen Ölbohrungen im Wattenmeer

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André Klohn
Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace demonstrieren im schleswig-holsteinischen Wattenmeer bei Neuwerk vor Cuxhaven  gegen geplante Ölbohrungen des Förderkonzerns Dea Deutsche Erdöl AG

Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace demonstrieren im schleswig-holsteinischen Wattenmeer bei Neuwerk vor Cuxhaven gegen geplante Ölbohrungen des Förderkonzerns Dea Deutsche Erdöl AG

Foto: Christian Charisius / dpa

Umweltminister Habeck würde ein Stein vom Herzen fallen, wenn er die Bohrungen im Weltnaturerbe und Nationalpark nicht genehmigen müsste.

Mittelplate.  Mit einer Protestaktion im schleswig-holsteinischen Wattenmeer haben Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace gegen geplante Ölbohrungen im Nationalpark demonstriert. Das Greenpeace-Schiff „Beluga II“ fuhr am Donnerstag zu einer der geplanten Bohrstellen nahe der Förderinsel Mittelplate.

Aktivisten stellten meterhohen Turm ins Wattenmeer

Dort stellten Aktivisten im Watt zeitweise einen sechs Meter hohen Holz-Bohrturm auf mit der Aufschrift: „Hier wird Dea nach Öl bohren“ auf. Der vom russischen Milliardär Michail Fridman kontrollierte Förderkonzern Dea Deutsche Erdöl AG will an insgesamt vier Stellen erkunden.

„Jede Bohrung birgt ein Restrisiko eines möglichen Ölunfalls“, sagte Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern. Es gebe keine hundertprozentige Sicherheit. Der Nationalpark müsse vor Bohrungen geschützt werden. „Ein Ölunfall würde diese Region hier nachhaltig schädigen.“

Konzern vermutet 20 Millionen Tonnen Öl im Nordseeboden

Mit der Aktion im Wattenmeer wollte die Umweltschutzorganisation Druck auf die Umweltministerien in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ausüben. Sie haben noch nicht über die Anträge für Bohrungen entschieden. Die beiden Ressortchefs Robert Habeck (Schleswig-Holstein) und Stefan Wenzel (Niedersachsen) könnten als Grüne seiner Ansicht nach nur eine Entscheidung treffen „für den Nationalpark und gegen Probebohrungen“.

Dea plant drei Probebohrungen in der Nähe der Bohr- und Förderinsel Mittelplate vor der Küste Schleswig-Holsteins und eine weitere westlich von Cuxhaven im niedersächsischen Wattenmeer. Der Konzern vermutet dort insgesamt etwa 20 Millionen Tonnen Erdöl.

Habeck steht den Plänen kritisch gegenüber. „Es ist kein Geheimnis, dass ich weitere Ölbohrungen im Wattenmeer falsch finde“, sagte er. Die Anträge würden sorgsam nach Recht und Gesetz geprüft. „Auch wenn mir ein Stein vom Herze fallen würde, wenn wir letztendlich nicht genehmigen müssten.“

Die Lagerstätte habe „ordentliches Potenzial“, sagte ein Dea-Sprecher. Bei den Probebohrungen werde es „null Einleitungen“ geben. Das Unternehmen sei zudem bereit, auf Fördertests zu verzichten. „Die Förderungen des Öls wird von außerhalb des Nationalparks oder von der Mittelplate aus geschehen.“ Dort werde seit 1987 Erdöl gefördert. Diese Projekt zeige, dass Ölförderung und Umweltschutz vereinbar seien.

Greenpeace-Ölexperte Feddern kritisierte dagegen, das dort vermutete Öl decke den deutschen Verbrauch allenfalls für zweieinhalb Monate. „Der Nationalpark Wattenmeer darf mit seiner geschützten Natur nicht dem schmutzigen Geschäft mit Öl zum Opfer fallen“, sagte er.