Landtagssitzung in Kiel

Albig: Gesetzentwurf zur Lehrerausbildung ist klug

Ministerpräsident Torsten Albig stellt sich im Streit um die Lehrerausbildung demonstrativ hinter seine Bildungsministerin Waltraud Wende. Die Opposition im Landtag fordert ihren Rücktritt. Die IHK schlägt ein Spitzengespräch vor.

Kiel. Im Streit um die geplante Reform der Lehrerausbildung hat Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) den Rücken gestärkt. „Ja, sicher stelle ich mich vor meine Bildungsministerin“, sagte Albig vor Beginn der Landtagssitzung am Mittwoch. CDU und FDP hatten am Vortag Wende den Rücktritt nahegelegt. „Was sie da hören, ist Geschrei und Gekläff'“, sagte Albig. Der Gesetzentwurf sei ein kluger.

Nach Wendes Plänen sollen künftig Sekundarlehrer in Flensburg in 13 Fächern ausgebildet werden. Zwischen Ministerium und der Uni Flensburg sowie der Universität Kiel – die bisher Gymnasiallehrer ausbildet – waren im Herbst 2013 nur sieben vereinbart. Nun sollen in Flensburg naturwissenschaftliche Studiengänge aufgebaut werden und Labore entstehen – nach Ansicht der Opposition unsinnige, teure Doppelstrukturen. Die Uni Kiel sieht wegen fehlender Rücksprache den Konsens gebrochen und hat jede Zusammenarbeit mit der Uni Flensburg „mit sofortiger Wirkung“ aufgekündigt.

Die Sprecherin der Universität Flensburg, Kathrin Fischer, sagte am Mittwoch, für einen fairen Wettbewerb der Universitäten bei der einheitlichen Lehrerausbildung müsse es genügend Fächerkombinationen an beiden Hochschulen geben. An der Uni Kiel seien mehr als 300 Kombinationen möglich, in Flensburg nur ein Bruchteil davon. Wenn die Landesregierung in Flensburg Sekundarlehrer bis zum Abitur ausbilden wolle, müsse sie auch die Voraussetzungen dafür schaffen.

Beim Ausbau der Kapazitäten gehe es nicht um die Zukunftssicherung der Universität, sondern um die Lehrerausbildung, betonte Fischer. Die Universität Kiel hat rund 24.000 Studenten, in Flensburg gibt es etwa 4800 Studenten. „Seit Jahren steigt in Flensburg, dem allgemeinen Trend folgend, die Zahl der Studenten“, sagte Fischer.

Unterdessen forderte die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel ein Spitzengespräch zwischen Hochschulen, Politik und Wirtschaft, um die Standortstreitigkeiten zu beenden. „Wir brauchen ein hochwertiges und zukunftsfähiges Konzept zur Lehrerausbildung. Aber bei ohnehin unterfinanzierten Hochschulen können wir uns den Aufbau von Doppelstrukturen und eine Gefährdung unserer einzigen Volluniversität nicht leisten“, erklärte IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater am Mittwoch. Ein Denken in Wahlperioden helfe dabei nicht weiter.