Schleswig-Holstein

Muschelsaison vor Sylt ist offiziell eröffnet

Züchter und Fischer in Schleswig-Holstein beklagen die schwierige Situation und schlechte Ernte der Muscheln. Erwärmung der Nordsee und Restriktionen wirken sich negativ auf die Ernte aus.

Hörnum/Sylt. Die Erzeugerorganisation schleswig- holsteinischer Muschelzüchter hat am Mittwoch vor Sylt die Muschelsaison offiziell eröffnet. Züchter und Fischer beklagten dabei die schwierige Situation ihres Gewerbes und schlechte Ernten. Zum einen seien klimatische Veränderungen wie die Erwärmung der Nordsee von Nachteil. Zum anderen seien die Restriktionen durch die Politik zu groß. „Wenn wir zu weniger Regularien kommen könnten, wäre es sehr, sehr schön“, sagte der Vorsitzende der Erzeugerorganisation, Peter Ewaldsen, bei einer Fahrt zu Muschelkuttern vor Hörnum. Am Schiff verwies ein Transparent auf die Stimmung der Muschelfischer: „Grün und Rot bringt Fischer in Not“.

Die Fischereiliche Notgemeinschaft, der Bauernverband Schleswig-Holstein und der Landesjagdverband verabschiedeten die „Hörnumer Erklärung“, in der sie eine Einschränkung ihrer Rechte durch die Landespolitik „bis hin zur Existenzgefährdung“ monieren. Für die schleswig-holsteinische Muschelfischerei sei die Lage besonders schwierig. Zudem vereinbarten die Verbände ein Aktionsbündnis. Ewaldsen kritisierte die „grüne Lüge“ von der Leerfischung des Meeres.

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) betonte: „In der Zielsetzung scheinen wir uns einig zu sein: Sauberes Wasser, gesunde Luft, ungestörte Natur sind Schleswig-Holsteins größtes Kapital.“ Allerdings sei „die Balance zwischen Nutzen und Schützen“ in den letzten Jahrzehnten gestört worden. „Es ist an der Zeit, die Balance wiederherzustellen.“ CDU-Fraktionschef Johannes Callsen forderte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) angesichts des Aktionsbündnisses der Fischer, Jäger und Landwirte auf, „sich mit diesen drei Berufsgruppen unverzüglich zusammenzusetzen“.

Die Umweltorganisation WWF und die Schutzstation Wattenmeer kritisierten, die Praxis der Muschelfischerei in Schleswig-Holstein sei „unverträglich mit dem Nationalpark“. Silvia Gaus von der Schutzstation Wattenmeer forderte, „wer Saatmuschelgewinnungsanlagen in einem Schutzgebiet errichten will, muss durch eine ehrliche Umweltprüfung nachweisen, dass keine erheblichen Schäden entstehen“. Diese fehle aber. Während die Schutzstation und der WWF das durch Klage erstrittene Verbot für Miesmuschelimporte lobten, kritisierte Ewaldsen, dass dies sogar für Niedersachsen gelte.

Frederico Foders, Professor am Kieler Institut für Weltwirtschaft, verwies bei der Saisoneröffnung auf das Potenzial der Muschelfischerei. Eine Ernte von 50 000 Tonnen in Schleswig-Holstein sei möglich. Momentan erbringe das Land die Hälfte der deutschen Miesmuschelproduktion. 2012 hatten die Züchter 4800 Tonnen geerntet, im Jahr davor war die Muschelernte mit 12 900 Tonnen ungewöhnlich reich gewesen.

Aad Smaal von der niederländischen Universität Wageningen stellte Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen der Muschelfischerei auf das Ökosystem vor. Demnach beeinträchtigt die Fischerei von Miesmuschelsaat zwar kurzfristig die Meeresnatur, allerdings seien Unterschiede zwischen befischten und nicht befischten Gebieten nur vorübergehend nach dem Fischen zu beobachten.