Küchenwelten-Cup

VfL Pinneberg muss sich erst im Finale geschlagen geben

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Wolfgang Helm
Beim Turniersieger WTSV Concordia kannte der Jubel keine Grenzen.

Beim Turniersieger WTSV Concordia kannte der Jubel keine Grenzen.

Foto: Wolfgang Helm

Beim Turnier des Hetlinger MTV zeigen die Landesliga-Fußballer eine furiose Leistung. Gastgeber HMTV kassiert 17 Gegentore.

Hetlingen.  „Ekelig gespielt“, sagte Kapitän Dominik Füßmann. Mit anderen Worten: Beim Küchenwelten-Cup des Hetlinger MTV haben die Landesliga-Fußballer des VfL Pinneberg gegen Oberliga-Teams ihr schönstes Gesicht gezeigt. Erst überraschten sie den TuS Osdorf beim 3:1. Einen Tag später boten sie für ihre Verhältnisse auch im Finale gegen den WTSV Concordia (0:4) eine einwandfreie Leistung.

Gastgeber HMTV (Bezirksliga) bezog gegen die Osdorfer und Concorden insgesamt 17 Gegentore – letzter Platz. Damit lastete ein Schatten auf dem gelungenen Turnier. „So dürfen wir uns als Ausrichter nicht präsentieren“, murrte HMTV-Abteilungsleiter Michael Kirmse. Dann schloss er auch schon VfL-Trainer Marc Zippel in seine Arme. Im Oktober 2018 hatte sich Zippel nach internen Unstimmigkeiten aus Hetlingen verabschiedet. Beim Wiedersehen einigten sich beide Seiten darauf, die „alten Geschichten“ ruhen zu lassen und lieber das freundschaftliche Miteinander zu pflegen.

Das Deichstadion gefällt

Hübsch haben sie es jetzt im Deichstadion. Der umzäunte kleine Sportpark mit Kunstrasen am Rande erlaubt den Kickern eine ungestörte Vorbereitung auf die Spiele. Die Außengastronomie mit den rustikalen Tischen kombiniert Fußball und Biergarten. „Ich bin zum ersten Mal hier. Begeisternd, was in diesem kleinen Dorf auf die Beine gestellt wird“, staunte VfL-Fan Jörg Niemann aus Pinneberg. Das eigene Team ließ auch keine Wünsche offen. Hervorragend gestützt von Keeper Marvin Kiesewetter, der schon in der achten Minute einen Foulelfmeter von Josip Dilber entschärfte, entzauberten die Kreisstädter zunächst die Osdorfer, die noch nicht einmal von einer Gelb-Roten Karte für VfL-Stürmer Lennart Lux (70.) profitieren konnten.

Marc Zippel stand die Freude ins Gesicht geschrieben. „Mentalität schlägt Talent. Sag ich doch.“ Gegen Concordia behielt das Team seine von taktischer Disziplin und läuferischem Einsatz geprägte Haltung bei. Noch nicht einmal ein vermutlich unhaltbarer, direkt verwandelter Eckball von Onur Saglam (0:1) konnte die Pinneberger erschüttern. Etwas Glück hatten sie bei einem umstrittenen Elfmeter von Ian Prescott Claus an die Latten-Oberkante (53.). Von einer Lehrstunde konnte aber überhaupt nicht die Rede sein.

Andre Trulsen gibt Trainingseinheit in Pinneberg

Marc Zippel holt trotzdem jemanden ins Haus, um seinen vielen jungen Schützlingen im Kader etwas beizubringen. Das ist der frühere Bundesliga-Profi Andre Trulsen (56), der außer bei seinem Leib- und Magenclub FC St. Pauli auch schon beim VfB Stuttgart, der TSG Hoffenheim und dem 1. FC Köln als Assistenzcoach arbeitete. Zippel kennt den einstigen Publikumsliebling am Millerntor seit 30 Jahren und trainierte Trulsens Sohn Tobias bei Nikola Tesla.

Dienstag um 19.30 Uhr erscheint „Truller“ im Stadion am Rosengarten, um den Pinnebergern seine Vorstellungen vom Fußball zu vermitteln. Angedacht ist hinterher noch ein Klönschnack beim Pils. Es wird aber nicht so spät wie in Hetlingen, wo Michael Kirmse und seine vielen ehrenamtlichen Helfer schon Pläne für das Turnier 2022 schmiedeten. Küchenfachberater Söhnke Bock-Bier versprach, dass sein Unternehmen den HMTV als Sponsor noch bis mindestens 2025 begleiten wird.

SV Rugenbergen sieht 11:0

Dass mit motivierten Oberliga-Kickern bisweilen nicht zu spaßen ist, merkte auch das Landesliga-Team von Hansa 11. Beim 11:0 (7:0) des SV Rugenbergen über die Männer von der Feldstraße waren Marlon Stannis (3), Sven Worthmann, Patrick Hoppe (je 2), Leon Neumann, Jan Schrage, Tim Homfeldt und Hendrik Rühmann erfolgreich. Der lauteste Jubel galt Nachwuchsstürmer Homfeldt (21), der sich in der Vorbereitung auf die Saison 2020/21 einen Kreuzbandriss eingehandelt hatte und sich sein Comeback mit dem Torerfolg zum 10:0 versüßte.

Ein Klassenunterschied wurde auch auf dem Kunstrasen von Grün-Weiss Eimsbüttel (Bezirksliga) deutlich, aber anders, als vom Gegner Rasensport Uetersen (Landesliga) gedacht. Raspo-Trainer Matthias Jobmann blieb nach dem erschreckenden 0:5 (0:1) seiner Mannschaft nur die Erkenntnis, „dass auf uns und die Ärzte viel Arbeit wartet“. Die Leistung der Uetersener krankte auch unter dem Ausfall von Marvin Schramm (Außenbandabriss), Roy Freiß (Syndesmosebandabriss) und Linus Schmidt (Knieverletzung).

Kurz nach dem Anpfiff schlich Kirill Shmakov (Oberschenkel-Probleme) vom Feld. Dem SSV Rantzau (Landesliga) reichte der schönste Treffer der Partie - Seitfallzieher von Jorrit Thieme – nicht, die Niederlage gegen den HEBC (1:4) abzuwenden.

Küchenwelten-Cup 2021: VfL Pinneberg – TuS Osdorf 3:1, Tore: 1:0 Füßmann (11.), 2:0 Alija (36.), 2:1 Adam (41.), 3:1 Pavlovic (90.+3) ; WTSV Concordia – Hetlinger MTV 8:0, Tore: 1:0, 6:0 Saglam (1., 49.) , 2:0, 7:0 Düzgüner (8., 54.), 3:0, 8:0 Claus (38., 76.), 4:0 Berkant (45.), 5:0 Ceban (46./ET). Spiel um Platz 3: TuS Osdorf – Hetlinger MTV 9:0, Tore: 1:0, 6:0 Hüttner (4., 62.), 2:0, 8:0 Wachter (21., 83.), 3:0 Aygün (29./ET), 4:0 Ehren (35.), 5:0 Saibou (36.), 7:0 Banoub (69.), 9:0 Amoah (86.). Finale: WTSV Concordia – VfL Pinneberg 4:0, Tore: 1:0 Saglam (8.), 2:0 Utz (21.), 3:0 Netzbandt (83.), 4:0 Arndt (90.).

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