Zahlenspiele

Was Rückennummern über Fußballer aussagen (können)

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Wolfgang Helm
SVHR-Keeper Niklas Marten (r.) – mit Jean Patrice Meyer (l., Union Tornesch) und Frederic Ernst –  mit seiner zähneknirschend akzeptierten 33 auf dem Trikot; die 18 oder als Alternative die Verdoppelung 36 hätte es eigentlich sein sollen.

SVHR-Keeper Niklas Marten (r.) – mit Jean Patrice Meyer (l., Union Tornesch) und Frederic Ernst – mit seiner zähneknirschend akzeptierten 33 auf dem Trikot; die 18 oder als Alternative die Verdoppelung 36 hätte es eigentlich sein sollen.

Foto: Kalle Meincke / KBS-picture

Ob 37, 55 oder 98: Viele Zahlen ergeben Sinn. Das Hamburger Abendblatt hat die Geschichten zu manch interessanter Nummernwahl erfragt

Pinneberg.  Treffen sich zwei Rentner auf dem Fußballplatz, bevor Corona den Spielbetrieb lahmlegte. „Guck mal den mit der 45 auf seinem Trikot. Das ist doch unmöglich“, schimpft der eine über die für den Fußball höchst unübliche Nummerierung. „Typisch die jungen Leute. Die wollen eben um jeden Preis auffallen. Früher gab’s sowas nicht“, entgegnet der zweite Herr mit dem weißen Haar. Abendblatt-Recherchen ergeben etwas ganz anderes. Zeig mir deine Rückennummer. Und ich weiß schon etwas über dich, ohne dir eine Frage gestellt zu haben.

Weltmeisterschaft 2018 in Russland, die deutschen Nationaltorhüter Manuel Neuer, Kevin Trapp und Marc-Andre ter Stegen schlüpfen in herkömmlich bedruckte Pullover. Neuer bekommt natürlich die 1, Trapp die 12, ter Stegen die 22. Nichts für Niklas Marten, geboren an einem 18. Februar. 2019 vom Wedeler TSV zur SV Halstenbek-Rellingen (Landesliga) gewechselt, hatte der Keeper mit dem leichten Hang zum Aberglauben inständig um die Textilie mit der 18 gebeten.

Pech, wenn die Wunschnummer im neuen Verein bereits vergeben ist

Vergeblich, diese Nummer ist bei HR schon fest an Jannik Arnold (Mittelfeld) vergeben. Murrend lässt sich Marten auf die 33 ein. Die kommt der 36 noch am nächsten. Das ist seine Rückennummer während seiner Zeit in Wedel, wo sich Routinier Christian Dirksen die 18 reservieren ließ. Martens Kompromiss seinerzeit: „Dann eben zweimal 18. Deshalb hatte ich die 36 genommen.“

Teamgefährte Pascal Haase favorisiert eine Zahl, die anderen Angst und Schrecken einjagt. Es muss die 13 sein, die er schon als Nachwuchskicker des SV Rugenbergen und beim USC Paloma getragen hatte. Was will uns der Torjäger damit sagen? Dass ihm nichts und niemand auf dem Rasen Furcht einflößen kann? „So ist es nun auch wieder nicht. Vielmehr hat sich die 13 bei uns in der Familie viele Jahre als Glückszahl erwiesen.“

Funktioniert. Während seiner sieben Bönningstedter Herrenjahre avancierte Haase zum Publikumsliebling. Phasenweise die 16 auf dem Rücken, die 13 immer im Kopf. Die HR-Fans dürfen sich auf einen Stürmer mit Tor-Garantie freuen, wenn es denn nach der Europameisterschaft (hoffentlich) auch bei den Amateuren wieder losgeht.

Die 25 verbindet Bundesligastar Thomas Müller und SSV-Kapitän Flemming Bruns

Stichwort EM, gibt’s dann ein Comeback von Thomas Müller, den Vorzeige-Profi von Bayern München, in der deutschen Auswahl? Der Nationalmannschaftsspieler Müller hatte wie Haase die 13 favorisiert, auf dem Hemd mit dem Adler jedenfalls. Beim Deutschen Serienmeister an der Isar „gehört“ ihm jedoch die 25. Was macht da einer wie Flemming Bruns, der Müller bewundert und dessen Spielweise nach Möglichkeit kopiert? Na klar, der Anführer des SSV Rantzau (Landesliga) hat sich ebenfalls die 25 zugelegt.

Bruns’ Barmstedter Teamkollege Tjark Thieme (20) freute sich immer, wenn er Yaya Toure (Elfenbeinküste) im Team von Manchester City in Aktion sah. Toure trug die 42, Tjark lange Zeit auch. Als er jedoch von der SSV-Zweiten in die SSV-Erste wechselte, musste er die Marotte aufgeben und das Hemd mit der 42 an Bruder Klaas Thieme (22) abtreten. „Verrückte Zeiten. Jetzt tragen die Älteren schon die Klamotten der Jüngeren auf. Früher war es umgekehrt“, werden sich die Rentner vielleicht wundern.

Ein „dreifacher Pirlo“ ergibt Fabian Tramas Nummer

Fabian Trama, Trainer des TuS Hasloh (Bezirksliga), huldigte während seiner aktiven Zeit dem Italiener Andrea Pirlo mit der 21. „Die 7 war Pirlos Rückennummer. Dreimal die 7 war meine.“

Ob Stephan Müller (TSV Sparrieshoop) mit der 82 oder die 98 Marek Meyer (SSV II), beide Torleute: Häufig geben hohe Trikotnummern auch Auskunft über das Geburtsjahr der betreffenden Spieler. Oder den gegenwärtigen Aufenthaltsort. Jannik Ruhser (Rantzau) will mit der 37 jedenfalls seine Verbundenheit zu 25337 Elmshorn, wo er zur Welt kam, zum Ausdruck bringen. Ob er mal ein Bier trinken geht mit Phillip Kuschka aus dem Oberligateam von Union Tornesch, der aus haargenau demselben Grund die 37 trägt? Zur 36 bekennt sich unverändert Stürmer Philipp Pohlmann, der vom FC Union zu Rasensport Uetersen wechselte. Gemeinsame Postleitzahl von Tornesch und Uetersen: 25436.

Viele wollen ihre Heimatverbundenheit auf dem Rücken dokumentieren

Und dann gibt’s ja noch die Mitbürger, die die ihre ausländischen Wurzeln nicht nur im Herzen tragen. Sansin Sahin, der frühere Präsident von TBS Pinneberg, erklärt die 55 auf dem Rücken von Stürmer Fatih Azar. „Fatihs Eltern stammen aus der türkischen Provinz Samsun am Schwarzen Meer. Das KFZ-Kennzeichensystem besteht aus einer Nummerierung dieser Provinzen. Samsun hat die Nummer 55.“ Also nicht PI – XY- Zahl, sondern 55 – XY – Zahl. Als Yakup Caytas bei TBS aufhörte, hinterließ er die 53 (Osmaniye). Die hält jetzt Verteidiger Emmanuel Thesen ohne eigenen Bezug an der Müssentwiete in Ehren. Sahin: „Wir sind nicht so verschwenderisch, dass wir gebrauchte Textilien nicht wiederverwenden.“

Auch Bezirksliga-Rivale FC Elmshorn denkt praktisch. Vizepräsident Uwe Wölm über das Erkennungs-Merkmal von Lukas Höppner, der sich allerdings bald verabschiedet: „Die 88 war übrig und hat ihm gepasst, also hat er sie bekommen.“

Eine runde 30 als Danksagung an den Ex-Trainer

Beim SC Pinneberg erweist Torhüter Florian Jensen einem ehemaligen Trainer mit der 30 Respekt. „Das ist die Lieblingsnummer von Selcuk Turan, der mich zu Blau-Weiß 96 holte und dem ich viel verdanke.“

Und dann ist da noch der Wedeler Kreisliga-Kicker Frederic Verter, der als junger Mann Konventionen aufbrechen wollte. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der SC Cosmos die 69 wirklich zulässt. Doch der Verein hatte zu meiner Überraschung keine Einwände.“

Und die 45? Dahinter verbergen sich Tim Pepe Hartlieb (SSV Rantzau) und dessen Verehrung für Italiens Skandalnudel Mario Balotelli, aktuell beim AC Monza mit der 45 unterwegs. Vater Otto liefert einen Spruch. „Tim Pepe kann 7, 8, 9, 10 und 11 spielen. Macht zusammen 45.“

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