Hilfsaktion

T-Shirt-Aktion soll helfen, unsere Sportvereine zu retten

| Lesedauer: 5 Minuten
Ulrich Stückler
Das T-Shirt, das den Vereinen helfen soll. 5 Euro von Erlös dieser Non-Profit-Hemden aus der Aktion #treubleiben wandern in die Kassen der hierfür registrierten Vereine. Kai Schefe (v.l., Webseite), Mandy Schild (NSO), Gilles Wulf-Balosch (1. Herren VG „HaPi“) und Sebastian Rieck (Spartenleiter VfL Pinneberg und 2. Vorsitzender VG „HaPi“) zeigen das Bio-T-Shirt, das in kürzester Zeit kreiert wurde.

Das T-Shirt, das den Vereinen helfen soll. 5 Euro von Erlös dieser Non-Profit-Hemden aus der Aktion #treubleiben wandern in die Kassen der hierfür registrierten Vereine. Kai Schefe (v.l., Webseite), Mandy Schild (NSO), Gilles Wulf-Balosch (1. Herren VG „HaPi“) und Sebastian Rieck (Spartenleiter VfL Pinneberg und 2. Vorsitzender VG „HaPi“) zeigen das Bio-T-Shirt, das in kürzester Zeit kreiert wurde.

Foto: Ulrich Stückler / HA

#treubleiben will mit Imagevideo und Shirt nicht nur Geld in die Kassen der Klubs spülen. Mitglieder sollen zum Bleiben animiert werden

Pinneberg/Hamburg.  Es sind nur 101 Sekunden. Doch diese 1:41 Minuten, die der zu Wochenbeginn auf der Videoplattform Youtube hochgeladene und in Windeseile in den sozialen Medien verlinkte Kurzfilm #treubleiben dauert, sollen eine Welle der Hilfe für Vereine auslösen. Der Plan scheint aufzugehen.

Rückblende. Mitte April macht sich Sebastian Rieck, Volleyball-Spartenleiter beim VfL Pinneberg und 2. Vorsitzender der VG Halstenbek-Pinneberg, auf den Weg zum NSO-Team, dem Sportartikelhändler und Textilbedrucker in der Schnackenburgsallee 158. „Eigentlich sollte es nur um einen Vertag über Merchandisingprodukte für unsere VG HaPi gehen, aber ich hatte da noch diese andere Idee im Gepäck“, erinnert sich Rieck.

Durch die Spartenleitung erfährt Rieck von den Sorgen nicht nur seines Vereins

Den langjährigen VfL-Volleyballer und Familienvater treiben schon seit Monaten Sorgen um seinen Verein um. „Über den Vorstandskontakt zu unserem Geschäftsführer Uwe Hönke habe ich viele Details darüber erfahren, welche Probleme durch die Coronapandemie und den damit verbundenen Mitgliederschwund entstanden sind; viele Mitglieder gehen, weil sie keine Gegenleistung für ihre Beiträge sehen.“ Zugleich etwas gegen diese Denkart tun und dabei seinem finanziell gebeutelten Verein zu helfen, das war das ursprüngliche Ziel.

Durch ein Imagevideo und ein Motto-T-Shirt ohne Verdienst für die Macher soll der Slogan #treubleiben Vereinsmitglieder zum Verbleib im Club bewegen und der Überschuss aus dem Verkauf zur Gänze dem Verein zugutekommen. „Das Projekt war zuerst für den VfL vorgesehen, aber dann habe ich überlegt“, sagte Rieck. „Im Sport geht es doch um Solidarität; nahezu jeder Verein leidet unter den Folgen von Corona. Also soll die Aktion auch allen Vereinen helfen.“

Die Idee stößt bei Partner NSO-Team auf offene Ohren

Und der geeignete Partner für dieses Vorhaben wäre, so dachte Rieck, das NSO-Team, bei dem auch „HaPi“-Volleyballerin Mandy Schild arbeitet. „Sebastian hat dann bei mir förmlich offene Türen eingerannt, als er die Idee unterbreitet hat“, sagt NSO-Geschäftsführer Mathias Neumann. „Mit unserem Geschäft haben wir direkt mit vielen Vereinen zu tun. Die Clubs sind zurzeit teilweise in einer Art Schockstarre; ich befürchte, dass gerade viele Ehrenämtler in Führungspositionen durch die Situation überfordert sein können.“

Neumann gibt „grünes Licht“, noch am selben Tag übermittelt Mandy Schild den ersten Entwurf für das Shirt an Rieck. Der hat mit Gilles Wulf-Balosch, NDR-Kollege Markus Friebe, sowie Kai Schefe für die Homepage und Andre Kulisch zur Betreuung der sozialen Medien ein Projektteam aufgestellt. Kontaktlisten werden durchforstet, prominente Sportler über die Aktion informiert, um Mitwirkung gebeten.

Das Echo ist überwältigend. „Wir haben binnen weniger Tage Olympiasieger, Welt- und Europameister und Meisterinnen für uns gewinnen können“, sagt Rieck.

Die Videobeitrage trudeln sogar aus Mexiko ein

So haben Ex-VfL-Volleyballer und Neu-Nationalspieler Florian Krage, Handballweltmeister Dominik Klein, Paralympicsteilnehmerin Edina Müller (Gold 2012 Rollstuhlbasketball, Silber 2016 Kajak), Stefan Schröder (Handball-Champions-League-Sieger 2013), Julius Thole (Beachvolleyball-Vizeweltmeister 2019) und Alida Rigoll (Taekwondo-Europameisterin 2005) ihr „Sprüchlein“ gern aufgesagt. Rieck: „Die Weltklasse-Beachvolleyballerinnen Margareta Kozuch und Laura Ludwig haben ihren Beitrag sogar aus Mexiko geschickt, wo sie grad auf der World Tour im Einsatz waren.“

Markus Friebe schneidet die Filmsequenzen zu einem kleinen Meisterwerk zusammen

Sie alle sprechen die Worte „Ich bleib treu“ als Aktionsmotto und müssen nun nur noch in einen Film eingebettet werden. Das Drehbuch zu schreiben bereitet NDR-Mann Rieck keine Mühe, die Dreharbeiten gehen in Windeseile über die Bühne, auch Riecks Kinder Jonna und Linus übernehmen kleine Rollen. Am Ende ist es aber an Markus Friebe, das Kunstwerk zu vollenden. „Er hat den Film wirklich meisterlich zusammengeschnitten.“

Das findet auch Karsten Tiedemann, Geschäftsführer des KSV Pinneberg: „Das Video bringt alles auf den Punkt. Große Gefühle, Leere in den Sportanlagen, viel Herz, viel Sehnsucht und die Hoffnung, dass bald alles vorbei ist. Es wird hoffentlich weit verbreitet und Wirkung zeigen.“

In der ersten sechs Onlinestunden gehen bereits 50 Bestellungen ein

Und wirken tut es. „In den ersten sechs Stunden online haben wir schon 50 Bestellungen erhalten; ein toller Anfang“, sagt Mandy Schild, die die Bestellungsabwicklung und den Versand der 10,90 Euro plus Porto kostenden T-Shirts verarbeitet sowie die mitwirkenden Vereine registriert. Fünf Euro aus dem Verkaufserlös pro Shirt gehen an den vom Käufer hierfür ausgewählten und zuvor registrierten Verein. Bis Freitagabend waren die die VG Halstenbek-Pinneberg, Chemie Volley Mitteldeutschland, HSG Elbvororte, HSG Ostsee, HSV Handball Jugend, Komet Blankenese, SV Blankenese, SV Eidelstedt, TSV Neustadt, TSC Wellingsbüttel und TSV Weddelbrook.

Die Aktion überzeugt und schon bei Erstveröffentlichung des Films haben bereits weitere Sport­promis ihre Beteiligung zugesagt und teilweise auch schon Videos eingereicht. „Vielleicht produzieren wir ja noch einen zweiten Film“, sagt Sebastian Rieck. „Jede zusätzliche Aufmerksamkeit kann uns doch nur helfen.“

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