Pinneberg
Pferdesport

Der Meister, der auf zwei Hochzeiten reitet

Glücklicher Sieger mit Sohn Bennet (3) und Stute Rocklady (11): Gold für  Pferdewirtschaftsmeister Henrik Hümpel (37) vom Schäferhof in Appen.

Glücklicher Sieger mit Sohn Bennet (3) und Stute Rocklady (11): Gold für Pferdewirtschaftsmeister Henrik Hümpel (37) vom Schäferhof in Appen.

Foto: Melanie Mallon

Henrik Hümpel holt als einziger Schleswig-Holsteiner das kombinierte Goldene Reitabzeichen für Dressur und Springen. Mit 17 startete er durch

Appen/Moorrege. Dressur ist immer die Basis, um im Springsport Erfolge zu erzielen. Doch in den meisten Fällen konzentrieren sich Reiter nach der Anfangsphase ganz auf den Hindernis-Ritt im Parcours. Bei Henrik Hümpel ist das anders. Der Moorreger beherrscht nicht nur beide Disziplinen, er hat sie immer weiter perfektioniert. So sehr, dass er jetzt beim Championat der norddeutschen Berufsreiter im Reitstall Klöven­steen mit dem kombinierten Goldenen Reitabzeichen ausgezeichnet worden ist.

Damit hat der 37-Jährige in diesem Jahr als Einziger in ganz Schleswig-Holstein die Ehrung sowohl fürs Springen als auch für die Dressur bekommen. „Besonders das kombinierte Reitabzeichen hat ein Alleinstellungsmerkmal, das schaffen nur ganz wenige Reiter. Henrik Hümpel ist in diesem Jahr eine Besonderheit“, sagt Dirk Langhoff vom schleswig-holsteinischen Pferdesportverband mit Sitz in Bad Segeberg.

Um diese Auszeichnung zu erhalten, reicht es keineswegs, bei ein, zwei großen Turnieren zu siegen. Vielmehr muss der Reiter das ganze Jahr über kontinuierlich sehr gute Leistungen bringen, die bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) im nordrhein-westfälischen Warendorf registriert und ausgewertet werden. Die Mindestanforderung: im Springen und der Dressur jeweils fünfmal Platz eins bis drei.

Der Weg zum kombinierten Goldenen Reitabzeichens war lang. Wie viele spätere Champions saß Hümpel schon auf dem Pferd, bevor er richtig laufen konnte. „Mein erstes Pony Jupp legte den Grundstein“, erzählt Hümpel. Doch so richtig sprang der Funke auf dem elterlichen Reitstall Borstorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) nicht über. „Da waren andere Dinge einfach interessanter“, sagt Hümpel lachend. Er kehrte dem Reiten bis ins Teenageralter den Rücken.

Mit 17 Jahren zog es den Schüler dann doch wieder in den Sattel, die ersten Turniererfolge mit der Stute Kenia aus der hofeigenen Zucht brachten Spaß. „Ich wurde hungrig und wollte mehr erreichen“, sagt der junge Familienvater. Da half es natürlich, dass Kenia im Dressur- und Springsport gute Leistungen zeigte. „Und mein Vater Reiner war Trainer, Helfer und Pferdepfleger zugleich.“

Im Sommer 2006 ergibt sich die Gelegenheit, im Betrieb von Martina Hannöver-Sternberg in Lütjensee (Kreis Stormarn) die Ausbildung zum Dressurreiter zu beginnen. Die erste Lektion: Dressurstiefel für das nächste Turnier zu wienern. Und wie geht das? „Die Reitstiefel werden mit Schuhcreme aufgefrischt und – ganz wichtig - mit einem ausgedienten Nylon-Strumpf auf Hochglanz poliert“, sagt Hümpel grinsend. „Ein altes Patentrezept, funktioniert hervorragend.“ Im zweiten Lehrjahr wechselt Hümpel zum internationalen Pinneberger Grand-Prix-Reiter Wieger de Boer, der seinen Stall in Norderstedt betreibt. Wer bei de Boer reiten lernen will, muss sowohl Dressur als auch Springen beherrschen. Das ist eine klare Ansage für den jungen Reiter, die Stuten Antje (Springen) und Ramina (Dressur) tragen mit ihm die Siegerschleifen in den Stall.

Von 2013 bis 2016 reitet Hümpel für den Wedeler Tannenhof von Wolfgang Stritzke und Bettina Schellin. In dieser Zeit trainiert Hümpel beim internationalen Dressurausbilder Martin Christensen(52); der Däne hat aktuell beim Championat der norddeutschen Berufsreiter im Reitstall Klövensteen die Silbermedaille in der Dressur geholt.

Hümpel bringt es zum Pferdewirtschaftsmeister und wagt auf Gut Schäferhof in Appen den Sprung in die Selbstständigkeit. Dafür braucht es nicht nur gute Pferde, sondern auch Geduld, Ausdauer und Fleiß. 40 Boxen hat Hümpel dort, seine Arbeitstag als Berufsreiter beginnt um 6 Uhr morgens und endet nicht selten erst um 22 Uhr.

„Meine Trümpfe im Stall sind die elfjährige Stute Rocklady für die Dressur und der 13 Jahre alte Wallach Willem fürs Springen; die beiden Pferde, die mich zum kombinierten Goldenen Reitabzeichen getragen haben“, sagt Hümpel, der mit seiner Frau Diana (30) sowie den Kindern Bennet (3) und Mathilda (1) im benachbarten Moorrege wohnt.

Diana ist Spezialistin für die klassische Reitausbildung. Doch bevor sie ihren Traumberuf Pferdewirtin erlernen durfte, musste sie eine kaufmännische Ausbildung machen. „Meine Eltern bestanden auf einer grundsoliden Basis für das Berufsleben“, sagt die junge Mutter.

Seine beiden Siegerpferde bildet Henrik Hümpel mit Feingefühl, Ruhe und einer guten Portion Gelassenheit weiter bis zur schwersten Klasse S aus. Unterstützung bekommt er vom zweifachen Derbysieger Carsten-Otto Nagel, Chefbereiter des Moorhofs in Wedel. „Ich darf Carsten-Otto immer um Rat fragen“, sagt der 37-Jährige. „Willem und ich haben ihm viel zu verdanken.“